Die Liste an Sehenswürdigkeiten, die Solothurn zum touristisch bedeutsamen Übernamen «Barockstadt» verhelfen, ist lang. Geht es nach Ursina Steinbeck, so könnte es bald ein Grund mehr geben, die Stadt so zu nennen: «Noch fehlt der schönsten Barockstadt der Schweiz ganz klar ein Barock-Kaffee», war Steinbecks dezidierte Feststellung, die sie dazu ermutigte, zusammen mit einem Dutzend weiterer Frauen die Ärmel hochzukrempeln für diese «Zeitmaschine» ins 18. Jahrhundert: «Mir schwebt ein Lokal mit entsprechend passender Einrichtung, sprich: Stilmöbel oder altes Geschirr sowie klassischer Musik vor.»

Brockenhaus und Requisitenstube

Zum Verpflegungsangebot aus lokalen Produkten und Selbstgemachten sollen nach Vorstellung der derzeit bestehenden Arbeitsgruppe Lesungen, Konzerte oder Ausstellungen stattfinden. Gleichzeitig schwebt der Gruppe rund um Ursina Steinbeck vor, zumindest einen Teil des barocken Mobiliars auch zum Verkauf anzubieten: «Dabei könnten die Preisschilder am Stuhl hängen, auf dem man gerade sitzt», kündigt Steinbeck an.

Das Kaffee sei somit quasi auch ein Brockenhaus. Auch soll Handgemachtes wie Blumensträusse oder romantische Handarbeiten, feilgeboten werden. Das Angebot könnte vor allem einen Interessentenkreis ab 50 ansprechen, vermutet Steinbeck, «aber natürlich wären auch jüngere Menschen willkommen.»

Musik, die zur Lokalität passt

Auf die Idee des Barock-Kaffees sei Steinbeck beim Besuch von Solothurner Traditionshäusern gekommen: «Ich bin ein Ohrenmensch. Wenn ich in ein Lokal komme, achte ich als erstes darauf, welche Musik dort läuft.» Und diese sollte halt einfach zur dortigen Ambiance passen, was in Solothurn leider oft nicht der Fall sei. So hat Steinbeck bereits vor fünf Jahren versucht, einen wöchentlichen Klassikabend mit diversen Wirten in der Stadt auszuhandeln, was leider nicht klappte. Mit der Vereinsgründung «Pro Barock-Kaffee» Anfang diesen Juli hat Steinbeck nun erneut Anlauf genommen – und zwar erfolgreich. Um die Kerngruppe des dreiköpfigen Vorstandes haben sich schon rund ein Dutzend weitere Interessierte geschart, um die Idee voranzutreiben.

Kaffeehaus und Requisitenkammer

Doch eine lange Pendenzenliste steht noch aus: «Wir starten ohne Kapital», weswegen sich der Verein auch vorstellen könnte, in Zusammenarbeit mit einem bestehenden Traditionshaus in Solothurn ein gemeinsames Barock-Konzept aufzugleisen. Zumal man noch Ausschau hält nach einem passenden Lokal: «Meine Traumdestination wäre die Theatergasse», sagt Steinbeck. Sie könnte sich vorstellen, dass das Barock-Kaffee bei der Nähe zum Stadttheater auch ein Flair von Requisitenkammer erhalten könnte.

Für den Servicebetrieb hält der Verein nun nach rund 25 teilzeitlichen Freiwilligen Ausschau, «solche, die gerne servieren oder andere Tätigkeiten im Barock-Kaffee übernehmen würden». Anfänglich wäre die Freude der Lohn für die Mitwirkenden: «Sollte das Konzept aber zu Goldgrube werden, was ich natürlich hoffe, würden wir den Gewinn verteilen», stellt Steinbeck in Aussicht. Vorderhand ist aber für sie vor allem eines wichtig: «Das Barock-Kaffee soll nicht für mich persönlich entstehen, sondern viel mehr als Geschenk des Vereins an die Stadt.»