Die Polizeibeamten von der Spurensicherung bleiben mit ihren Stiefeln beinahe am Boden haften. Der Montag danach: Klebrige Erinnerungen, eingetrocknete Pfützen aus Landi-Bier und anderen Getränken, die an der illegalen Party in der Nacht auf Sonntag in den als Lager genutzten Räumen der ehemaligen Vogt-Schild-Druckerei ausgeschenkt wurden. Noch stärker haften bleibt das Bild der Verwüstung, das die «Partyorganisatoren» hier hinterlassen haben: Kreuz und quer verkeilte und havarierte Büromöbel, Schmierereien und ein Meer an Bierdosen. Die Asservate, die die Kantonspolizei nach und nach einsammelt, sind auf drei Stockwerken des Chaos verstreut.

Durchdachtes «Eventmanagement»

Einzelne Indizien deuten auf einen Restbestand an Knigge und Ordnungsliebe der Hausbesetzer hin: Preislisten der Getränke prangen an den Wänden und regelmässig sind Abfallsäcke montiert. Zur Party aufgerufen hatte ein breit gestreutes SMS. Im Einsatz waren Licht- und Soundanlage, ein DJ rundete den verbotenen Partyspass ab. Ob auch Bands auftraten, bleibt unklar. Auf einem Probenplan waren zumindest einige Namen aufgeführt: «Stoked», «Sam Kanalratte», «Topfchopf», «Monsanto Killers», «Baseball Bat Boogie Bastards» und «WAB». Letzter Name steht für «Wut auf Bonzen» und verweist auf einen Rapper aus Biberist. Kurzum: Von der Preisliste bis zum DJ ein durchdachtes «Eventmanagement» – abgesehen vom Unwillen, hinter sich wieder aufzuräumen.

«Beobachten, nicht eingreifen»

So seien am Samstag um 22 Uhr rund 20 Personen am Bahnhof gesichtet worden, anderthalb Stunden später habe die inzwischen auf rund 200 gewachsene Gruppe bereits die Vogt-Schild-Druckerei in Beschlag genommen: «Wir hatten lediglich die Anweisung, die Situation zu beobachten», so Bruno Gribi vom Kapo-Mediendienst. Es sei nicht klar gewesen, was sich im Gebäude abspielt und ob eine Genehmigung für die Versammlung vorliegt. Indes hatte man sich drinnen bereits seelisch auf ein Gefecht mit Ordnungshütern eingestimmt: Verschraubte Türen und andere Barrikaden sollten es der Polizei möglichst schwer machen, den Tatort zu stürmen. Die für die Liegenschaft zuständige Sicherheitsfirma berichtet auch von Flaschen, die gegen Polizeibeamte geworfen wurden und nicht zuletzt von einer aggressiven Haltung seitens Partyteilnehmer.

Happige Vorwürfe der Untätigkeit

Zu einer Stürmung ist es aber nicht gekommen. So mehrt sich auch die Kritik, beispielsweise in Form von SMS, die auf der az-Homepage eingegangen sind: «Die Kapo ist so lieb, über 300 Partygäste feiern zu lassen», oder «Chaoten verhaften kann unsere Polizei nicht». Doch diese lässt den Vorwurf der Untätigkeit nicht auf sich ruhen, wie Gribi ausführt: «Wir wussten lange nur vom Tatbestand des Hausfriedensbruchs, nicht aber von der Sachbeschädigung. Es wäre unverhältnismässig, nur deswegen einzugreifen. Was erreichen wir, wenn wir intervenieren und dann auf beiden Seiten Verletzte haben?» Darüber hinaus sei man vom Ausmass des Anlasses überrascht worden: «Da brauchte es 100 und mehr Polizisten», vor Ort waren aber lediglich einige wenige Patrouillen.

In der Dämmerung entschlüpft

Für Kopfschütteln sorgte, dass die Lage vor Ort nicht durchgehend polizeilich überwacht wurde. Deshalb nämlich konnten die Hausbesetzer die Gunst der richtigen Morgenstunde nutzen, um sich zu verdrücken – noch bevor die Kapo dazugekommen ist, Personalien der Beteiligten aufzunehmen. Somit bleibt auch unklar, wer zur Täterschaft zählt und zur mehr oder weniger unwissenden Partygemeinde. Dafür bearbeitet zurzeit ein Ermittlungsteam der Kapo den Fall, informierte Gribi. Nebst der Spurensicherung geht man dabei auch Hinweisen von Zeugen nach.