Narrenzunft Honolulu

Die Stiftung zur Jahrtausendfeier im Jahr 2481 wurde aufgelöst

Stiftungsratspräsident Robert Caviezel (r. vorne) übergibt Narrenzunft-Säckelmeister Samuel Hofer das Bankbüchlein im Beisein von Honolulu-Ober Peter Keller (Mitte) sowie Aktiv- und Altnarren aus der Zeit der Stiftungsgründung. Mit dabei auch Alt-Stadtammann Urs Scheidegger (r.)

Stiftungsratspräsident Robert Caviezel (r. vorne) übergibt Narrenzunft-Säckelmeister Samuel Hofer das Bankbüchlein im Beisein von Honolulu-Ober Peter Keller (Mitte) sowie Aktiv- und Altnarren aus der Zeit der Stiftungsgründung. Mit dabei auch Alt-Stadtammann Urs Scheidegger (r.)

Der Amtsschimmel wirft die Narren ab: Die 1982 gegründete Stiftung zur Jahrtausendfeier Solothurns bei der Eidgenossenschaft ist beerdigt. Das Vermögen von 23 Franken und 35 Rappen soll vorschriftsgemäss aufgeteilt werden.

Die Idee war so einfach wie bestechend: Man zahle 11 Franken auf ein Konto ein und in 500 Jahren steht «ein schöner Batzen» für ein grandioses Fest zur Verfügung. «Gerechnet wurde damals bei durchschnittlich 4 Prozent Zinsen mit einem geäufneten Vermögen von 3,6 Milliarden Franken in 500 Jahren.» Robert Caviezel, 1981 Ober der Narrenzunft Honolulu, hatte mit seinen Zünftlern eine Stiftung aufgegleist, um im Jahr 2481 ein Riesenfest steigen zu lassen.

1000 Jahre Solothurn bei der Eidgenossenschaft sollten ganz anders gefeiert werden als das gerade begangene 500-Jahr-Jubiläum, das vor allem für geladene Offizielle beglückt hatte. «Wir wollten so erreichen, dass das künftige 1000-Jahr-Fest nicht wieder am Volk vorbeigeht», blickt Caviezel auf die damalige Motivation zur Stiftungsgründung zurück.

Trotz des «sozialkritischen Ansatzes» wurde die Stiftung im Januar 1982 vom Regierungsrat genehmigt – der damalige Staatsschreiber Max Egger, selbst Honolulu-Narr, hatte den entsprechenden Beschluss in närrische Verse gegossen. Notariell beglaubigt wurde die Stiftung damals vom Solothurner Amtsschreiber Karl Studer, der rein zufällig ebenfalls der Narrenzunft Honolulu angehörte.

Wenn Gesetzesmühlen mahlen

«Dann ist 25 Jahre lang nichts mehr passiert», erzählt Robert Caviezel weiter. Die Zinsentwicklung hatte inzwischen zwar die Hoffnungen auf dereinstige Milliarden arg geschmälert, aber immerhin hatte sich das Stiftungsvermögen bis zum 12. 12. 2012 mehr als verdoppelt. Doch die nun total 23 Franken und 35 Rappen Vermögen wurden um ein Mehrfaches übertroffen durch inzwischen aufgelaufene Gebühren des Handelsregisters und der Stiftungsaufsicht.

Zudem hätte über kurz oder lang eine Revisionsstelle laut neuem Stiftungsrecht auch den «Jubiläumsfonds für die Feier 1000 Jahre Stand Solothurn im Bund der Eidgenossenschaft» überwachen müssen – Auflagen, die in krassem Widerspruch zur 1982 noch zugesicherten Gebührenfreiheit standen.

Robert Caviezel: «Wir suchten in guten, offenen Gesprächen nach Möglichkeiten, den Amtsschimmel doch noch zu zähmen. Aber letztlich hatte der Wille dazu gefehlt» Die angepeilte Wunschlösung, die Stiftung weiterhin gebührenfrei führen zu können, scheiterte offenbar auf höchster Ebene an Befürchtungen, damit werde ein Präzedenzfall geschaffen. Und auch einem Hintertürchen über den Lotteriefonds wurde trotz «grossem Goodwill für unser Anliegen», wie Caviezel betont, der Riegel geschoben.

Ball zurück an die Narrenzunft

Nun wurde an der zweiten und gleichzeitig letzten Sitzung des Stiftungsrats nolens volens der Entscheid gefällt, die Stiftung aufzulösen. «Das Vermögen wird vorschriftsgemäss zwischen der Stifterin, der Narrenzunft Honolulu, und dem Kanton aufgeteilt», so der gewesene Stiftungsratspräsident. Zum Aufhebungsakt trafen sich aktive und Altnarren, aber auch seitens der Stiftungsverwalterin, der Stadt Solothurn, Alt Stadtammann Urs Scheidegger im Restaurant Stephan.

Spontan wurden aus der Mitte die 11,68 Franken, die dem Staat, genauer dem Departement des Innern, zufallen, wieder einbezahlt. Damit kann die Narrenzunft Honolulu nun als Besitzerin eines Sparbüchleins über 23.35 Franken dafür sorgen, dass in 468 Jahren die 1000-jährige Zugehörigkeit des Standes Solothurn zur Eidgenossenschaft doch noch in einem wahrlich «zünftigen» Rahmen gefeiert werden kann.

Hatte man 1982 noch voller Euphorie gedichtet: «Und ohni dass ’s der Staat muess reue, chöi alli a däm Fescht sech freue», so tönte es jetzt, beim Auflösungsakt leicht resignativ: «D’ Gebühre raube üs dr Schnuuf, drum hebe mir die Stiftig uf.» Übrigens: Die Gebühren fallen der Narrenzunft nicht zur Last, denn auch diese werden grosszügigerweise von damaligen Promotoren der Stiftung übernommen.

Und so blieb am Samstag als allerletzter Akt nur noch das Erweisen der letzten Ehre an die dahingegangene Stiftung. Die Narren taten das Honolulu-like mit Stil: durch das Absingen des Brämelieds und das Einstellen eines Gedenk-Blumenstrausses.

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