Solothurner Literaturtage
Die Solothurner Literaturtage sollen mehr Gewicht erhalten

Bettina Spoerri leitet neu die Solothurner Literaturtage. Sie hat mit der Geschäftsleitung und der Programmkommission einige Neuerungen eingeführt. Eines der Anliegen: Literatur soll gesellschaftspolitisch wieder vermehrt wahrgenommen werden.

Fränzi Rütti-Saner
Drucken
Teilen
Geschäftsleitungsmitglied Franco Supino und Leiterin Bettina Spörri heben die Neuerungen der Solothurner Literaturtage hervor.

Geschäftsleitungsmitglied Franco Supino und Leiterin Bettina Spörri heben die Neuerungen der Solothurner Literaturtage hervor.

Hansjörg Sahli

Doch dieses Jahr ist alles etwas anders an den Solothurner Literaturtagen. «Zum ersten Mal seit Bestehen der Literaturtage findet eine Pressekonferenz im Vorfeld statt», erwähnte am Donnerstag Vormittag selbst Geschäftsleitungsmitglied und Autor Franco Supino vor den angereisten Medienvertretern. Neu war, dass dieses Treffen erstmals in eigenen Büroräumlichkeiten der Solothurner Literaturtage stattfinden konnte und neu war auch, dass Bettina Spoerri den Solothurner Literaturtage vorsteht. Spoerri hatte im vergangenen Jahr das Amt von Veronika Jäggi übernommen, welche seit Bestehen der Solothurner Literaturtage die Geschäftsleitung inne hatte.

Schwerpunkte und Strukturen

Die Zürcherin Bettina Spoerri (*1968) kennt man als Kulturjournalistin und Kuratorin von Ausstellungen oder Literaturprojekten. Sie und ihre Geschäftsleitung, der neben Supino noch Hanspeter Rederlechner angehört, will den Solothurner Literaturtagen durch ein strukturierteres Programm mit einigen Schwerpunkten zu mehr literarischem, aber auch gesellschaftlichem Gewicht verhelfen.

Das Motto der Literaturtage 2013 «Anfänge. Débuts.Inizi.Entschattas» gelte für sie besonders, meinte Spoerri. Wie ein Autor vor einem leeren Blatt sitze, haben die Geschäftsleitung und die Programmkommission begonnen, das Gefäss «Solothurner Literaturtage» neu zu füllen. «In Solothurn trifft sich an den Literaturtagen alles, was in der Schweizer Autorenszene etwas zu sagen hat», so Spoerri. «Es ist ein Festival der Autoren, von ihnen gegründet und wichtig für sie.» Autoren sollen - wie bisher - im Mittelpunkt des Geschehens sein. 120 Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland kommen vom 9. bis zum 12. Mai nach Solothurn. Alle Altersgruppen und literarischen Gattungen sind anzutreffen, doch alles, was in Solothurn zu hören ist, hat die achtköpfige Programmkommission kuratiert.

Ein paar Namen...

Aus New York reist beispielsweise Michael Cunningham an und liest aus einem bisher unveröffentlichten Text. Urs Widmer, der kurz nach den Literaturtagen seinen 75. Geburtstag feiert, ist ebenso zu hören wie Alexis Jenni, Hansjörg Schertenleib, der österreichische Performer Bodo Hell, Jenny Erpenbeck, Navid Kermani, der junge Autor und Dramaturg Daniel Mezger oder die deutsche Buchpreisträgerin Ursula Krechel.

Ausser den bekannten und beliebten Lesungen wird an diesen Literaturtagen zum ersten Mal der Lyrik in einem «Poesiesalon» eine eigene Plattform gegeben. Im weiteren wird über die Übersetzertätigkeit oder über die Zukunft von Erst- und Zweitlingswerken gesprochen. In Sonderveranstaltungen werden an Niklaus Meienberg, Jörg Steiner und Mani Matter erinnert. Zwei Ausstellungen zeigen Grafic Novels und ein spezielles Kinder- und Jugendprogramm, welches allerdings bereits ausgebucht sei, ist ebenfalls im Programm.

Höhepunkte zum Start und Ende

Besondere Beachtung erhalten an den Literaturtagen erstmals die Start- und die Schlussveranstaltung. Zur Eröffnung werden am Freitagmittag dem Publikum von einer zehnköpfigen Think-Tank-Gruppe Thesen zur gesellschaftlichen Relevanz der Literatur in der Schweiz vorgestellt. «Damit wollen wir gesellschaftspolitisch wieder Gehör finden», sagt Spoerri über die Gründe. Die weiter bearbeiteten Thesen sollen dann zum Ende in einer sogenannten «Solothurner Verlautbarung» öffentlich verkündet werden.

Bereits am Donnerstagabend findet die Preisverleihung der ersten Schweizer Literaturpreise statt. Beendet werden die 35. Literaturtage wiederum mit einer Preisverleihung; nämlich jener des Solothurner Literaturpreises am Sonntag, 12. Mai, der bekannterweise dieses Jahr an Franz Hohler geht.

Aktuelle Nachrichten