Stückauswahl und Regie im früheren Schulheim, dem heutigem Zentrum für körper- und sinnesbehinderte Kinder (ZKSK), sind seit vielen Jahren legendär und besitzen fast schon Kult-Charakter. Auch diesmal gelang den vielen Mitwirkenden mit dem Bühnenspiel «Nora und der grosse Bär» wieder ein Ausflug ins Poetisch-Fantastische. Dreh- und Angelpunkt des Theaters ist ein gewaltiger Bär, der mit Glühaugen ins Publikum feuert, seine Zähne blecken und sogar die Arme bewegen kann.

Das fast furchteinflössende, mit Fell umhüllte Tier wird auf Rollen geschoben und ist im Spiel immer präsent. Seinen etwas unheimlichen Eindruck, der grosse und kleine Leute am Aufführungsort in der ZKSK-Turnhalle ganz still werden liess, verstärken ohrenfällig passend intonierte Geräusche und augenfällige Beleuchtungseffekte. Sogar weissen Rauch schnaubt das Prachtstück aus, das aus bester Handarbeit des Werklehrerteams stammt.

Liebevoll erzählt

Eine Gruppe Jäger will dem Bär nachstellen und ihn fangen oder vielleicht gar töten? Wenigstens einmal aber sehen möchten sie den uralten Bewohner ihres Waldes, von dem sie sich stets beobachtet fühlen. Energisch meldet sich die zierliche, mit rotem Wams bekleidete Nora zu Wort: «Ich will den Bären besiegen.» Dazu sei sie doch viel zu klein und kraftlos, nehmen ihr die Jägerkumpanen alles Selbstvertrauen.

Schliesslich darf sie doch auf die Suche nach dem Bären mitkommen. Tiere und verschiedenste Vögel durchstreifen – klanglich untermalt- den Wald, die Jäger üben sich mit Pfeil und Bogen, und das Jagdhorn schallt. Denn entdeckt wurde eine Spur von grossen Bärentatzen. Aber wieder hält sich Meister Petz verborgen. Gegenseitig machen sich die Jäger Mut «I bi starch- I ha geübt- und i strotze vor Muet».

Doch alle Kraftmeierei hilft nichts, wenn der Erfolg ausbleibt. «Vielleicht haben wir im nächsten Jahr mehr Glück», trösten sie sich. Zurück im Wald bleibt aber Nora, die dem Bären einfach nur begegnen will, ohne ihn mit Hunden oder Fallen zu jagen. «Zeig dich, grosser Bär», ruft sie viele Male. Und tatsächlich kommt sie ihm näher, wie das auf eine Leinwand projizierte Schattentheater miterleben lässt. Das Tier verhält sich sogar ganz zutraulich und macht damit das kleine Mädchen sehr glücklich.

Eingefügt ist die Handlung in den Wechsel der Jahreszeiten, die jeweils die jüngsten ZKSK-Schülerinnen und Schüler zauberhaft kostümiert als Frühling, Sommer, Herbst und Winter verkörpern. Der grosse Chor im Bühnenhintergrund singt dazu Lieder, die textlich das Märchenspiel ausschmücken. Rassig adaptiert war in diesen Vorträgen beispielsweise auch die Melodie des Pink-Floyd- Hits «We don’t need no education».

Nicht wegzudenken aus allen Szenen war die begleitende Musik, die das instrumental vielfältig aufgestellte Hausorchester so schwerelos produzierte. Dies wirkte wie Zuckerguss über dem gesamten Schultheater.

Das Publikum bedankte sich mit stürmischem Applaus bei der hoch motivierten Truppe aus Lehrkräften mit ihren kreativen Ideen und Ausstattungseinfällen sowie bei den strahlenden jugendlichen und kindlichen Darstellern. Gerade sie hatten sich bravourös über mancherlei individuelle Einschränkung hinweggesetzt und bunte Spielkunst geboten.

Beim anschliessenden Apero für die riesengrosse Gästeschar war überall zu hören, wie gut dieses Weihnachtsspiel allen Beteiligten gefallen hat.