Fasnachtsende
Die Solothurner Narren sind wieder «Füdlibürger»

Die Solothurner Fasnacht ist vorbei. Die Narrenzunft Honolulu liess in der «Wirthen», in der «Krone» und im «Stephan» mit der närrischen Abdankung die Fasnacht 2012 Revue passieren. Dann wurde das Narrenlicht definitiv gelöscht.

Wolfgang Wagmann
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Die Fasnacht ist vorbei und die Narren sind wieder «Füdlibürger».

Die Fasnacht ist vorbei und die Narren sind wieder «Füdlibürger».

Andreas Kaufmann

«Ein absolutes Veloverbot», verhängt von den Zunftkollegen hatte es Honolulu-Ober Peter Keller nach seinem fatalen Sturz am Fasnachtsdienstag 2011 ermöglicht, nun doch noch an einem Aschermittwoch aufzutreten. Seinen Fasnachtsrückblick würzte er mit einigen Pointen.

«Lieber Hilari am Freitag, dem 13. als Strassenfasnacht am Fasnachtsfreitag», würdigte er den nicht sehr gelungenen Versuch, den Fasnachtsfreitag zu beleben. Eine Nacht sei er auf dem Heimweg nach Zuchwil einem langen Gebäude entlang gelaufen. «Doch erst beim Vorstadtschulhaus habe ich gemerkt, dass es sich nicht um das Synthes-Gebäude handelt.» Was war zu tun? Keller bestellte sich eine Pizza nach Hause «und dann hab ich dem Kurier abgepasst ...»

Neid auf Kurt Fluris Büropräsenz

Duplizität der Ereignisse: Auch Christoph Mathys hatte die letzte Fasnacht aus gesundheitlichen Gründen passen müssen – jetzt erhielt er auf dem Stuhl die Chance zur Kompensation. Die grossen Lacher holte sich Mathys vor allem mit seiner Nachlese zur Plakatiererei im vergangenen Wahlherbst. «Bei den Plakaten für Roland Borer hatte ich das Gefühl, er wirbt für eine Chüngeliausstellung», witzelte der Honolulu-Narr. «Aber man kann auch ohne Plakate gewählt werden», verwies Mathys auf den CVP-Bauer Urs Schläfli, der von Pirmin Bischof den Nationalratssitz geerbt hatte.

Und weiter: Auf einem Demo-Plakat von Jugendlichen im letzten Herbst habe es geheissen: «Warum müssen wir um 2 Uhr heim und Kurt Fluri darf dann noch in seinem Büro sein?» Nur für Männer ein Genuss die gereimten Ungereimtheiten, wenn Frau vor dem Kleiderschrank ihr Ausgangs-Outfit stundenlang verwirft, denn Mathys’ Moral von der Geschichte: Männer kennen das Problem nicht, «sy si eifach vo Natur us schön!» (viele weibliche Buhrufe).

Am Ende kommt das Ende

Nach einer bizarren Ghüder-Entsorgungsstory gab der Ober den Stuhl für Reto Stampfli frei, der zuerst einmal allen «es guets Nöis» wünschte – «denn es isch sletschte», spielte er auf den Weltuntergang am 21. Dezember nach Maya-Kalender und Nostradamus an. Darauf deuteten Expertenaussagen und apokalyptische Zeichen zuhauf hin. «Die Stadtpolizei ist im letzten Jahr 126-mal mehr ausgerückt als sie alarmiert worden ist.» Oder: Auf der Vorstadtschanze stünden immer mehr Kanonen für das letzte Gefecht.

Und Kurt Fluri, der letzte Stadtpräsident Solothurns, habe verordnet, dass der Weltuntergang vor zwei Uhr stattzufinden habe. «Am Ende kommt das Ende» sinnierte Philosoph und Theologe Stampfli – was für Max Kaeser zwei Nachrichten beinhalte. Die schlechte: Die Welt geht unter. Die gute: «Ich bleibe Ober-Ober bis zuletzt!»

Und etwas Wehmut

Gaudenz Flury als dritte «Perle» punktete vor allem mit dem Beschrieb des Vorredners und Oberchesslers Reto Stampfli auf pseudo-Rumantsch. Der «Schellenursli» trage ein «Kepi con Zottl» und sei bekannt für schnelle Chesslete – ein «Gseckl» eben. Dann wurde es definitiv traurig. Nach eher schrägen Gesangsproben seiner Kollegen nahm nun Flury zusammen mit Zunftkollege Samuel Hofer (zweite Stimme) und Hilari-Bassistin Rahel Studer wehmütig gekonnt das Fasnachtsende ins Visier.

Besiegelt durch den Schlussvers von Ober Peter Keller im Streitgespräch zweier Seelen – dem kecken Narr, und dem «Realo» des Füdlibürgers, in dem der Narr zuletzt verstummt.