Solothurn
Die Taverna Amphorea wird an die nächste Generation übergeben — sie bleibt jedoch in griechischer Hand

Nach 30 Jahren setzen sich Regula und Stelios Charamandas zur Ruhe. Die Taverna Amphorea bleibt, heisst aber künftig Taverna Elea.

Judith Frei
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Regula Charamandas, Elias Karambetsos und Stelios Charamandas stossen mit Uzo auf die Zukunft an.

Regula Charamandas, Elias Karambetsos und Stelios Charamandas stossen mit Uzo auf die Zukunft an.

Hanspeter Bärtschi

Jetzt ist es so weit: Das Ehepaar Regula und Stelios Charamandas übergeben ihr Restaurant Taverna Amphorea an die nächste Generation. «Wir haben schon lange geplant, Ende 2020 in Pension zu gehen», erklärt Regula Charamandas. Dass sie ihr Restaurant – nach 30 Jahren – unter den gegebenen Umständen abgeben, sei traurig. «Wir hätten gerne unseren Gästen mit einem Fest für die langjährige Treue gedankt», sagt Regula Charamandas.

Im Januar 1991 haben sie an der Hauptgasse 51 die Taverna Amphorea eröffnet, 2007 erfolgte der Umzug an den Stalden 31. Jetzt im Dezember 2020, nach einem sehr herausfordernden Jahr, werden die Türen am Stalden geschlossen.

Der grosse Schritt in die Selbstständigkeit

Die perfekte Nachfolgelösung haben sie gefunden. «Wir sind überglücklich, dass Elias Karambetsos das Restaurant übernehmen wird», sagt Regula Charamandas und strahlt. «Ich bin sehr glücklich, aber auch ein wenig nervös», meint Karambetsos, er übernimmt das Restaurant in einer allgemein schwierigen Zeit. Stelios, der neben ihm sitzt, klopft ihm väterlich auf die Schulter.

Es sei der richtige Zeitpunkt, um das Restaurant weiterzugeben, halten Stelios und Regula Charamandas fest. Sie freuen sich auf Neues. Der neue Besitzer, Elias Karambetsos, arbeitet seit 2014 in der Taverna Amphorea als Koch, kennt die Küche in- und auswendig.

Die Übernahme des Betriebs ist für den 29-Jährigen der grosse Schritt in die Selbstständigkeit, doch er weiss genau, auf was er sich einlässt. «Meine Familie hat in Griechenland eine Taverne auf dem Land und führte jahrelang ein Café im Zentrum Athens», erzählt er. Während der schulfreien Zeit habe es ihn immer an diese Orte gezogen, um auszuhelfen und zu lernen, was es heisst, ein Restaurant zu führen.

Solothurn wurde zur neuen Heimat

Vor sechs Jahren fragte ihn sein Onkel, ein guter Freund von Stelios, ob er für einige Zeit bei Stelios in der Küche aushelfen möchte. Das Abenteuer in der Schweiz hat ihn sofort gereizt. Damals dachte er nicht, dass er für so lange Zeit in Solothurn bleiben wird. Stelios ging es vor 40 Jahren ähnlich, als er mit Regula in ihre Heimat kam. Dass das Paar für immer in der Schweiz bleibt, war nicht von vornerein klar.

Solothurn hat Elias Karambetsos sofort gefallen, heute fühlt er sich hier zu Hause. «Am Anfang war es schwierig mit der Sprache. Die ersten zwei Jahre waren hart», sagt er auf Schweizerdeutsch mit einem charmanten griechischen Akzent. «Ich glaube, wenn ich jetzt nach Griechenland zurückkehrte, würde ich die Schweiz mehr vermissen, als ich jetzt Griechenland vermisse.»

Kulturelle Abende in der neuen Taverna

Für ihn ist sein altes Heimatland noch sehr wichtig. Seit er in der Schweiz ist, hat er angefangen Bouzouki – ein traditionelles griechisches Instrument – zu spielen. Er kennt auch viele griechische Musiker, die hier leben. «Ich würde gerne in meinem Restaurant griechische Bands auftreten lassen», sagt er. Ein Mezze-Abend mit griechischer Musik, oder ein Abend bei dem er selbst zum Bouzouki greift. Das sind Ideen, die er in nächster Zeit noch ausreifen will.

Vieles soll im Restaurant gleichbleiben. «Mir gefällt es sehr gut, wie Regula das Restaurant eingerichtet hat», sagt Karambetsos. Auch wird er weiterhin traditionelle griechische Gerichte kochen. «Ich werde aber strikt saisonal kochen», sagt er. Einen griechischen Salat mit Gurken und Tomaten wird man im Winter vergeblich auf seiner Speisekarte suchen. «Ich will so kochen, wie es meine Grossmutter gemacht hat: saisonal und regional.»

Wann Karambetsos wieder die Taverna aufmachen kann, kommt auf die äusseren Umstände an. Bis Ende Februar 2021 werden die Türen bestimmt geschlossen bleiben. Falls sich im März die Coronasituation entspannt hat, wird er zu diesem Zeitpunkt das Restaurant eröffnen. Dann heisst das Restaurant nicht mehr Taverna Amphorea, sondern Taverna Elea – die Taverna zum Olivenbaum.

Amphorea Me Kefi - Ein Koch- und Kunstbuch

Eine handgeschriebene Sammlung von Rezepten war der Ursprung für das Kochbuch «Amphorea Me Kefi». Das Buch mit den Rezepten von Stelios Charamandas soll das in der Taverna Amphorea zelebrierte Lebensgefühl, das Kefi, weiterreisen lassen. Das Projekt involviert die ganze Familie und ein Team kreativer Köpfe. Neben dem Kernteam teilten Freundinnen und Freunde ihr Wissen und ihre Fähigkeiten. Die Arbeiten für das Buch sind seit diesem Frühjahr im Gange. Stelios’ Tochter, die bildende Künstlerin Dimitra Charamandas, hat das ambitionierte Projekt gestartet. «Seit wir das Projekt angefangen haben, ist es organisch gewachsen – und grösser geworden», sagt Dimitra. Sie sind aber noch im selbst gesetzten Zeitplan und werden es im Frühling fertigstellen. Die erste Auflage wird durch das Crowdfunding, welches sie im Sommer auf der Plattform «We make it» lanciert haben, finanziert. Insgesamt kamen dabei 57000 Franken zusammen. Ob es eine zweite Auflage geben wird, steht noch offen. (jfr)