Fasnachtszeitungen
Die Stadt Solothurn sorgte für viele pointenreiche Narrenzeilen

«Dr Hudibras», der «Postheiri» und das «Amzblatt» wetteifern ab sofort um die Lesergunst. Sie bringen alles zusammen, was die Seele des Stadtbewohners aufgewühlt, belustigt oder zum Überschäumen gebracht hat.

Andreas Kaufmann
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Headlines wie zum Beispiel «Stricklers Staubtierpark» im «Postheiri» oder «Wie gewonne, so Couronne» im «Hudibras» prägen die Titelseiten der beiden närrischen Bezahlblätter.

Headlines wie zum Beispiel «Stricklers Staubtierpark» im «Postheiri» oder «Wie gewonne, so Couronne» im «Hudibras» prägen die Titelseiten der beiden närrischen Bezahlblätter.

Wolfgang Wagmann

Eigentlich kann man sich die Ergüsse der honolulesischen Presselandschaft jeweils durchaus als Jahreschronik der Stadt ins Regal stellen. Sie fassen – wenn auch mit Vorsicht zu geniessen – zusammen, was die Seele des Stadtbewohners aufgewühlt, belustigt oder zum Überschäumen gebracht hat. Dies gilt für die schon publizierte Ausgabe der kostenlosen «11 Minuten», ebenso aber fürs «Amzblatt» (siehe Box) und beide «Altherren» unter den Fasnachtsblättern: «Dr Hudibras» und der «Postheiri».

Gratis gibts das «Amzblatt»

Längst mehr als ein Geheimtipp ist die Einmann-Produktion des «Amzblatts», eine perfekte Persiflage auf das amtliche Publikationsorgan des Kantons. Napoleon würde in der heutigen «Couronne» wochenlang nächtigen, hätte er nicht beim Chef reserviert. Prägnant die «8¾ Gründe für die Erhaltung der Stadtpolizei», zum Schreien die unterkühlte Kantonsratsdebatte zur ausgefallenen Heizung oder das Richterliche Parkgebot für Pirmin Bischofs BMW – einfach ein Hochgenuss der amtlichen Art! (ww)

Eins vorweg: Während man in den Vorjahren auch gerne mal über die Regionsgrenzen hinausschweifte, um die Seiten mit pointenreichen Narrenzeilen zu bestücken, haben Stadt und der nähere Umkreis allein im 2017 genügend Schiesspulver produziert, um dieses in alle Richtungen abzufeuern.

Wurst und Heimatschutz

Ausgiebig gebrutzelt wurde in den närrischen Pressestuben zur politisch abgesägten «Lex Bratwurst» rund um den Wirt Chris van den Broeke. So lässt der «Hudibras» verlauten, dass «der Widerstand broekelt» und die Härte des Gesetzes zu spüren sein wird, indem Stapo-Kommandant Peter Fedeli illegal gegrillte Würste beschlagnahmt. Und im «Postheiri» sinnieren Hilarius Immergrün und Tochter Elisi auf der Jagd nach Rabatt-Pünkli, -Chläberli, -Märgli neben dem Lädelisterben auch über schwarzgegrillte Wurstware. Zu Ehren kam die vom kantonalen Heimatschutz prämierte Marie-Christine Egger: Beide Blätter würdigen der «unter Heimatschutz gestellten» Stadtführerin eine Seite, oder zumindest einen Artikel.

In beide Narrenzeitungen geschafft hat es auch das unter magistraler Ehrerbietung neu eingeweihte Wartehäuschen der Zuchler Bushaltestelle Langfeld: Wer zu einem solchen Ereignis den Regierungsrat aufbietet, hat die Narrenpublicity auf sicher – oder braucht sich um Spott nicht zu sorgen. Das Politereignis 2017 – die Stadtpräsidentenwahl – war natürlich Pflichtstoff. Während aber Franziska Roth beiderorts einiges abbekommt, scheint man Kurt Fluris Achillesferse diesmal nicht richtig gefunden zu haben – ungleiche Ausgangslage für die «Gauklerin» und den «König», wie sie der «Hudibras» bezeichnet. Ausser vielleicht, dass Fluri, der gemäss böser Zungen während repräsentativer Anlässe hie und da einem Sekundenschlaf verfällt, dann auch mal als «Moschnarch» tituliert wird.

Diplomat Boll

Markt funktioniert

Gleich vier Fasnachtszeitungen gibts auf dem honolulesischen Medienmarkt, der aktuell äusserst krisenresistent erscheint: die beiden Bezahlblätter «Postheiri» der Narrenzunft Honolulu sowie «dr Hudibras» der Hudibras Chutzen für je 7 Franken, dazu die Gratisblätter «Amzblatt» und «11 Minuten», deren Redaktionen keiner Zunft zuzuordnen sind. (ww)

Auf höchst amüsante Weise widmet sich eben jener «Hudibras» auf einer Fotostory-Doppelseite ausgiebigst dem 00-Agenten Hansjörg Boll (besser bekannt als Stadtschreiber), der durch die Sabotage des neu errichteten Kosciuszko-Denkmals eine politische Krise zwischen Stadtpräsidium, Weissrussland und Polen abzuwenden vermag.

Dafür widmet sich der «Postheiri» mit einer wahren Salve an Wortspielereien auf einer ganzen Seite dem Chästag und der Rolle von Wetterfee Sandra Boner. Ebenfalls auf einer ganzen Seite bekommen Gäste der neu eröffneten «Couronne» ihre Reservation – und darüber hinaus ihr Fett weg. Auch das CIS-Sportzentrum macht hier seine Aufwartung. Nicht weniger als viermal wechselt allein während des Interviews der Geschäftsführer der maroden Sporthallen.

Und so liefern beide Fasnachtszeitungen auch heuer wieder über weite Strecken eine solide Leistung ab, ziehen durch den Kakao, was durch den Kakao gehört und regen zum Schmunzeln an. Ins Regal damit.

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