Reformierte Kirchgemeinde Solothurn

Die Pfarrer werden nicht mehr vom Volk gewählt

Die Reformierte Kirchgemeinde Solothurn hat sich gegen die Urnenwahld er Pfarrpersonen enschieden.

Die Reformierte Kirchgemeinde Solothurn hat sich gegen die Urnenwahld er Pfarrpersonen enschieden.

98 von 137 Stimmberechtigten der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn haben entschieden: Die Pfarrpersonen der fünf Pfarrkreise werden künftig nicht mehr wie bis anhin an der Urne, sondern vom Kirchgemeinderat gewählt.

Mit diesem Entscheid sind zwei Drittel der an der Gemeindeversammlung Anwesenden der vom Bellacher Pfarrer Hermann Gilomen initiierten Aktion «Kirche und Demokratie» (wir berichteten) nicht gefolgt. Der neuen Gemeindeordnung, die unter anderem auch die Pfarrwahl regelt, wurde ebenfalls mit grossem Mehr zugestimmt.

Obwohl die Meinungen von Anfang mehrheitlich gemacht schienen, leisteten Kirchgemeindepräsidentin Barbara Fankhauser und Ulrich Bucher, Geschäftsführer des Verbandes der Solothurner Einwohnergemeinden und Mitautor der neuen Ordnung, zu Beginn nochmals Erklärungsarbeit. Fankhauser erinnerte daran, dass es sich bei der alten Gemeindeordnung um eine ewige Baustelle gehandelt habe und viele Paragrafen nicht mehr dem kantonalen Gesetz entsprochen hätten. Was die Pfarrwahl betreffe, sei nicht die Wahl, sondern die Abwahl das Problem gewesen. Eine Pfarrperson müsse abgewählt werden können und das wäre nach den bisherigen Vorgaben sehr schwierig gewesen. Fankhauser betonte einmal mehr, dass es dem Kirchgemeinderat in keiner Weise um eine Macht-, sondern lediglich um eine Kompetenzerweiterung gehe. Zudem würde bei den Pfarrpersonen der Beamtenstatus beibehalten, was auch gewährleiste, dass diese in der Gemeinde Wohnsitz nehmen.

Eine moderne Gemeindeordnung

Bucher wies auf die Vereinfachung der Strukturen und die bessere Übersicht hin. «Was vorliegt ist nicht eine supermoderne, aber eine moderne Gemeindeordnung, die sich nach den gültigen Gesetzen richtet.» Zu Wort meldete sich ein letztes Mal auch der Präsident des Pfarrkonvents, Koen De Bruycker.

Er erinnerte daran, dass sieben von acht Pfarrpersonen nach sorgfältiger Prüfung die neue Gemeindeordnung befürworten und zum Schluss gekommen seien, dass die Wahl der Pfarrpersonen durch den Kirchgemeinderat durchaus demokratisch sei, weil der Rat vom Kirchenvolk gewählt werde. Die Angst, dass die Wiederwahl einer Pfarrperson gefährdet sei, habe der Konvent als nicht berechtigt befunden, denn: «Der Kirchgemeinderat kann nicht willkürlich handeln. Der Synodalrat redet mit.»

Gilomen blitzte ab

Den Vorschlag eines Stimmberechtigten, der Pfarrer solle von der Kirchgemeindeversammlung gewählt werden, musste Fankhauser dahingehend beantworten, dass dies im Kanton Solothurn nicht gestattet sei. Auch die Voten, der Kirchgemeinderat solle bei der Pfarrwahl durch eine angemessene Vertretung der Pfarrkreise erweitert werden oder die Pfarrpersonen sollten durch die entsprechenden Pfarrkreise gewählt werden, fanden keine Gnade.

Keinen Erfolg hatte auch Hermann Gilomen, der zu Beginn beantragte, überhaupt nicht auf das Geschäft einzutreten und schliesslich zusehen musste, wie seine Aktion an der Dreidrittelsmehrheit der Stimmberechtigten im Kirchgemeindesaal in der Weststadt scheiterte. Hermann Gilomen verliess nach der Niederlage den Saal. Ihm folgten unter anderen eine Anzahl Jugendliche.

Meistgesehen

Artboard 1