Es war einmal ein Spital, das hatte bei den Ärzten der Ambassadorenstadt nicht den besten Ruf. Um Abhilfe zu schaffen, berief man 1788 Schwestern aus Pruntrut, deren Abstammung sich via Besançon (1667) und Dôle bis nach Beaune ins berühmte Hôtel-Dieu zurückverfolgen lässt.

Als erste Oberin (Frau Mutter) der vorerst fünf Mitglieder der neu gegründeten Spitalschwestern-Gemeinschaft wurde am 22. Juni 1788 Maria Magdalena Graf gewählt. Seither sind 225 ereignisreiche Jahre ins Land gegangen, Frau Mutter ist seit zehn Jahren Regula Scheidegger, gewählt von der Schwestern-Gemeinschaft, unter dem Vorsitz von Weihbischof Martin Gächter.

Wurzeln im Burgund

«Gründe ich und vermache der Stadt Beaune ein Hospital für die armen Kranken mit einer Kapelle …» So steht es in der 1443 verfassten Stiftungsurkunde von Nicolas Rolin und seiner Frau Guigone. Der erste Kranke wurde 1452 aufgenommen. Die Leitung der Einrichtung, Hôtel-Dieu genannt, oblag einem «maître».

Dieser hatte eine Gemeinschaft von «frommen Frauen» zu führen, den «Béguines venues de Malines». Sie erhielten ihre von den Stiftern verfasste Ordensregel im Jahre 1459, die Papst Pius II. 1460 approbierte. Im Wesentlichen ist sie eine Hausordnung. Grosszügigkeit und Herzenswärme stehen an erster Stelle. Die Regel legt Wert auf die Eigenständigkeit der einzelnen Person.

Der grosse Saal des Hospice diente zugleich als Lebensraum und Kirche. Damit wurde hervorgehoben, dass die Armen und das eucharistische Sakrament eine Einheit sind. Dort knüpfte Frau Mutter Regula Scheidegger in ihrer Grussbotschaft zum 225-Jahre-Festgottesdienst in der Alten Spitalkirche zum Heiligen Geist in Solothurns Vorstadt an: «Der Ort, wo wir uns versammelt haben, steht in seiner Art in einer langen Tradition von Spitalkirchen und letztlich auch in der Tradition vom Hotel-Dieu – vom Gästehaus Gottes.

...Gottesdienst und die Aufnahme von Armen und Kranken gehörten sichtbar zusammen. Die bedürftigen und kranken Menschen standen im Mittelpunkt und Gott war mitten unter ihnen. Etwas von dieser Botschaft ist hier in dieser Kirche noch spürbar. Es gab auch hier die Möglichkeit, die Kranken aus dem Krankensaal direkt auf die seitlichen Balkone vorne im Chor zu bringen, damit sie von dort aus unmittelbar am Gottesdienst teilnehmen konnten. Niemand ist ausgeschlossen und niemand darf verloren gehen im Angesicht eines gütigen Gottes!»

Die Zeiten ändern

Im Zusammenhang mit der Spitalschwestern-Gemeinschaft am bekanntesten dürfte heute noch immer die alte Spitalapotheke sein. Sie wurde den ersten Schwestern quasi als Antrittsgeschenk vermacht und führt somit zurück in die Zeit, als die Spitalschwestern noch ohne Unterstützung einer sich am Ort befindenden Fachperson Spitalpharmazie betrieben haben. Den beiden Einrichtungen in Beaune und Solothurn ist gemeinsam, dass sie bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in Betrieb waren und so eine lange Tradition von Krankenpflege und Apotheke begründeten.

Zu Beginn hatten die Schwestern einen Saal mit 23 Betten für Männer und einen mit 17 Betten für Frauen zu betreuen. Dies im alten Spital an der Aare, das anfangs über Betten verfügte, die für eine Person zu gross, für zwei aber zu klein waren. Mitte des vorletzten Jahrhunderts wurde eine Trennung von Chirurgie und innerer Medizin gewünscht und dass höchstens zwei Geisteskranke, jedoch keine Gefangenen und Pfründer aufgenommen würden.

Eingebettet in die Vorstadt

Dies mag einen Blick auf die Arbeitsbedingungen im oberen Winkel werfen. Der Schwestern sind weniger geworden; waren es zeitweise bis zu 70, so sind es in Solothurn heute deren 10. Die Wohnbedingungen waren nach dem Umzug ins Schöngrün nicht eben ideal, bis 1957 das neue Schwesternhaus bezogen werden konnte.

Solothurns Vorstadt hatte seit jeher eigenständiges Leben bewiesen und gepflegt. Schnell gehörten die aus Pruntrut gekommenen Schwestern zu dieser Lebensgemeinschaft, insbesondere auch zur Bruderschaft Sanctae Margarithae; in deren Satzungen festgehalten ist: «Die Ehrwürdigen Spitalschwestern sind ex officio St.-Margrithen-Schwestern». Ehrenobmann Paul Gisi fasste dies in einem Vortrag 1999 zusammen: «Bis in die späten 80er-Jahre unseres Jahrhunderts machte das gepflegte und sehr herzliche Zusammenwirken der Brüder und Schwestern im geistlichen wie im weltlichen Stand das typische Eigenleben der Vorstadt aus.»

Literaturhinweis: 200 Jahre Spitalschwestern-Gemeinschaft in Solothurn, ©1988 Spitalschwestern-Gemeinschaft Solothurn, Union Druck + Verlag Solothurn.