Einst wirkten 70 Spitalschwestern im Alten Spital und dann im Bürgerspital. Heute lebt nur noch ein Grüppchen unter der Leitung von Frau Mutter Regula Scheidegger im Schwesternhaus unterhalb des Bürgerspitals. Doch sie sie hüten einen Schatz ihrer bewegten Geschichte: die alte Spitalapotheke. «Die Schwestern haben immer sehr gut zu ihr geschaut, ja manchmal sogar Gegenstände vor Begehrlichkeiten versteckt, um sie zu erhalten.» Brigitta Berndt, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums Blumenstein, ist eine Kennerin der Materie. Sie hat sich intensiv mit den hiesigen Frauenklöstern befasst, und so auch die Klosterapotheke von St. Josef inventarisiert. Jetzt soll sie für das beauftragte Museum auch die Spitalapotheke inventarisieren, begleitet wie in den andern Klöstern durch Interviews mit der Schwesterngemeinschaft. Denn diese will mit einem letzten Akt ihr medizinisches Vermächtnis der Nachwelt erhalten und die Spitalapotheke der Stadt schenken.

Brigitta Berndt zollt den Schwestern hohen Respekt: «Sie waren medizinisch hervorragend ausgebildet und benützten die Apotheke noch lange.» So wie beispielsweise Schwestern Adelheid, die auf Führungen noch viel über ihr grosses Wissen und dessen Anwendung in der Apotheke zu erzählen weiss.

Ein Geschenk mit Folgen

Natürlich hat das Geschenk der Schwestern-Gemeinschaft auch juristische und finanzielle Folgen, mit denen sich nun der Gemeinderat am 23. April befassen muss. Mit der Schenkung verpflichtet sich die Stadt nämlich, «die Apotheke auf ihre Kosten zu inventarisieren, wissenschaftlich aufzuarbeiten, fachgerecht zu unterhalten und zu sichern, nichts davon zu veräussern, die Apotheke in einem dafür geeigneten Raum des Alten Spitals in der Vorstadt neu einzurichten und dort der Öffentlichkeit zugänglich zu machen».

Immerhin umfasst das Inventar nebst dem Mobiliar im Originalzustand 1200 Gegenstände, welche die Spitalapotheke zu einem Kulturgut von nationaler Bedeutung machen. So werden die Gesamtkosten für die Inventarisierung und Dokumentation mit 95'000 Franken veranschlagt, weitere 300'000 sind vorgesehen für die baulichen Anpassungen und den Einbau im Alten Spital. Zusätzlich soll ein Kunstführer zum Alten Spital und der Apotheke für 85'000 Franken realisiert werden, sodass Kredite von total 480'000 Franken zur Diskussion stehen. Allerdings erwartet man noch Beiträge vom Kanton, des Lotteriefonds und von Sponsoren.

Im Alten Spital hats Platz

Immerhin, die Betriebskosten wären nach dem Umzug gering und das «Bijou», wie es in der GRK-Debatte genannt wurde, wäre am alten Standort im Alten Spital zentral gelegen, was die Apotheke zu einer weiteren touristischen Attraktion machen würde. Einen Umsetzungstermin nennt der Entwurf des Schenkungsvertrags nicht, doch könnte eine Realisierung bis im Herbst 2020 «das 2000-Jahr-Jubiläum der Stadt auf sehr schöne Art abrunden». Sollte der Gemeinderat jedoch nicht auf den Vertrag eintreten, bestehe «die grosse Gefahr, dass ein Kulturgut von nationaler Bedeutung, das stark mit der Geschichte von Solothurn verbunden ist, für immer verloren geht».

Nun, an einem geeigneten Plätzchen im Alten Spital würde es für die Unterbringung der Apotheke nicht fehlen. Der damalige Raum existiert zwar nicht mehr, er wurde zugunsten des Restaurants aufgegeben. Doch nur wenige Meter östlich davon findet sich ein nur wenig grösserer Raum, der sich bestens eignet und sowohl vom Restaurant wie auch von der Hotel-Reception her gut erreichbar ist. Allerdings müsste der jetzt dort angesiedelte Jugendtreff weichen, könnte aber in einer der kaum mehr gebrauchten Werkstätten untergebracht werden.