Solothurn

Die Stadt soll im CIS die Schrauben anziehen

Bodenhülsen wie diese stellen eine erhebliche Verletzungsgefahr dar. Bis 31. Juli muss die CIS Solothurn AG die Sanierung vornehmen.

Bodenhülsen wie diese stellen eine erhebliche Verletzungsgefahr dar. Bis 31. Juli muss die CIS Solothurn AG die Sanierung vornehmen.

TV Solothurn Handball orientierte über den Bauzustand. Nun will man die Stadt in die Pflicht nehmen.

Eigentlich ist für Stefan Blaser, Präsident der TV-Solothurn-Handballer, die Schmerzgrenze längst überschritten: Vereinsmitglieder verletzen sich in der Halle an exponierten Bodenhülsen, Putzwasser tröpfelt auf ebenerdige Stromanschlüsse und die undichte Gebäudehülle lässt Wasser und Kälte oder Wärme herein. Die CIS-Mängelliste, die Blaser am Montag anlässlich einer Orientierungsveranstaltung vor Vereinsfunktionären und politischen Vertretern auflegte, ist aber um einiges länger. Dabei ist den frustrierten Nutzern der Zustand des CIS-Sportcenters, der auch aus versicherungstechnischer Sicht aufhorchen lässt, eine bekannte Geschichte. Von der Situation betroffen ist auch der Kanton, der als Mieter die Halle fürs Lehrlingsturnen benötigt.

Speziell für den TVS wirds nun zusätzlich prekär: Nach dem Aufstieg der Handballer in die Nati B wäre ein verbandskonformer Boden nötig. «Stattdessen steht das CIS beim Verband auf der schwarzen Liste», so Blaser. In der Pflicht stünde die Besitzerin der Anlage, die CIS Solothurn AG, deren neuer Verwaltungsratspräsident Joshua Steffen als Nachfolger von Mabrouk Hamdani ist. Doch jahrelange Versuche der Vereine, Druck auf die Besitzerschaft aufzubauen, scheiterten. «Bis auf Pinselsanierungen wurde die Anlage nicht instandgestellt», so Blaser. Ein Gutachten der Besitzerin indes geht von Kosten in der Höhe von 1,3 Mio. Franken aus, wolle man das absolut Notwendigste sanieren. Ein städtisches Gutachten rechnet mit einem signifikant höheren Investitionsvolumen.

Paradoxerweise hat unterdessen als CIS-Pächterin die Firma BPM Sports eigenaktiv für unumgängliche Sanierungen Geld in die Hand genommen. Über 100'000 Franken schulde die CIS Solothurn AG bis dato seiner künftigen Ex-Pächterin, wurde von mehreren Seiten bestätigt. Im Übrigen erhielt BPM Sports durch die Besitzerin per Ende August die Kündigung der Pacht. VR-Präsident Steffen dementiert derweil die Schulden: «Es sind reine Gerüchte.»

Die Rolle der Stadt Solothurn

Eine besondere Rolle nimmt die Stadt Solothurn ein: Sie ist einerseits Mieterin des CIS, der die Hallen an ihre Vereine wie den TVS weitervermietet. Andererseits hat sie als Grundeigentümerin das Baurecht an die CIS Solothurn vergeben. Nach einer Vertragserneuerung besteht das Baurecht neu bis 2074, bevor es im ordentlichen Heimfall zu null Franken an die Stadt zurückgeht. Auch mit ihr haben die Vereine mehrfach versucht, eine Lösung zu finden. Immerhin wurde zeitweise ein Teil der Miete von jährlich 180 000 Franken auf einem Sperrkonto zurückbehalten. Dieser Betrag wird nicht zurückbezahlt, wenn die Bodenhülsen nicht bis 31. Juli repariert sind. Dieselbe Ausgangslage gilt für den Kanton Solothurn als Mieter. Indes vermeldet Steffen, dass die Hülsen während der Sommerferien behoben werden.
«Ansonsten wird seitens Stadt stets betont, es sei ein privates Problem», so Blaser. Dabei hätte bei der Vertragsverlängerung eine Verpflichtung zu Sanierungen hineingehört, findet er weiter. Nun sollen politische Vertreter den Hebel ansetzen und Druck bei der Stadt machen: Nicht weniger als neun Gemeinderäte aus allen Parteien begannen nach der Orientierungsveranstaltung Pläne zu schmieden:. In einer Interpellation solle der gegenwärtige Hallenzustand ebenso wie mögliche Lösungsansätze zur Sprache kommen.

Vorzeitiger Heimfall als Option?

Einige wurden bereits am Montagabend diskutiert, beispielsweise: ein vorzeitiger Heimfall des CIS-Sportcenters an die Stadt, der dann möglich wäre, wenn sich der Baurechtsnehmer nicht an die vereinbarte Zweckbestimmung hält. Und diese ist festgelegt: nämlich eine Mehrzwecksporthalle zu erhalten, zu betreiben und wo nötig zu erneuern. Damit könnte die Stadt auf die Besitzerschaft entsprechenden Druck aufbauen. Eine andere Option: auf den Konkurs der Besitzerin zu warten. Längerfristig besteht in jedem Fall die Idee, eine polysportive Dreifachhalle neu zu bauen und die bestehende Sporthalle (ostseitig) zur Tennishalle umzufunktionieren.
Unabhängig von einer allfälligen Interpellation brütet der Rechts- und Personaldienst der Stadt selbst über Varianten: «Zurzeit prüfen wir juristisch selbst verschiedene Schritte, was zeitaufwendig ist», sagt Verwaltungsleiterin Christine Krattiger. Der vorzeitige Heimfall sei aber nicht die erste Option. Wann über die verschiedenen Varianten Klarheit herrscht, lasse sich derzeit nicht einschätzen: «Aber es ist unser Ziel, dass die Halle bespielbar ist.»

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