Noch vor ein, zwei Generationen war es die natürlichste Sache der Welt: Abfall aller Art landet am Stadtrand, gebettet auf einer Drainage und zugedeckt mit einer Humusschicht. Doch was zwischen 1926 und 1976 als «natürlich» galt, hat nach heutiger Auffassung mit «Natur» wahrlich nichts mehr zu tun, sondern mehr mit einem ökologischen Affront. «Dabei kann man es den damaligen Entscheidungsträgern nicht verübeln: Die Entsorgung auf dem Stadtmist galt als unbedenklich», betont Martin Brehmer, Leiter der Abteilung Boden beim kantonalen Amt für Umwelt.

Nichtsdestotrotz wird jetzt das Problem, das im 21. Jahrhundert auch als solches wahrgenommen wird, angepackt. So soll nach Vorstellung des Bundes in ebenfalls ein bis zwei Generationen das Gebiet hinreichend von Altlasten befreit sein, dass es sich dann ohne äussere Hilfe erholen kann.

Schwermetalle und Lösungsmittel

Nach Vorsondierungen auf den betroffenen Flächen beim «Unterhof», «Spitelfeld», dem schmalen «Unterfeld»-Streifen und dem «oberen Einschlag» wurde gestern der «Spatenstich» zu den Hauptsondierungen vollzogen. Dabei sucht die deutsche, auf Altlasten spezialisierte Firma geo-log in den kommenden Wochen geeignete Stellen südlich der betroffenen Gebiete, an denen Grundwasser für chemische Analysen entnommen werden kann. Die zu beseitigenden «Haupttäter» sind beim Spitelfeld und beim oberen Einschlag chemische Lösungsmittel aus der Industrie.

Auf dem ältesten Deponieplatz, dem «Unterhof», ist eine starke Belastung durch Schwermetalle (u.a. Quecksilber, Blei), die oft beim Verbrennen von Hausabfällen als Schlacke zurückbleibt, das Hauptproblem. Da der Grundwasserabstrom durch die verseuchten Zonen zur Aare fliesst, lässt sich dessen Wasserqualität als Anhaltspunkt heranziehen: Wo ist eine Sanierung am dringendsten? Und wo könnten «Hotspots», also übermässig verseuchte Stellen, sein?

Ebenso wird entlang der Drainagefurchen Brunngraben (westlich) und Brühlgraben (östlich) das aus den Stadtmist-Zonen abfliessende Sickerwasser ausgewertet. «Dieses ist schon nach heutigen Erkenntnissen zu stark belastet», so Brehmer. Und selbst durch die Verdünnung in der Aare bleibe der Schadstoffgehalt hoch - einen Steinwurf neben der Badi.

Sondierungen für Variantenwahl

«Bei den Abklärungen geht es darum, bisherige Resultate zu verifizieren und dann das Variantenstudium sauber durchzuführen», so Martin Brehmer weiter. Varianten gibt es deren mehrere: eine Totalsanierung, bei der 350 000 Kubikmeter Material abgetragen werden müssten (wir berichteten), bei einer Kostenschätzung von zwischen 80 und 220 Mio. Franken. Teilsanierungen würden sich an «Hotspots» orientieren, deren Beseitigung den Messwert in den grünen Bereich bringen könnte.

Und auch die Variante der Eindeckelung werde auf dem Hintergrund der nun zu erhebenden Daten geprüft. Die Vision der «Wasserstadt» hängt denn vom Variantenentscheid ab, wie auch Brehmer durchblicken lässt: «Wenn es zu einer Totalsanierung kommt, dürfte der Weg für eine Wasserstadt frei sein. Bei den anderen Varianten wird es schwieriger für das Vorhaben . . .»