«Geh ma Tauben vergiften im Park» sang der österreichische Kabarettist Georg Kreisler. «Me söll die Tube mache lo, es sig jo gliich wohi», heisst es hingegen im Solothurner Lied. Kaum ein Tier polarisiert auf eine Weise, wie es die Stadt- oder Strassentaube fertigbringt.

(Quelle: youtube/georgkreislerupload)

Das Lied von Georg Kreisler: Tauben vergiften

In Solothurn ist es nicht anders, weswegen CVP-Gemeinderätin Susan von Sury-Thomas die Thematik vergangenen Oktober in einer Interpellation aufgriff. Der damals eingereichte Vorstoss wurde nun durchs Stadtpräsidium im Hinblick auf die kommende Gemeinderatssitzung nächsten Dienstag beantwortet.

Von Surys Bestandesaufnahme: «Es entsteht der Eindruck, dass die Situation in gewissen Teilen der Altstadt schlimmer ist als früher.» Gerade im Perimeter des Friedhofsplatzes scheinen sich die Tauben wohlzufühlen - im Gegensatz zu den Anwohnern.

Vogelkot geht bei Hauseingängen oder auf Schaufenstern nieder - und manchmal auch auf den Passanten selbst. Fensterläden werden nicht mehr geöffnet - aus Angst, die Tauben könnten dort nisten. Weil andere Nistplätze aufgrund von Netzen oder Taubendrähten für die Vögel unzugänglich geworden sind, suchen sich diese neue Plätze aus. Und zu allem Übel sehen sich laut Vorstoss auch heute noch einige Leute dazu veranlasst, Tauben «wild» zu füttern.

«Schutz vor Tauben ist Privatsache»

Vom Stadtpräsidium forderte Susan von Sury nun Auskünfte über die Taubenpopulation der Stadt Solothurn, eine Einschätzung über den Ernst der Lage, sowie Informationen, wie man die Probleme handhabt. Auch fragt die Interpellantin, wie sich das Füttern unterbinden liesse und welche Rolle Littering bei der Nahrungssuche der Vögel spiele.

In seiner Beantwortung des Vorstosses teilt Stadtpräsident Kurt Fluri die Einschätzung nicht, dass der Verschmutzungsgrad durch Tauben zugenommen habe. Im Gegenteil: «Nach unserer Wahrnehmung hat die Verschmutzung der Gassen und Strassen eher abgenommen.»

So verfügen auch die meisten Liegenschaften in der Altstadt über entsprechende Abwehrmassnahmen wie Verdrahtungen oder Netze, um Tauben fernzuhalten. Allerdings weist Fluri darauf hin, dass der Schutz vor Tauben Sache der Hauseigentümer sei.

In der Person von Otto Marrer stellt die Stadt dennoch eine offizielle Fachkraft bereit, die sich dem sogenannten «Taubenmanagement» verschrieben hat - von der Beratung von Anwohnern bis zur Betreuung der vier bestehenden Taubenschläge.

Für die Pflege dieser Infrastrukturen durch den pensionierten Werkhofmitarbeiter und «Taubenvater» Marrer budgetiert die Einwohnergemeinde jährlich 4000 Franken.

Ausmerzaktion im Muttiturm

Zur Taubenpopulation, die sich sonst kaum zuverlässig durch Zählen messen lässt, liefern zumindest diese Taubenschläge Anhaltspunkte: Am Standort Jesuitenkirche wurden 30, beim Muttiturm 100, beim Baseltor 20 und beim Prison in der Vorstadt 10 Tauben gezählt. Allerdings stehe für den Standort Muttiturm eine grössere Ausmerzaktion in Aussicht.

Grundsätzlich werden laut Fluris Interpellationsantwort jährlich 300 Tauben in den Schlägen gefangen und tierschutzkonform getötet. Ferner werden rund 100 Eier angestochen, sodass die Taube vergeblich weiterbrütet, ohne neue Eier zu legen. Auch verweist Fluri auf frewillige «Helfer»: natürliche Feinde wie zum Beispiel Marder und Raubvögel.

Geht es um bessere Aufklärung notorischer «Futter-Verstreuer», so erwägt die Stadtverwaltung, Flugblätter zu verteilen oder direkt zu sensibilisieren, um die unnötigen Fütterungen durch Passanten zu unterbinden. «Hingegen möchten wir nicht noch mehr Plakatständer in der Stadt aufstellen, da diese sonst kaum mehr beachtet werden.»

Weniger problematisch als die «wilde» Fütterung sei das Littering mit Essensresten: «Diesem wird durch eine ständige Reinigung der Strassen Abhilfe geschaffen», so Stadtpräsident Fluri.