Jahresrückblick 2016
Die Schattenseite der Fusion überwog – das geschah 2016 sonst noch in der Stadt Solothurn

Mehrere Gemeinden sollten zu «Gross-Solothurn» fusionieren. Am Schluss wollten aber auch die letzten zwei nichts davon wissen. Ausserdem hat die Verenaschlucht einen neuen Einsiedler, Stadtplaner Daniel Laubscher musste den Hut nehmen und die Wagabunten verliessen ihren illegalen Standplatz an der Westumfahrung.

Wolfgang Wagmann
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Am Sonntag, 28. Februar steht fest: Stadtpräsident Kurt Fluri und Stefan Hug können nicht aus dem Schatten ihrer Gemeinden heraustreten - Solothurn und Zuchwil wollen nicht fusionieren.

Am Sonntag, 28. Februar steht fest: Stadtpräsident Kurt Fluri und Stefan Hug können nicht aus dem Schatten ihrer Gemeinden heraustreten - Solothurn und Zuchwil wollen nicht fusionieren.

AZ

Eigentlich war es das grosse Thema 2015 gewesen. Doch der finale Showdown fand erst mit der Urnenabstimmung vom 28. Februar 2016 statt: Die Stimmberechtigten von Zuchwil und Solothurn hatten darüber zu befinden, ob ihre Gemeinden fusionieren wollten. Dann platzte die Seifenblase und zurück blieben lediglich zwei ernüchterte Gemeindepräsidenten.

In Kurt Fluris Solothurn war die Ablehnung von «Top 5» mit 53,4 Prozent Nein-Stimmen deutlicher gewesen als in Stefan Hugs Zuchwil, das aber mit 51,6 Prozent Nein-Stimmen die Fusion trotz winkender finanzieller Vorteile auch verworfen hatte.

Immerhin stimmten in beiden Gemeinden mehr als 60 Prozent der Stimmberechtigten ab, wobei Zuchwil nur auf Druck der Gemeindeversammlung überhaupt so lange im Rennen geblieben war – der Gemeinderat hatte sich eigentlich der Fusion verweigert.

«Nicht vergebens»

Nur wenige Wochen zuvor hatten Derendingen, Luterbach und Biberist bereits an ihren Gemeindeversammlungen das Fusions-Boot verlassen. Umso grösser war nun die Enttäuschung beim Wirtschafts- und Polit-Establishment, dass nicht einmal die Fusion der zwei bedeutendsten noch im Rennen verbliebenen Kommunen zustande gekommen war.

Die jahrelange Vorarbeit und die 445 000 Franken, die in das «Top-5»-Projekt investiert worden waren, seien aber nicht vergebens gewesen, beteuerten die Verlierer. Denn sie waren auch an diesem für sie schwarzen Tag überzeugt: «Das Thema Fusion kommt wieder auf den Tisch.

Der neue Einsiedler

Michael Daum Für Schlagzeilen sorgte einmal mehr die Einsiedelei in der Verenaschlucht: Nach Querelen mit ihrer Arbeitgeberin, der Bürgergemeinde Solothurn, verliess Schwester Benedikta nach nur eineinhalb Jahren die Klause im Februar wieder. Nach einer Grundsatzdiskussion wählte der Bürgerrat im Herbst dann den württembergischen Ex-Polizisten Michael Daum zum neuen Einsiedler.  

Michael Daum Für Schlagzeilen sorgte einmal mehr die Einsiedelei in der Verenaschlucht: Nach Querelen mit ihrer Arbeitgeberin, der Bürgergemeinde Solothurn, verliess Schwester Benedikta nach nur eineinhalb Jahren die Klause im Februar wieder. Nach einer Grundsatzdiskussion wählte der Bürgerrat im Herbst dann den württembergischen Ex-Polizisten Michael Daum zum neuen Einsiedler.  

Wolfgang Wagmann

Der Abgang des Stadtplaners Daniel Laubscher

Was in Grenchen gang und gäbe ist, ... kommt in Solothurn eher selten vor: Dass Kaderpersonal den Hut nehmen muss, weil es nicht mehr genehm ist. So geschehen im Stadtbauamt, das ab dem 1. Juli auf die Dienste von Stadtplaner Daniel Laubscher verzichtete. Gegenseitiges Stillschweigen war vereinbart worden, sodass der Spekulation Tür und Tor offen standen. Fest stand, Laubscher, seit etlichen Jahren in Amt und Würden, hatte schon länger vor dem unfreiwilligen Abgang seine baupolizeilichen Kompetenzen abgeben müssen. Dazu kamen offenbar Reibereien mit seiner Chefin Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt. Differenzen soll es um einen von ihr persönlich zurückgezogenen und von Laubscher bearbeiteten Gestaltungsplan sowie um den Jury-Bericht zur Testplanung der Ortsplanungsrevision gegeben haben. Im November konnte der ehemalige Stadtplaner aber in Bern eine neue Stelle antreten. (ww)

Was in Grenchen gang und gäbe ist, ... kommt in Solothurn eher selten vor: Dass Kaderpersonal den Hut nehmen muss, weil es nicht mehr genehm ist. So geschehen im Stadtbauamt, das ab dem 1. Juli auf die Dienste von Stadtplaner Daniel Laubscher verzichtete. Gegenseitiges Stillschweigen war vereinbart worden, sodass der Spekulation Tür und Tor offen standen. Fest stand, Laubscher, seit etlichen Jahren in Amt und Würden, hatte schon länger vor dem unfreiwilligen Abgang seine baupolizeilichen Kompetenzen abgeben müssen. Dazu kamen offenbar Reibereien mit seiner Chefin Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt. Differenzen soll es um einen von ihr persönlich zurückgezogenen und von Laubscher bearbeiteten Gestaltungsplan sowie um den Jury-Bericht zur Testplanung der Ortsplanungsrevision gegeben haben. Im November konnte der ehemalige Stadtplaner aber in Bern eine neue Stelle antreten. (ww)

Michel Lüthi

Die Wagabunten ziehen um

Abschiedsgeschenk Eine Wagenattrappe mit der Aufschrift «Wagenplatz statt Wasserstadt» war der letzte Gruss der Wagabunten, ehe sie am 8. August ihren illegalen Standplatz an der Westumfahrung Richtung Biberist verlassen hatten. Zuvor hatte den Alternativ-Einwohnern von Solothurn Stadtpräsident Kurt Fluri in einem Ultimaturm die Zwangsräumung angedroht.

Abschiedsgeschenk Eine Wagenattrappe mit der Aufschrift «Wagenplatz statt Wasserstadt» war der letzte Gruss der Wagabunten, ehe sie am 8. August ihren illegalen Standplatz an der Westumfahrung Richtung Biberist verlassen hatten. Zuvor hatte den Alternativ-Einwohnern von Solothurn Stadtpräsident Kurt Fluri in einem Ultimaturm die Zwangsräumung angedroht.

Andreas Kaufmann

Das geschah Monat für Monat

Das Jahr 2016 im Monatsraffer

Januar: Manor will umbauen, Gaston Barth geht

- Manor reicht ein erstes Umbaugesuch für sein Warenhaus an der Gurzelngasse aus.

- Der Gemeinderat spricht sich in einer Konsultativabstimmung mit Zweidrittelsmehrheit für die Fusion mit Zuchwil aus.

- Ende Monat geht Gaston Bart, Leiter des Rechts- und Personaldiensts, in Pension. Er arbeitet aber auf Mandatsbasis weiter für die Stadt. (ww)

Februar: Fasnachtsumzug vom Winde verweht

- Die frühe Fasnacht unter dem Motto «Wieduwotsch» endet unschön: Wegen Sturmwarnungen müssen die Narren am Dienstagsumzug auf ihre Wagen verzichten und sie zu Hause lassen.

- Ende Februar hört das Ehepaar Strazzini im Cheschtelemuni-Hüsli auf.

- Die Stadt darf sich wieder über einen Rechnungsüberschuss von gut 6 Mio. Franken freuen.

- Und wegen des schwierigen Baugrunds verzögert sich die Eröffnung der Doppelturnhalle Hermesbühl um ein halbes Jahr. (ww)

März: Kaverne vor dem Baseltor und eine Villa zum Abriss

- Migros will sich auf dem Sauser-Areal einrichten,

- Mode Brühweiler im August an der Schmiedengasse aufhören.

- Der Solothurner Ruderclub entscheidet, sein Bootshaus neu zu bauen.

- Der Arzt Michael Fluri bringt in seinem Haus an der Fegetz-Allee Flüchtlinge unter.

- Trotz Einsprachen und einer Debatte im Gemeinderat darf der Besitzer der Luder-Villa diese abreissen.

- Bei Kanalisationsarbeiten wird eine riesige Kaverne vor dem Baseltor «wiederentdeckt», die als Brückenbogen zum alten Baseltor identifiziert wird.

- Der Jurist Tobias Jakob wird Präsident der Stadt- und Gewerbevereinigung für Christoph Rölli und löst ihn im Herbst auch an der Spitze der Rythalle AG ab. (ww)

April: Food-Pläne, Geschäftsaufgabe und ein Theater

- Manor stellt seine Food-Pläne in der Altstadt vor.

- Mode Kneubühler gibt nach 85 Jahren seine Geschäftsaufgabe in der Vorstadt bekannt.

- Der Geigenbauer Kuno Schaub eröffnet an der Gerberngasse ein Gitarrengeschäft und das Kellertheater Delly,

- die Credit Suisse nach einem 9-Mio-Umbau ihre rundum erneuerte Filiale.

- Die AEK verliert ihre Eigenständigkeit:

- Die darbende Oltner Alpiq verkauft ihr Aktienpaket für 120 Mio. an die Berner BKW, die nun 93 Prozent der AEK besitzt. (ww)

Mai: Tempo 50 und der Verlust von «Fritz»

- Das Bau- und Justizdepartement gibt den einsprechenden Anwohnern recht und entscheidet für das Beibehalten von Tempo 50 wie bisher auf der St. Niklausstrasse. Die Stadt zieht den Entscheid weiter.

- Ende Monat hört Fritz Haudenschild auf seiner Beiz «zum Fritz» altershalber auf. (ww)

Juni: Grossverteiler-Rotation und Fussballfieber

- Manor publiziert sein definitives Umbaugesuch für das Altstadt-Warenhaus, doch es hagelt Einsprachen.

- 2018 will für Manor-Food Lidl in die Schanzmühle einziehen.

- Der Coop-Gestaltungsplan für das Kofmehl-Areal nimmt die Hürde Verwaltungsgericht.

- Das Märetfescht lockt zwar wieder die Massen in die Stadt, doch steht das Fest im Schatten

- des Ausscheidens der Fussball-Nati gegen Polen.Die Fans fiebern in den zwei grossen Public-Viewing-Arenen auf dem Dornacherplatz und in der Reithalle mit. (ww)

Juli: Handballer-Sorgen und zwei «Comebacks»

- Der TV Solothurn macht mobil gegen den maroden Zustand der CIS-Sporthalle,

- Im Pfarrhaus der Weststadtpfarrei St. Marien sollen Flüchtlinge einquartiert werden.

- Am 15. Juli gibt Kurt Fluri bekannt, dass er nächsten Sommer zum siebten Mal für eine Amtszeit als Stadtpräsident antritt.

- An der Vorstädter-Chilbi taucht auf Einladung der St. Margrithen-Bruderschaft der im April 2015 plötzlich verschwundene Stadtpfarrer Niklas Raggenbass auf.

- Und endlich kommt der Sommer auf Touren und die Badi erlebt bessere Zeiten. (ww)

August: Tolle Feste und ein roter Flirt

- Am 14. August findet das 55. Aareschwimmen bei hochsommerlichem Wetter statt.

- Zum letzten und 20. Mal im städtischen Festprogramm ist dagegen eine Woche später das Street Music.

- Das Street Food Festival boomt auch bei grosser Hitze: Die zweite Auflage sieht bereits 20 000 Besucher.

- Und die SP liebäugelt erstmals mit einer Gegenkandidatur zu Kurt Fluri, nominiert aber bis Ende Jahr die ins Gespräch gekommene Franziska Roth noch nicht offiziell, (ww)

September: Kritik, Replik und ein spezielles Erntefest

- Auch der Chästag zieht rund 20 000 Leute in die Vorstadt.

- Investor Ivo Bracher übt scharfe Kritik am Stadtpräsidium und Stadtbauamt, die beide die Vorwürfe bestreiten.

- Das CIS-Sportcenter erhält eine neue Geschäftsleitung.

- Im Park des Kunstmuseums wird die Kunstaktion «Erntema(h)l», inszeniert von Max Bottini, mit einer grossen «Chochete» beschlossen.

- Die HESO sieht neben viel Publikum auch wieder einen «Tag des Pferdes» über ihr Areal ziehen. (ww)

Oktober: Neues Leben im Aarhof und ein neues Öufi-Flaggschiff

- Der Arzt Andreas von Roll will den seit Jahren brachliegenden Aarhof erwerben und dort sein Praxis sowie möglicherweise weitere Praxen einrichten.

- Die parking AG Solothurn eröffnet zusammen mit der AEK im Parkhaus Baseltor eine Stromtankstelle für Elektro-Autos.

- Die Öufi-Flotte erhält mit der MS Wyssestei ein neues Flaggschiff. (ww)

November: Schutz für Kulturgüter und Steuerdebatte

- Der Gemeinderat heisst das Budget gut, doch über den künftigen Steuerfuss herrscht grosse Uneinigkeit. Eine Mehrheit der Ratslinken möchten den Steuerfuss bei 115 Punkten belassen, Teile der FDP, der CVP und wollen gleich auf 110 Punkte gehen, eine Mehrheit um Stadtpräsident Kurt Fluri sieht eine Senkung um drei Punkte als angemessen an.

- Ende November wird zur Freude von Konservator Christoph Vögele der neue Kulturgüterschutzraum im Untergrund nördlich des Kunstmuseum eröffnet.

- Das Baubudget wurde wegen der Senkungen im Untergrud leicht überschritten.(ww)

Dezember: Tiefere Steuern und einiges Hickhack

- Die Budget-Gemeindeversammlung bringt eine Steuerfuss-Senkung von 115 auf 112 Prozentpunkte.

- Dazu Gehässigkeiten um die neuerliche knappe Niederlage von Christian Baur, dessen Motion zur Aufnahme von 50 zusätzlichen Flüchtlingen nicht als dringlich erklärt wird.

- Auf die letzte Gemeinderatssitzung hin übt der ehemalige Stadtplaner Daniel Laubscher scharfe Kritik am vorgestellten Jury-Bericht zur Testplanung im Rahmen der Ortsplanungsrevision.

- Chris van den Broeke gibt das Märetfescht-OK an Thomas Schnetz ab. (ww)