Solothurn Classics

Die «Romantic Night» war eine Stimmungsnacht

Zum Schluss der «Romantic Night» schmetterten Marcio Gomez, Stefan Cifolelli und Orlin Goranov (v.l.) «O sole mio». Hansjörg Sahli

Zum Schluss der «Romantic Night» schmetterten Marcio Gomez, Stefan Cifolelli und Orlin Goranov (v.l.) «O sole mio». Hansjörg Sahli

An den diesjährigen Solothurn Classics fand zum ersten Mal eine «Romantic Night» statt. Sie könnte der Publikumsrenner des Openairs werden werden.

Ach, Petrus meint es in diesem Sommer auch mit den Solothurn Classics nicht sehr gut. Die meisten Vorstellungen musste man sicherheitshalber in die Reithalle verlegen. So auch eine weitere Premiere: die «Romantic Night» vom Donnerstag. Wie schön wäre es doch gewesen, neben schönsten Melodien an einem lauen Abend auf der Schanz den Mauerseglern zuzuschauen und ab und zu die untergehende Sonne zu bestaunen.

Stattdessen sass man in der Reithalle. Auf der Bühne eine Kulissenblache, die wohl auch schon bessere Zeiten gesehen hatte, ganz sicher jedoch an diesem Abend kein Glättwerkzeug. Links und rechts der Bühne leuchteten etwas verloren zwei barocke Kerzenständer. Etwas wenig Romanik-Ambiente für eine «Romantic Night». Selbst für einen Nicht-Romantiker.

Doch was dem Publikum auf der Bühne geboten wurde, hielt dem Titel des Abends – auch wenn Programmzettel und Bühnenablauf nie übereinstimmten. Doch was solls. Schwelgen wir in romantischer Musik von Oper bis Operette von Kantate bis Musical.

Cifolellis bewegender Auftritt

Den Start machte das Orchester der Staatsoper Russe unter Nayden Todorov mit der Ouverture zu Carmen von Georges Bizet. Schon damit war die Stimmung gerettet, so schwungvoll war dieser Einstieg. Und dann startete der Sängerreigen: Stefan Cifolelli und Marzio Giossi interpretierten das Duett «Au fond du temple saint» aus den «Pecheurs de perles» – ein Genuss. Cifolelli interpretierte nochmals aus den «Pecheurs» die Arie «Je crois entendre». Dieser junge belgische Sänger mit italienischen Wurzeln überzeugte das anwesende Publikum von Beginn an. «Von diesem Sänger wird man noch hören», meinte auch der Moderator des Abends, der deutsche Dirigent Roger Boggatsch. Dieser führte kompetent und mit Humor durch den Abend. Und er gab hin und wieder Opern-Internas preis, die aufdeckten: auch in der Kunst lebt man nicht vom Brot allein.

Michèle Crider liess es sich nicht nehmen, ebenfalls an der «Romantic Night» aufzutreten. «Sola, perduta abbadonta» aus «Manon Lescaut» interpretierte sie dramatisch und stilsicher. Nach einer Konzerteinlage mit Brahms’ Ungarischen Tänzen folgten die Hits «Nessun Dorma» gesungen von Marcio Gomez, «Dein ist mein ganzes Herz», «Lippen schweigen» mit Cifolelli und Noémi Nadelmann. Vor der Pause ein weiterer Höhepunkt: «O Fortuna» aus Carl Orffs «Carmina Burana», vorgetragen vom kompakten Chor der Staatsoper Russe. Danach stand Mozart im Mittelpunkt. Aus «Don Giovanni» sangen Giossi und eine stimmlich in bester Form stehende Noëmi Nadelmann «La ci darem la mano». Es folgte mit Nadelmann «Voi che sapete» und dann mit dem Bulgaren Ventzeslav Anastassov aus der «Zauberflöte» «Papagena» und «Bei Männern, welche Liebe fühlen». Diese beiden sorgten auch für den dramaturgisch überzeugendsten Auftritt.

Nicht ganz ernst gemeinter Wettstreit der Tenöre

Weiter ging es mit einem bezauberndem «Una furtiva lagrima» mit Cifolelli, einem Ausflug zu «Rigoletto» (Nelea Kravchenko und Marzio Giossi) und «La Bohème» (Nadelmann und Goranov). Schliesslich sang Orlin Goranov noch Bernsteins «Maria» und zum Schluss ein nicht ganz ernst gemeinter Wettstreit der Tenöre mit «O sole mio».

Am Dirigentenpult stand da schon lange der einfühlsame David Crescenzi. Diese «Romantic Night» ist auch im kommenden Jahr als Programmpunkt des Solothurn Classics zu finden. Hoffentlich dann auf der Schanz und hoffentlich vor übervollen Zuschauerrängen.

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