Fiala», «Lilie», «Garcia», «Sahara», «Glenda» und Co. – die Kühe haben sich angeblich so sehr auf den 7. September gefreut, dass sie den Weg aus dem ländlichen Umkreis nach Solothurn aus freien Stücken auf sich nahmen. Mit dieser Erklärung versichert Speaker Harri Kunz anlässlich des Chästags, dass sich die präsentierten Tiere vögeliwohl fühlen. Nun ja, mit Ausnahme einer «rääsen» Dame, die nach erfolgtem farbenfrohen Alpabzug auf dem bevölkerten Dornacherplatz plötzlich bockig aus der Reihe tanzt.

Ansonsten aber halten die tierischen Models still, während Viehschauexperte Christian Aegerter sie unter die Lupe nimmt. Für die Zuschauer interessanter Anschauungsunterricht. Wer hat das Zeug zur «Miss Chästag»? So lautet die Gretchenfrage. Allein hinter der Bewertung des Euters steht eine halbe Wissenschaft. Was der interessierte Laie bestenfalls beurteilen kann, ist Charme und Ausdruck der präsentierten Kandidatinnen.

Ernst Schüpbach spricht über seinen Hund, der am Chästag ein Wägeli gezogen hat

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Und natürlich den Charme des ganzen Genussfestes, das sich am Freitag zum siebten Mal in Folge allem Guten und Schönen verschrieben hat, was die Region hergibt und was «e gueti Luune gitt». Das Allerwichtigste des Schönen und Guten bringt Mundartbarde Wolfgang Schönenberger mit seinen kleinen Special Guests auf den Punkt: «Chäs isch Chäs», singt der selbstsichere Junggitarrero Lars in Anlehnung an die Rockhymne «Life is Life» von «Opus».

Damit umrahmt er klanglich die kulinarischen Leckerbissen, die sein begeistertes Publikum vor sich auf dem Teller hat: Chäsprägu, Militärchäs-Schnitte, Chäschüechli, Fondue und natürlich Raclette. Aber auch Nichtkäsiges verströmt seine Düfte: Hamme, Grilladen und Fisch, deftig und passend.

Werner Walter äussert sich zum Chästag

Werner Walter äussert sich zum Chästag

Herausgeputzte Besucherschar

Damit nicht genug: Am Markt, dem eigentlichen Kernstück des Chästags, bieten über 70 Stände regionalen Genuss in all seinen Facetten. Derweil hallt folkloristischer Klang von Treichel und Handörgeli in den Strassen und Gassen der Vorstadt wider. Einige Besucher haben sich herausgeputzt, kommen in der Tracht oder im Schwingerhemmli. Aber auch das ortsunübliche Dirndl ist zugelassen – man ist tolerant, obwohls bis zum Oktoberfest noch einige Wochen dauert.

Vor Cornelia Mattiello posieren ihre Kinder, Nichten und Neffen mit der langen Reihe an Kühen fürs Erinnerungsfoto. Ein «Muh» später zieht es die Kleinen weiter, um das präsentierte Kälbchen zu begrüssen. «Wegen der Tiere sind wir hier», sagt Mattiello. Und wann hat man schon Kühe in der Stadt? Ansonsten aber sei das Chästag-Ambiente für Städter so exotisch dann auch wieder nicht: «Schliesslich liegt die nächste Kuhwiese wenige hundert Meter entfernt.» So oder so: «Es ist wichtig, den Menschen die Landwirtschaft näherzubringen», sagt alt Kantonsrat Peter Henzi, der auch als Besucher vorbeischaut. «Die Bevölkerung soll orientiert werden, wie landwirtschaftliche Produkte entstehen.» Sensibilisierung in einer Zeit, in der der Familienbetrieb Bauernhof je länger je mehr gefährdet sei.

Doch zum Schluss was Positives: Nach dem anstrengenden Tag ist Holstein-Rind «Glenda» dann mal froh, zusammen mit Besitzer Hansueli Wingeier zurück nach Hause zu traben, genauer: nach Rüttenen. Und sie kehrt ehrenvoll aus der Stadt zurück – als «Miss Chästag 2017».

Die Wahl zur Miss Chästag 2017 und was eine Kuh zur Siegerin macht

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Der Alpabzug am 7. Chästag in Solothurn

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Solothurner Chästag so beliebt wie noch nie

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