Solothurn
Die Stadtpatronen St. Urs und Vikor wurden zwar geköpft, aber keineswegs vergessen

St. Urs und Viktor als die Solothurner Stadtpatrone sowie das Schicksal der Thebäischen Legion beschäftigen die Historiker noch heute.

Katharina Arni-Howald
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Auch über dem Portal der Peterskapelle erinnern Statuen von St. Urs und Viktor an das Martyrium der Thebäischen Legion.

Auch über dem Portal der Peterskapelle erinnern Statuen von St. Urs und Viktor an das Martyrium der Thebäischen Legion.

Oliver Menge

Der älteste Text aus dem Gebiet der heutigen Schweiz befasst sich mit dem Martyrium der Thebäischen Legion und deren Bedeutung für die frühmittelalterliche und moderne Geschichte des Landes und insbesondere auch für die Stadt Solothurn. Wie überliefert geht es um christliche Ägypter, die im 4. Jahrhundert am Sitz des römischen Kaisers dienten und in der Schweiz vor allem in St-Maurice im Wallis das Leben verloren, weil sie nicht den römischen Göttern opfern wollten.

Massaker auch in Solothurn

Wie wir wissen, gehörten auch die beiden Stadtheiligen Urs und Viktor, die am Portal der St.-Ursen-Kathedrale oder am Baseltor in Stein gemeisselt sind, zur Thebäischen Legion. Sie konnten dem Massaker in St-Maurice entfliehen, erlitten aber in Solothurn dasselbe Schicksal wie ihre Glaubensbrüder. Sie wurden von den damals hier ansässigen Römern geköpft und in die Aare geworfen. Wie die älteste Passionsgeschichte berichtet, hätten sie ihre Köpfe aus dem Fluss herausgegriffen und sie auf öffentlicher Strasse an jene Orte getragen, wo heute die St.-Ursen-Kathedrale und die Peterskapelle stehen und wo sich Christen damals heimlich trafen. Während in der Kathedrale mehrere Kisten Reliquien gefunden wurden, ist unter der Kapelle ein spätantikes, frühmittelalterliches Gräberfeld entdeckt worden.

Im September wird gefeiert

Traditionsgemäss ist der September der Monat, an dem in mehreren Gebieten der Schweiz der Heiligen der Thebäischen Legion gedacht wird. Gefeiert wird am 1. September in Zurzach, am 11. September in Zürich, am 22. September in St-Maurice und am 30. September in Solothurn.

Die Fondation des Archives Historiques de l’Abbaye de Saint-Maurice, die sich der Geschichte und der Legende der Thebäer annimmt, führt jeweils in diesem Monat mit wechselnden Partnern Begegnungstage durch. Ihre Mitglieder werden sich morgen Donnerstag auch in Solothurn unter der Leitung von Professor Beat Näf vom Historischen Seminar der Universität Zürich mit namhaften Wissenschaftlern aus der ganzen Welt über den Heiligenkult austauschen. Daran beteiligt sind auch das Museum Blumenstein und das Staatsarchiv des Kantons Solothurn.

Wirtshäuser und Theater

Zu den Referenten wird auch Silvan Freddi, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Staatsarchiv, gehören. Er wird unter anderem auch darauf aufmerksam machen, dass frühesten überlieferten Passionsbeschreibungen des 7. und 9. Jahrhunderts zufolge zahlreiche Wunderheilungen dem heiligen Urs zugeschrieben wurden und sich die Menschen damals Beistand und Hilfe bei ihren alltäglichen Sorgen erhofften.

1502 lässt sich gemäss Freddi in der Stadt Solothurn erstmals ein Theaterspiel des heiligen Urs nachweisen. Vom St. Ursenspiel von 1539 hat sich sogar der Text erhalten. Es folgten weitere St. Ursen- und Festspiele zu Ehren des Stadtpatrons. Sie begründeten die bis heute andauernde Theatertradition, die sich im städtischen Barocktheater äussert.

Interessanterweise lassen sich in der Auflistung von 1760 im heutigen Kantonsgebiet bereits sieben Wirtshäuser mit dem Namen St. Urs oder St. Urs und Viktor nachweisen.