Wirtshausschilder
Die Schilder, die früher zu den Wirtshäusern führten

Wirtshausschilder sind kunstvolle Spuren vergangener Zeiten. So würden sie heute nicht mehr zum Ziel führen, denn vielerorts haben sich die Zwecke der Räume geändert. Oder es ist ganz einfach ein anderer Pächter im Haus.

Wolfgang Wagmann
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Auch im «Hirschen» gibts schon lange kein Wild mehr.
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Wirtshausschilder in der Stadt Solothurn
Erinnerung an den «Schwanen».
Im «Gwölb» ist noch ausgesteckt.
Das «Kreuz» wirkt wesentlich patriotischer als es eigentlich ist.
Dieser «Türk» ist nicht getürkt.
Der grosse Schlüssel zur heutigen «Bangkok Station».
Der Adler über der Gassenküche.
Nicht die Klinik Obach wirbt hier, sondern der ehemalige «Storchen», heute «Solaare» genannt.
Ein Prunkstück: der «Rote Turm».
Am «Ana Capri» erinnert nur noch das Schild ans «Misteli-Gasche»

Auch im «Hirschen» gibts schon lange kein Wild mehr.

Wolfgang Wagmann

Viele sind es nicht mehr, die Wirtshausschilder, hinter denen noch ein stattliches Gasthaus steckt: Die «Krone» ist dafür ein Paradebeispiel, der «Rote Turm» auch, oder die «Sonne» in der Vorstadt. Vom «Schwanen» ist nichts mehr geblieben als der schöne Vogel an der Fassade, Gleiches gilt fürs «Posthörnli» an der Gurzelngasse, die «Schmiedstube» an der Barfüssergasse und den «Hirschen» an der Hauptgasse.

Unter dem einst stolzen Adler, im Mittelalter noch der «Rote Ochsen», verpflegen sich heute Randständige in der Gassenküche; im «Tiger», einst ein grosses Traditionshaus, ist ein Pub eingezogen, im «Schlüssel» gar ein Thai-Etablissement. Dafür hat der einst recht verruchte «Storchen» zwar noch sein Schild behalten, im «Solaare» aber geht es nun sehr gesittet zu.

Goldener Löwe fehlt

Und dann gibt es noch die speziellen Beschilderungen: Auf dem etwas herabgewirtschafteten «Leue» fehlt seit einiger Zeit der goldene Löwe. Dafür gibts in der Vorstadt einen echten Wiener Heurigen, das «Gwölb» im Keller ist nämlich eine Buschenwirtschaft, mit dem grünen Busch «heraussen», der anzeigt, dass hier der heurige Wein ausgeschenkt wird. Ein leises Lächeln ist jedoch angebracht beim Wirtshausschild des an eine SVP-Hochburg gemahnenden Restaurants Kreuz – hier schmiedete bekanntlich die GSoA ihre Pläne zur Abschaffung der Armee.

Handwerk hat nicht nur goldenen Boden, sondern auch goldene Schilder. Besonders dicht vertreten sind sie zwischen dem Baseltor und dem Kronenplatz: Die Couture Ambassador von Jacquline Christ wirbt mit einer aufgehängten Nähmaschnie, Messer Küenzi mit einer Riesenklinge; die Bijouterie Maegli setzt auf eine schmucke Uhr und Antiquar Kurmann auf ein antikes Schild.