Das Alte Spital und der Gastkünstler Adrian Maryniak luden zur Vernissage des für den Dornacherplatz gedachten Kunstobjekts, einer Platane. Die Betriebsleiterin des Alten Spitals, Eva Gauch, wies darauf hin, dass seit nunmehr 20 Jahren das Alte Spital jährlich drei ausländischen Kunstschaffenden einen drei- bis viermonatigen Aufenthalt ermöglicht.

«Artists in residence» heisst dieses Programm, das in manchen Städten auf der Welt angeboten wird. In der Regel findet einfach am Ende des Aufenthaltes eine Ausstellung mit den hier geschaffenen Werken statt. Als sich Adrian Maryniak für diesen Aufenthalt bewarb, hat die aus einer Fachgruppe von Kunst- und Kulturschaffenden bestehende Auswahljury ihn ganz bewusst in der Absicht ausgewählt, dass er ein Objekt für den öffentlichen Raum entwickelt.

Vor Jahren hat die Künstlerin Stella Geppert Solothurns Strassen und Plätze mit blauen Punkten verziert. An einigen Orten sind sie noch schwach zu sehen. Seither wurde keine künstlerische Arbeit mehr für den öffentlichen Raum entwickelt.

Die Idee für eine Platane

Um die Wirkung des Objektes auf dem Dornacherplatz richtig zur Geltung zu bringen, hat Maryniak den Platz mit einem Fischaugenobjektiv fotografiert und die Skulptur hineinprojiziert. Sie passt sich somit, so die Aussagen des Künstlers, der funktionalen Architektur der Umgebung als nichtfunktionaler Teil an. «Die Platane will nicht Antworten auf alle Fragen geben, sie aber ermöglichen und nicht verhindern», so der Künstler.

«Der Platane wird Legenden nach eine heilende Wirkung zugeschrieben. Symbolisch kommt der Platane die besondere Funktion als Mittlerin zwischen Himmel und Erde zu. Der Dornacherplatz war einst von alten Bäumen umgeben. Die Struktur «Platane» erinnert an das alte Bild des Platzes, indem sie die ursprünglichen Wurzeln hervorhebt. Die Platane ist in ihrer Symbolik mit der Funktion kleiner Dorfkapellen vergleichbar, die auf Kreuzungen oder Wegerändern stehen und einen Ort der Besinnung darstellen.»

Die Realisation

Eva Gauch wird für das Alte Spitals das Projekt weiterverfolgen. So soll das offizielle Baugesuch bald eingereicht werden. Sie wird sich auch mit der Frage nach der Finanzierung befassen. Maryniak wird bis Anfang November in Solothurn weilen, um bei Besprechungen anwesend zu sein. Nachher reist er zurück nach Berlin und wird nächstes Jahr in Dresden eine Skulptur herstellen.

Falls es zur Realisation der Platane kommt, würde er selbstverständlich wieder nach Solothurn kommen und die Skulptur vor Ort erarbeiten und somit dem Publikum ermöglichen, Einblick in den Schaffensprozess und die Erstellung eines komplexen Kunstwerkes zu geben. Nach der genauen Festlegung des Standortes werden elf Fundamentlöcher gegraben, um die elf Hauptstützen zu verankern.

Als Material dienen Edelstahlrohre und Edelstahlrundstäbe, was ein Verrosten ausschliesst. Die Platane wird 16 Meter hoch und letztlich ein Gewicht von 4250 Kilogramm aufweisen. Auch den Aspekt der Sicherheit hat der Künstler berücksichtigt. «Die fest verschweisste, begehbare Konstruktion hat keine scharfen Kanten oder Ecken, die bei einer Berührung zu einer Verletzung führen könnten.

Um das Hochklettern zu verhindern, bestünde die Möglichkeit, die ganze Konstruktion entsprechend mit einem feinen Edelstahlgitter zu benetzen, das durch seine Feinmaschigkeit eine Klettermöglichkeit verhindert. Das Verfangen von Tieren ist auch nicht möglich, da es sich um eine offene Konstruktion ohne Sackgassen handelt.»

Mit diesem konkreten Vorschlag hat der Artist in residence auf die Herausforderung Solothurn reagiert, indem er einen in seiner Gestaltung umstrittenen Platz aufwerten und zugleich ein Bindeglied unter Einbezug der heiligen Zahl elf zwischen Vorstadt und Altstadt schaffen möchte.