Den «Wagabunten» am Kofmehlweg steht ein weiterer ungewollter Umzug bevor. Dies, nachdem die fünf jungen Menschen Ende November 2013 bereits das alte Kofmehl-Areal an der Gibelinstrasse räumen mussten und ihre Bauwagen unter der Westumfahrungsbrücke platzierten. Wie eine Nachfrage ergeben hat, flatterte den «Dorfbewohnern» diese Woche der Wegweisungsentscheid in die zu Wohnungen umfunktionierten Bauwagen. Bis 31. Januar müssen die vier Männer, die Frau und Hund «Roco» weg - so verfügte es die Besitzerin, namentlich der Kanton.

Bereits im Dezember hatte sich dieser nämlich ablehnend zur Besetzung am Kofmehlweg geäussert: Bernardo Albisetti, Departementssekretär Bau und Justiz, hatte unter anderem brandschutztechnische Risiken unter der Westumfahrungsbrücke geltend gemacht: Entsprechend könne man die Besetzung des Areals nicht zulassen. Mit der Wegweisung wartete man bewusst bis nach den Feiertagen.

Nun wurde sie durch den stellvertretenden Kantonsbaumeister Guido Keune und den Stadtpolizeikommandanten Peter Fedeli persönlich zugestellt. «Die Bewohner haben den Brief friedlich und mit Anstand entgegengenommen», so Fedeli.

Keune hat Verständnis für alternative Wohnformen, «diese müssen aber im gesetzlichen Rahmen bleiben.» Auch die fehlende Zonenkonformität und die Haftung des Werkeigentümers sprächen gegen eine solche Nutzung: «Letztlich geht es auch um den Schutz der Besetzer selbst.»

Vorschlag: «Alternatives Wohnen»

Die «Wagabunten» haben bereits auf den Räumungsentscheid reagiert: «Wir haben schon lange den Dialog mit den Stadtbehörden gesucht und uns auch mehrfach an den Stadtpräsidenten Kurt Fluri gerichtet», informiert einer der «Dorfbewohner» auf Anfrage. Nun erhielt die Stadt einen Vorschlag über die Zukunft des «Wagendorfs». An Plätzen auf städtischem Boden mangele es nicht, weswegen die fünf Leute auf dem unbefestigten Kiesparkplatz bei der Badi Solothurn überwintern wollen, «solange dieser nicht genutzt wird.»

Sie würden längst nicht die ganze Fläche benötigen und hegen in ihrem Schreiben die Hoffnung, derweil eine permanente Bleibe zu finden: «Wir können während dieser Zeit gemeinsam nach einer Lösung suchen, die für die Stadt sowie für die Bewohner des ‹Wagabunt› stimmt», so die Bittsteller. Man sei auch bereits, mit der Stadt einen Zwischennutzungsvertrag abzuschliessen und den Platz diskussionslos zu verlassen, sobald er wieder anderweitig gebraucht werde.

Stadt Solothurn prüft das Anliegen

Bei der Stadt als Besitzerin lässt man es derweil noch offen, ob dem Anliegen der Besetzer entsprochen werden kann. «Wir werden das verwaltungsintern abklären», so Stadtpräsident Kurt Fluri. Der Badi-Kiesplatz war bereits in den 90er-Jahren als Siedlungsplatz Thema, damals für Fahrende. Allerdings wurden als Reaktion darauf an den Eingängen Schranken installiert, um dies zu verhindern. Mit den aktuellen Besetzern verhalte es sich laut Fluri ein wenig anders: «Die haben als Gruppe schon einen anderen Charakter als die Fahrenden.»

Auch wenn ein allfällig positiver Entscheid Begehrlichkeiten für andere «Siedler» wecken könnte, verschliesst sich also die Stadt nicht grundsätzlich der Idee der «Wagabunten». «Selbst wenn eine langfristige Wohnnutzung in dieser Zone nicht möglich ist, ist sie zumindest befristet denkbar», so Fluri. Bis zur Räumungsfrist durch den Kanton will sich die Stadt aber Zeit für einen Entscheid lassen.