Solothurn

Die Perspektive ist nicht nur finanziell auf Kurs

Das «Haus der Perspektive» (Archiv)

Das «Haus der Perspektive» (Archiv)

Die Fachstelle Perspektive Region Solothurn-Grenchen konnte dank der finanziellen Unterstützung der angeschlossenen Gemeinden auch im letzten Jahr dazu beitragen, das Leben von Menschen mit einer Suchtproblematik erträglicher zu machen.

Die Zahlen, die Geschäftsleiterin Karin Stoop an der diesjährigen Generalversammlung des Fördervereins vorlegte, sind beeindruckend: Allein im Kanton Solothurn konsumieren 9500 Einwohner und Einwohnerinnen Cannabis, Heroin und Kokain. 8500 Menschen sind alkoholsüchtig und nicht wenige konsumieren Alkohol im Risikobereich.

Immer mehr zum Thema wird auch das Glücksspiel, dem rund 3000 Personen verfallen sind. «Davon erreichen wir im Bereich der Schadensminderung rund 61 Prozent, was wir als einen Erfolg werten», unterstrich die Geschäftsleiterin, der in der Beratung, Begleitung und Betreuung 43 Mitarbeitende zur Seite stehen.

Wichtige Schulsozialarbeit

Viel Raum nimmt bei diesen Tätigkeiten der Bereich Suchtprävention und Gesundheitsförderung ein. Um diese Dienstleistung professionell anbieten zu können, ist der Verein je länger, je mehr auf die Zusammenarbeit mit den Gemeinden angewiesen. Als ebenso wichtig stuft die Perspektive die Schulsozialarbeit ein, die in den letzten 12 Jahren ständig gewachsen ist. Nach einer dreijährigen Projektzeit konnte diese kürzlich auch im äusseren Wasseramt und im Bucheggberg definitiv eingeführt werden. Noch diesen Sommer soll auch in Bettlach eine entsprechende Stelle aufgebaut werden.

«Der Bereich Schulsozialarbeit ist für uns auch finanziell wichtig», hielt Karin Stoop bei ihren Ausführungen fest. «Er leistet einen wichtigen Deckungsbeitrag und schliesst mit einem positiven Ergebnis ab.

Misserfolge einstecken

Gut besucht wird auch die Beratungsstelle für Jugendfragen. Allein im vergangenen Jahr konnten dank diesem Angebot 70 Personen erreicht werden, was gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung von 30 Prozent entspricht. «Der Anstieg ist in allen Alterskategorien feststellbar», freut sich die Geschäftsleitung. Das Angebot werde kurzfristig von Eltern von Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt, so Stoop.

Wie die Vereinspräsidentin Christine Bigolin betonte, ist dagegen die Beratung der Klienten um einiges zeitaufwendiger, langandauernder und manchmal von Misserfolgen geprägt. Trotzdem: «Es ist unsere Kernaufgabe, und ich bin froh, dass es sie gibt.» Es brauche jemand, der sich für die Betroffenen Zeit nehme und ihnen das Gefühl vermittle, wichtig zu sein. «Wir müssen ihnen aufzeigen, dass es sich lohnt, etwas zu verändern.»

Ein Aushängeschild ist und bleibt auch die Gassenküche, die den betroffenen Personen einen warmen Aufenthaltsraum, soziale Kontakte und die Möglichkeit bietet, stressfrei zu konsumieren.

Gärtnerei zahlt sich aus

Die Integration der ehemaligen Gärtnerei der Strafanstalt Schöngrün in das Dienstleistungsangebot der «Perspektive» hat sich positiv auf den Betriebsertrag ausgewirkt. Bereits im ersten Jahr nach der Integration erwirtschaftete diese neue Abteilung einen Ertrag von mehr als 474 000 Franken. Dies entspricht einem Anteil der Bilanzsumme von 77,3 Prozent. Doch nicht nur das: «Die Arbeit in diesem Projekt ist auch für unsere Klientinnen und Klienten ein grosser Gewinn und für die Gemeinden das einzige kostenlose Arbeitsintegrationsprojekt», hielt Stoop fest.

Transparentere Rechnung

Im Rahmen der Umstellung auf den Rechnungslegungsstandard Swiss Gaap Fer 21 (Fachempfehlung zur Rechnungslegung) für gemeinnützige, soziale Non-Profit-Organisationen ist die Darstellung der Jahresrechnung transparenter geworden und entspricht den neuen Richtlinien des Kantons.

Die bisher als Rückstellungen geführten Reserven in der Höhe von gut 523 000 Franken wurden dem Organisationskapital (bisher Eigenkapital) zugefügt. Durch diese Verschiebung erhöhte sich das ausgewiesene Organisationskapital auf 1,057 Mio. Franken, wie Roger Rossier von der Rovedyma Treuhand AG bekannt gab.

Vor der Zuweisung an das Fondskapital weist die «Perspektive» für 2015 ein positives Ergebnis von mehr als 104 000 Franken aus.

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