Akademie der Generationen
«Die Schweiz gehört zu Europa»

Der deutsche Botschafter Otto Lampe referierte an der Akademie der Generationen zum Thema «Europa und die Schweiz».

Silvia Rietz
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Der deutsche Botschafter in der Schweiz und Liechtenstein, Otto Lampe, wurde beim Solothurn- Besuch von seiner Gattin Giselle begleitet.

Der deutsche Botschafter in der Schweiz und Liechtenstein, Otto Lampe, wurde beim Solothurn- Besuch von seiner Gattin Giselle begleitet.

Rietz

Mit dem deutschen Botschafter Otto Lampe konnte Rudolf Erzer einen Vertreter des wichtigsten Handelspartners der Schweiz und Leaders der Europäischen Union bei der Akademie der Generationen begrüssen. «Mit unserem Nachbarland verbindet uns weit mehr, als der Bodensee und der Rhein uns trennen.

Die Zahl von Gemeinsamkeiten ist gross: Es sind nicht nur der Sprach- und Kulturraum, die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Verflechtung, das ähnliche Bildungssystem, die Werthaltungen wie Verlässlichkeit, Qualität, Einsatzbereitschaft, Leistungswille, Friedfertigkeit, Solidarität sowie gegenseitige Wertschätzung, sondern es sind auch Partnerschaften im Gestalten vieler Lebens- und Politikbereiche, bilateral und multilateral», las der Akademiegründer den Willkommenstext des verhinderten ehemaligen Botschafters und Deza-Direktors Walter Fust vor.

Brisante Themen

Der 1951 geborene Otto Lampe zog 2013 nach Bern und wird im Sommer 2017 pensioniert. In seine Amtszeit fallen die Annahme der Initiative gegen die Masseneinwanderung sowie der «Inländervorrang light»-Beschluss. Dies verschaffte dem Vortragsthema «Deutschland, die Schweiz und Europa» zusätzliche Brisanz. «Trotz ‹Inländervorrang light› will die Schweiz das EU-Personenfreizügigkeitsabkommen (FAZ) einhalten, obschon dies nicht in allen Punkten mit dem FAZ kompatibel ist.

Die Masseneinwanderungsinitiative stellt die bilateralen Verträge vor grosse Herausforderungen», konstatierte Otto Lampe und ging auch auf die Erwartungen ein, Deutschland werde die Schweiz bei den Verhandlungen unterstützen. Die EU verlange Korrekturen. Deutschland könne innerhalb der EU nicht über seine Partner bestimmen und die Interessen der Schweiz durchsetzen.

«Wir können sie aber so weit unterstützen, wie sie sich mit deutschen Interessen vereinbaren lassen. Die Schweiz muss aber auch bereit sein, im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit einen Kompromiss zu finden.» Die Freizügigkeit sei sowohl für die Schweiz als auch für Europa ein wertvolles Gut. «Die Schweiz gehört zu Europa. Mit den vier Landessprachen und den kulturellen Unterschieden hat sie die europäische Idee schon vor Jahren vorweggenommen.»

Alle Deutschen sind Schwaben

Neben der Flüchtlingsproblematik ging der Referent auch auf die Beziehungen der beiden Länder ein und schmunzelte, er habe erst an der Basler Fasnacht realisiert, dass hier alle Deutschen generell «Schwaben» seien. Von den rund 400 000 Deutschen («Zweistaatler» inbegriffen), die in der Schweiz leben, fühle sich die Mehrheit wohl. «Die Deutschen lieben die Schweizer. Aber die wollen nicht immer geliebt werden», witzelte er.

Dabei sei Deutschland der wichtigste Handelspartner der Schweiz, die Zusammenarbeit erstrecke sich weit über die Wirtschaft hinaus, von der Forschung über Bildung, Politik und mehr. Wirtschaftlich bewege sich die Schweiz in der Oberliga, zähle zu den zehn wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. Der «Frankenschock» habe das Volumen nur minim verringert. (2015 hob die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs auf. Der Franken verteuerte sich auf einen Schlag um fast 20 Prozent.) Mittelständische Unternehmen in beiden Ländern hätten sich erfolgreich angepasst und der befürchtete Kahlschlag sei ausgeblieben. Ja, eine Trendwende zum Positiven zeichne sich 2016 ab. Der Exkurs von Botschafter Otto Lampe wurde begeistert aufgenommen, animierte zu einer Fragerunde, die Unternehmer und «Zweistaatler» Josef Maushart eloquent moderierte und mit eigenen EU-Erfahrungen anreicherte.