Um genau 9 Uhr morgens schliesst Irene Aebi die Tür der neuen Poststelle an der Kronengasse 12 auf. Zwei Leute, die bereits draussen unterhalb der St.-Ursen-Treppe gewartet haben, treten ein. Aebi hält die Tür auf und grüsst herzlich. Ob die junge Frau aus Aeschi, die seit fünf Jahren bei der Post arbeitet, schon einmal eine Poststelle eröffnet hat? «Nein», sagt sie und lacht: «Das ist das erste Mal.»

Nach der im April eröffneten Poststelle an der Wengistrasse 26 sind mit der Post am «Chronestutz» nun die restlichen zwei Schalter wieder eröffnet, die mit der Post am Westbahnhof geschlossen wurden. Diese Aufteilung in kleinere Filialen soll mehr Zugangspunkte und damit mehr Nähe zu den Kunden schaffen, erklärt Herbert Stritt, Leiter des Poststellengebiets Solothurn.

Ob die beiden Mitarbeiterinnen, die künftig den Laden an der Kronengasse 12 schmeissen, ausreichen, das werde sich zeigen. «Wir schauen einmal, wie viel Personal wir letztlich brauchen. Jetzt starten wir einmal mit zwei. Ob mehr Leute nötig sind, ist momentan noch schwierig zu sagen.»

Endlich innerhalb der Stadtmauern

Die ehemaligen «Raiffeisen»-Räumlichkeiten schätzt Stritt jedenfalls als guten Standort ein. «Wir sind endlich in der Solothurner Altstadt vertreten, das ist schon etwas ganz Spezielles. Zum ersten Mal sind wir nicht mehr ausserhalb der Stadtmauern.» Im Fussgängerbereich also operiert nun die neue Post. Und, so wie am Eröffnungstag, mitten im Märet. «Für das Kundensegment der Fussgänger haben wir hier einen guten Ort gefunden.» Die Besucherfrequenz sei gegeben.

Es bleibe abzuwarten, welche Bedürfnisse diese Kunden mit sich bringen. Die derzeitige Palette an Angeboten – Postsendungen ins In- und Ausland, Einzahlungen per Post- oder Maestro-Karte, Bargeldbezug sowie der Verkauf von PapeterieArtikeln und Mobiltelefonen – könne sich durchaus noch ändern.

«Hier ist immer etwas los»

Die erste Kundin der neuen Poststelle, bedient von Linda Flück, hätte gegen eine leichte Anpassung des Angebots wohl nichts – mit ihrem Anliegen hatte sie nämlich Pech. «Sie wollte eine Einzahlung in Bargeld machen, das geht bei uns leider nicht», sagt Flück. «Nur mit Karte.» So musste denn die Erstbediente von der Kronengasse zu einer anderen Poststelle geschickt werden. Bei der Nächsten hat’s dann aber geklappt, freut sich Flück: «Die zweite hat einen Brief abgegeben.»

Sowohl Linda Flück als auch Irene Aebi waren vorher in der Hauptpost tätig. Der neue Arbeitsplatz gefällt ihnen gut. «Ich habe jetzt etwas weiter bis zum Bahnhof», sagt Flück. «Aber dafür sind wir mitten im Kuchen, hier ist immer etwas los.» Und so haben die beiden denn den ersten Tag mit einer «recht positiven» Bilanz hinter sich gebracht, wie Herbert Stritt sagt.

Ob der Monatsmäret mit seiner Kundschaft überdurchschnittlich viele Leute zur Post geführt habe, oder ob die Marktstände nicht doch eher die neue Filiale etwas versteckt haben, das lasse sich schwer sagen.