Solothurn
Die Rythalle verwandelte sich in Kafkas geheimnisvolles Schloss

Mit einer dramatischen Bearbeitung von Kafkas «Das Schloss», welche von den Zuschauern höchste Konzentration verlangte, eröffnete das Theater und Orchester Biel Solothurn TOBS seine Spielzeit am Auslagerungsort Rythalle in Solothurn.

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Kafkas «Das Schloss» in der Rythalle Solothurn

tobs.ch/ Ilja Mess

Den Theatermachern gelang es, der an sich tristen Rythalle ein stimmungsvolles Theaterambiente zu verleihen. Die knapp über 300 Sitzplätze waren angenehm, mit ausreichend Beinfreiheit angeordnet: Der Bühnenaufbau liess vergessen, dass man nicht in einem eigentlichen Theaterraum sass.

Die Premiere von Franz Kafkas «Das Schloss» unter der Leitung von Daniel Pfluger verlangte von den sechs Schauspielern, aber auch vom Publikum während 100 Minuten höchste Konzentration.

Vorstellungen

Nächste Vorstellung: Dienstag, 29.10.2013, 19:30, Rythalle Solothurn

Premiere in Biel: Donnerstag, 28.11.2013, 19:30, Stadttheater

Kafkas Werk blieb unvollendet

Franz Kafkas letzter grosser Roman «Das Schloss» ist eine groteske Parabel über die Suche nach Erkenntnis und Anerkennung. Erzählt wird die rätselhafte und äusserst beklemmende Geschichte des Landvermessers K., der spätabends in ein trostlos verschneites Dorf kommt, um seinen Dienst im gräflichen Schloss anzutreten.

Doch sämtliche Versuche, in das Schloss zu gelangen, führen ins Leere. Ebenso das Bemühen, als Fremder in einer seltsam eingeschworenen Dorfgemeinschaft seinen Platz zu finden. Kafka reflektierte hier wohl auch seine eigene Einsamkeit, welche er lange Zeit als Voraussetzung für erfolgreiches Schreiben angesehen hatte.

Die Literatur nahm in seinem Leben eine absolute Vorrangstellung ein. «Ich muss viel allein sein», notierte er einmal in sein Tagebuch. Als bei ihm aber 1917 eine Lungentuberkulose diagnostiziert wurde, sollte sich dies ändern. Die ausschliessliche Konzentration auf das Schreiben erschien plötzlich fragwürdig, das bedrohte Leben erhielt einen neuen Wert. Diese Gedanken finden sich in vielen seiner späten Werke wieder. «Das Schloss» blieb unvollendet und wurde erst 1926, zwei Jahre nach Kafkas Tod, als Fragment veröffentlicht.

Surreale Stimmung erschaffen

Daniel Pfluger ist den Zuschauern von Theater Orchester Biel Solothurn bereits durch seine intelligente Bearbeitung von Cervantes‘ «Don Quijote» aus dem Jahre 2010 bekannt. In der Adaption und Interpretation von Kafkas Roman legt er den Schwerpunkt auf die Figur des K. und dessen Suche nach Anerkennung, nach einem Platz im Leben, ja gar nach Erlösung.

Eine bedeutende Rolle spielen auch das verstörend knechtische Verhalten der Dorfbewohner und der daraus resultierende Faschismus allem Unbekannten und Fremden gegenüber. Wichtig ist Pfluger dabei die Erschaffung jener (alb-) traumhaften, surrealen und teils gar gespenstischen Stimmung wie sie Kafkas Werk eigen ist.

Dazu greift er auch auf den Einsatz von Musik zurück und untermalt seine Inszenierung mit der (ebenfalls unvollendet gebliebenen) 10. Sinfonie von Gustav Mahler in einer Bearbeitung von Matthew Herbert. Die Inszenierung möchte den Zuschauer dazu anregen , die Welt anders wahrzunehmen und vor allen Dingen die Systeme in der Welt zu hinterfragen.

(frb/mgt)