«Das ist ein Fetter!» Die grüne, schwarz gepunktete Raupe von etwa zwei Zentimetern Länge windet sich auf der Hand von Stadtgärtner Martin Geissbühler. «Eigentlich wäre sie ganz hübsch.» Das ist seine letzte positive Bemerkung zum Thema Buchsbaumzünsler an diesem schönen Morgen in der Badi Solothurn. Wir stehen vor zwei riesigen Buchsbaumkugeln. Die eine ist fast zur Hälfte kahl gefressen. «Da wächst nichts mehr. Ich kann die dürren Äste rausschneiden. Dann haben wir dort ein Loch.» Wenn ein Buchs zu zwei Dritteln leergefressen sei, könne man ihn gleich entsorgen.

Was Martin Geissbühler so nicht sagt: Wer nichts gegen den gefrässigen Buchsbaumzünsler unternimmt, kann seinen Buchs ebenfalls gleich entsorgen. Denn immerhin dient er dann nicht mehr als Brut-, Verpuppungs- und Frassstätte für neue Generationen des ostasiatischen Schädlings, der dann wahllos wieder auch jene Buchsbäume, -sträucher und -hecken befällt, um die ihre Besitzer kämpfen.

Wo er überall frisst

Begonnen hatte der Kampf für Martin Geissbühler im Frühling des letzten Jahres. «Wir wussten von Schadensmeldungen im Raum Basel. Dann stellten wir bei uns plötzlich grössere Frassschäden im Friedhof St. Katharinen fest.» Von da an war der Stadtgärtner gefordert. «Dort, wo wir den Buchs sofort wegen festgestellter Zünslinge behandelt haben, konnten wir die Bestände gut halten. So auch im Friedhof hinten.» In der Badi habe man wohl zu spät reagiert, deshalb seien jetzt im Frühling die Schäden massiv gewesen.

Doch die Buchsbestände der Stadt sind immens: Im Museum Blumenstein gibt es uralte Hecken, auf dem Amthausplatz die bekannten viereckig geschnitten «Klötze». «Dort waren die Schäden erstaunlich gering.» Dies galt auch für den Kreuzackerpark, wo der dunkelgrüne, langblättrige Buchs dem Vielfrass offenbar weniger gut schmeckt als der viel häufigere, kleinblättrige immergrüne Buchs (buxus sempervirens). Aber auch um die Loretokapelle, um das Soldatendenkmal, bei den meisten Kindergärten und an der Buchenstrasse in der Weststadt ist der Buchs in Stadtbesitz bedroht. Neu gehört auch der buchsbestückte Barockgarten der «Krone» hälftig der Stadt. Und eben auch in der Badi, wo übrigens alle Eschen wegen der neuen Eschenkrankheit unter Beobachtung für die Kettensäge stehen.

Spritzen, was das Zeug hält

Noch ist Martin Geissbühler nicht so weit, dass er auch dem Buchs generell die Todesprognose stellt. «Aber ganz werden wir ihn wohl nicht mehr wegbringen.» Den Buchsbaumzünsler, den gefrässigen. Nur Buchs mag er; die Vögel und andere Räuber dagegen verschmähen ihn. Bleibt als «natürlicher Feind» nur der Mensch. Wobei für den Stadtgärtner klar ist: Alle müssen eine Front gegen die gefrässigen Raupen bilden. Allein in der Stadt Solothurn sind die Buchsbaum-Besitzer Legion. Das Palais Besenval, das Sommerhaus Vigier, die «Weisse Laus» hoch über der Vorstadt und so mancher edle Villengarten wie derjenige des Fegetzhofs lebt förmlich vom Buchs - akkurat geschnittenes Kulturgut über Jahrhunderte hinweg. «Bei kleineren, einzelnen Kugeln können die Raupen auch von Hand abgelesen werden. Die Falter dagegen erwischt man nicht.» Bei grösseren Beständen - und das gilt für Geissbühler - bringt nur regelmässiges Spritzen mit Insektiziden Abhilfe. Danach sollte das Wetter ein bis zwei Tage trocken bleiben, «Wir spritzen unsere Buchsbestände zwei, dreimal - aktuell mit ‹Ravane› 50. Aber auch ‹Delfin› ist geeignet.»

Wichtig sei, das Mittel immer wieder zu wechseln, «sonst werden die Raupen resistent.» Zwei, drei Mannwochen zusätzlich pro Saison fallen für Martin Geissbühler durch die Kontrollen und das Spritzen des Buchses an. «Abgeschnittene Zweige mit Raupen nicht kompostieren, sondern in den Abfall zur Verbrennung geben», ist ein weiterer Tipp des Fachmanns. Der Kampf gegen das Buchsbaumsterben hat eben erst begonnen. Gerüchte, wonach er in Basel bereits aufgegeben worden sei, hat der Stadtgärtner zwar auch schon gehört: «Aber das kann ich nicht bestätigen.»