«Dafür, dass ich erst seit drei Monaten wieder auf dem Rücken schwimme bin ich zufrieden», bilanziert die 28-Jährige, die mit 1:00,55 immer noch den gültigen Schweizerrekord über 100 m Rücken auf der Kurzbahn hält. «Darauf bin ich stolz», jubiliert Stampfli. Recht so, denn immerhin hat dieser Rekord die unsägliche Gummianzug-Periode im Schwimmsport überlebt.

Geschwommen ist Stampfli ihre Bestmarke am 1. Dezember 2007 in Uster. Zum Vergleich: Ivana Gabrilo, die am Wochenende in Savosa Gold über die 100 m Rücken gewann, blieb fast 2 Sekunden über Stampflis Rekord. Ein Indiz, wie stark diese Zeit ist. Eine Zeit, die in der aktuellen Weltrangliste für einen Rang unter den Top 50 ausreichen würde.

Ein glänzender Palmarès

Die Solothurnerin ist zwar kein Turm von Statur, gehört aber freilich zu den ganz Grossen Solothurner Sportlerinnen des letzten Jahrzehnts. 27-Mal stand die studierte Kommunikationswissenschaftlerin und Dolmetscherin für Englisch, Deutsch und Italienisch zuoberst auf einem Meisterschaftspodest. Ihr erster Meistertitel am 4. August 2000 über 50 m Crawl war der erste für Solothurn seit mehr als 50 Jahren. Höhepunkt in der Karriere der ehrgeizigen Sportlerin indes war die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2004 in Athen mit der Lagenstaffel (15. Rang).

Sieben Jahre in Mailand

Nachdem sie 2008 die Olympia-Limite für Peking knapp verpasst hatte, «hatte ich genug vom Schwimmen», so Stampfli. Die Schotten waren dicht. Ergo konzentrierte sie sich fortan auf ihr Studium, dass sie in Mailand absolvierte. In die Mode-Metropole verschlug es sie a) durch ihre Mutter, die italienische Wurzeln hat, und b) durch die Aussicht auf bessere Trainingsbedingungen, die sie in der moralischen Hauptstadt unseres südlichen Nachbars vorfand. Sieben Jahre hat Carla Stampfli jüngst in Mailand gelebt.

Auch im Triathlon erfolgreich

Da sie schnell spürte, dass sie ohne Sport nicht sein kann, wechselte sich 2009 zum Triathlon. Erfolge blieben auch da nicht aus. Unter anderem klassierte sich die Solothurnerin am Pan American Cup in La Paz im Januar 2011 auf dem 3. Platz und gewann im Januar dieses Jahres einen Halb-Distanz-Weltcup in Chile. Als ihr dann am Zürich-Triathlon heuer nach 110 Rennkilometer auf dem Velozipet ein Reifen platzte, platzte damit gleichzeitig Stampflis Leidenschaft für den Triathlon. «Warum weiss ich auch nicht genau, es war einfach so. Ich hatte keine Lust mehr.»

Das Verlangen nach der Sport und Studien-Phase fortan auch berufliche Pflöcke einzuschlagen mag bei diesem Vollgas-Cut mitgewirkt haben. «Triathlon wird auf der Laufstrecke entschieden und da das Laufen für mich als Amphibien-Mensch nicht zu den Stärken gehört, macht es keinen Sinn», so Stampfli. In der Tat - im olympischen Triathlon hat die Schwimmstrecke etwa die gleich entscheidende Wirkung auf die Medaillenvergabe wie der «Deko-Peterli» auf einem Gourmet-Menu.

Um die «Kaffischwimmer» rum

So lebt Carla Stampfli seit diesem Sommer wieder bei ihrer Familie in Solothurn und absolviert derzeit ein Praktikum auf der Redaktion der Solothurner Zeitung. «Mir gefällt die Arbeit sehr gut, ich kann mir darum sehr gut vorstellen, im Journalismus tätig zu sein», sagt die Gewinnerin des Solothurner Sportpreises 2005. Sie ist fix daheim und trainiert täglich nach eigenem Fahrplan während des öffentlichen Schwimmbetriebes in den umliegenden Bädern. Sich durch die «Kaffischwimmer» durchzukämpfen, die ihre Tragflächen locker soweit auslegen, dass sie allein drei Bahnen brauchen, hat Carla Stampfli gelernt umzugehen.

Ein «toter Fisch» wird quicklebendig

Als Triathlon-Schwimmerin musste sie im offenen Gewässer ja auch immer wieder den Kopf heben, um sich zu orientieren. Und mit der Rückenlage kommt die Spitzenschwimmerin inzwischen auch wieder richtig gut zurecht, wie die Kurzbahn-SM am Wochenende bewiesen hat. Obwohl sie sich anfänglich gefühlt habe wie ein «toter Fisch». Nun - es erstaunte nicht, wenn dieser «tote Fisch» schon sehr bald wieder so lebendig wird, dass er weitere Meisterschaftsmedaillen gewinnen wird. Warum nicht den 30. Titel zum 30. Geburtstag in knapp zwei Jahren?