Solothurn

Die Technik zeigt, welches Dach für Solarenergie in der Stadt geeignet ist

Die Photovoltaik-Anlage der Regio Energie wurde Ende 2013 in Betrieb genommen und war damals noch bewilligungspflichtig. Das wäre laut Solarkataster heute nicht mehr so, weil sie sich ausserhalb der geschützten Zone befindet.

Die Photovoltaik-Anlage der Regio Energie wurde Ende 2013 in Betrieb genommen und war damals noch bewilligungspflichtig. Das wäre laut Solarkataster heute nicht mehr so, weil sie sich ausserhalb der geschützten Zone befindet.

Durch ein neues Tool, den Solarkataster, findet ein Hausherr in Solothurn schnell heraus, ob sich das eigene Dach technisch als Fläche für Sonnenkollektoren oder für eine Photovoltaik-Anlage eignet.

Ob sein Haus auf der Sonnen- oder Schattenseite steht, findet ein Hausherr rasch heraus – Technik sei Dank: Seitdem das Werkzeug Solargis vor zweieinhalb Jahren an der Sonderschau der Herbstmesse vorgestellt wurde, hat er für sein Solarprojekt die nötigen Infos digital zur Hand. Eignet sich das eigene Dach technisch als Fläche für Sonnenkollektoren oder für eine Photovoltaik-Anlage, so lässt sich das im Solarkataster unter www.solargis.ch auch noch beziffern: in Quadratmetern nutzbarer Dachfläche, in Kilowatt erwartbarer Leistungsspitzen, im eingesparten CO2-Äquivalent oder in Franken der Investitionskosten. Das Tool wurde im Biberister Büro BSB+Partner entwickelt – in Zusammenarbeit mit Helion Solar AG, der Grenchner SWG und der Von Arx Systems AG.

Nun hat es der Hausherr seit gut einem Jahr nicht nur dank dieser technischen Stütze einfacher, darüber nachzudenken, wie er die Sonne einfangen könnte. Auch der amtliche Weg dorthin ist leichter geworden: Seit 1. Mai 2014 wurden mit der Änderung des Raumplanungsgesetzes auch die Bewilligungshürden für Solaranlagen gesenkt: Aus der bisherigen Bewilligungspflicht wurde eine reine Meldepflicht – ausser bei geschützten Bauten, sowie in definierten Schutzzonen.

«Solartaugliche» Kathedrale?

Nun trägt eben gerade die Stadt Solothurn seit 2004 das Label «Energiestadt» und positioniert sich damit auch in Fragen der Energiezukunft. Allerdings versteht sie sich ebenso als Kulturstadt – und dies noch viel länger als 2004. So verfügt Solothurn über eine Zahl an geschützten bis schützenswerten Gebäuden und kennt entsprechende Auflagen zum Ortsbildschutz. Im besagten Solarkataster lässt sich technisch sogar die «Solartauglichkeit» der St.-Ursen-Kathedrale berechnen – auch wenn der Weg zu einem panelbestückten Kirchendach selbstredend kaum gehbar sein dürfte.

Solargis zeigt gerade im Fall der Stadt Solothurn auf, welche Bauten, Ensembles oder Stadtteile geschützt sind. Dazu zählen unter anderem die Altstadt und ihre direkte Peripherie, aber auch die Vorstadt nördlich der Bahnlinie, ebenso das Gebiet um die Kantonsschule und das Hermesbühlquartier.

«Es ist nur bedingt richtig, dass es in diesen Gebieten unmöglich wäre, eine Solaranlage zu bauen», relativiert Daniel Laubscher, Chef der Stadtplanung. «Aber es wäre sehr schwierig, beispielsweise in der Altstadt eine Baubewilligung für eine Solaranlage zu bekommen.» Kleineren Anlagen, die allenfalls auf einem Altstadtdach möglich wären, würde die nötige Effizienz fehlen. Und: Zu guter Letzt hat die Kommission für Altstadt- und Denkmalfragen in diesen Belangen ebenfalls ein Mitspracherecht.

Auch als Folge der gelockerten Bewilligungspolitik hat die Stadtplanung nun Ausführungsbestimmungen erarbeitet und auf ihrer Homepage publiziert. Es sind dies Richtlinien, die zusammen mit dem Werkzeug Solargis dem Hausherrn als Hilfestellung dienen und die Gestaltungs- und Siedlungsqualität sicherstellen sollen.

«Uns ist wichtig, dass der Hausherr in seinem Verfahren Klarheit bekommt, aber auch, dass er bei seiner Anlage an Gestaltungskriterien denkt», sagt Laubscher dazu. «Denn es gibt gute und schlechte Wege zur Gestaltung.» Als gutes Beispiel einer Anlage nennt Daniel Laubscher den Firmensitz der Regio Energie Solothurn. Dort nämlich wurde im Dezember 2013 eine Anlage in Betrieb genommen, die vertikale und Dach-Solarpanels integrierend kombiniert.

Solaranlagen, die harmonieren

Im Zentrum der publizierten Richtlinien steht unter anderem, wie die Solarinstallation in Form, Struktur und Farbe mit dem Gebäude, aber auch mit benachbarten Bauten und allfälligen anderen Anlagen harmonieren kann. Sie soll zudem «reflexionsarm» gehalten werden. Bei Neubauten soll eine Solarinstallation bewusst als integrativer Bestandteil der Architektur geplant werden. Ebenso äussern sich die Richtlinien dezidiert zum «Layout», die die Solarpanels auf einem Dach haben sollten. Laut der Richtlinien soll der Bauherr diese Gestaltungskriterien bei seinem Solarprojekt auf alle Fälle beherzigen – sei es im Baubewilligungsverfahren oder aber auch «nur» im Meldeverfahren.

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