Stadtbummel
Die Qual der schönen Wahl

Judith Frei
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Für ein Bierchen sehr beliebt: das Solothurner Aaremürli.

Für ein Bierchen sehr beliebt: das Solothurner Aaremürli.

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Die Pendlerströme gehen genau in die entgegengesetzte Richtung: Nur wenige sitzen mit mir jeden Morgen im Zug, wenn ich mit dem RBS-Bähnli von Bern Richtung Solothurn fahre. Diesen Weg schlage ich nun seit einigen Wochen ein.

Am ersten Arbeitstag musste ich zuerst die wichtige Frage stellen: Wo isst man in Solothurn z’Mittag? Ein Blick auf Google Maps zeigt: Überall. Die ganze Stadt scheint nur aus Restaurants zu bestehen. Die orangen Fähnlein mit der Gabel und dem Messer leuchten beinahe bei jedem Haus in der Altstadt auf.
«Komm wir gehen in die Pittaria», kommt der erlösende Vorschlag von Kollegen. Klingt nach italienischer Küche, passt gut. Weit gefehlt: Der Imbiss verkauft orientalische Speisen: Falafel, Hummus, Hallumi und noch vieles mehr. Unbekannt sind mir dann die leckeren Pittas nicht, denn auch in Bern verkaufen die Solothurner diese Brote.

Mit dem warmen Brot in der Hand und Blick auf die Altstadt setzen wir uns unter die Kastanienbäume bei der Hafenbar. Ein Biss in mein Falafel-Hummus-Brot lässt mich zweifeln, ob ich die Pittaria wirklich kenne. Die gewünschte scharfe Sauce ist gefühlt ein bisschen schärfer als in Bern, die Kichererbsen Bällchen geschmackvoller, das Gemüse knackiger. Oder liegt es an der Aussicht?

Ähnlich wichtig wie das Mittagessen ist das Feierabend-Bier. Die kühlende Aare lockt mich an den Fluss. Wo ist die beste Kneipe? Nicht eine Beiz wird mir empfohlen, sondern ein Gebiet: Das Aaremüürli.
«Solothurn darf man nicht mit Zürich vergleichen», hörte ich in den letzten Wochen immer wieder. Klar, die kleine Stadt an der Aare kann ich in kürzester Zeit zu Fuss durchqueren. Aber die Auswahl der Restaurants und Bars ist vergleichbar mit der Grossstadt: Ich habe die Qual der schönen und vielseitigen Wahl.

Die Suche nach meiner Stammbeiz wird so zur schweren Arbeit: Dafür muss ich noch viele Restaurants ausprobieren. Fang ich doch beim «Griechen» an. «Bei welchem Griechen willst du denn anfangen?», werde ich nach diesem Vorschlag gefragt. Denn Solothurn hat natürlich mehrere griechische Restaurants.

judith.frei@chmedia.ch