Erstmals seit 1993 gibt es wieder eine richtige Wahl. Neben FDP-Urgestein Kurt Fluri will aber nicht etwa eine etablierte Politkraft ins Stadtpräsidium einziehen, sondern der 24-jährige parteilose Politneuling Jeffrey Murphy. Trotzdem: Seine Kandidatur wird von den Parteien ernst genommen.

«Begrüssen, dass es eine Auswahl gibt»

Ihre Unterstützung für Murphy haben die Jungen Grünen bereits öffentlich gemacht. Zurückhaltender ist die Mutterpartei. «Wir haben das Vorgehen an unserer letzten Sitzung wohlwollend zur Kenntnis genommen», sagt Thomas Kaegi, Sekretär der Grünen. «Wir sind aber nicht weiter darauf eingegangen.» Es sei zwar denkbar, dass die Grünen nächstens über die Wahl diskutieren würden. Er persönlich gehe aber nicht davon aus, dass seine Partei Stellung nehmen oder eine Wahlempfehlung abgeben werde.

Auch bei den Grünliberalen hat es bisher noch keine Sitzung zum Thema gegeben. «Wir begrüssen aber grundsätzlich, dass es eine Auswahl gibt», sagt GLP-Mann Thomas Bollinger. Interne Gespräche hat Murphys Kandidatur bei der SP ausgelöst. Der Vorstand prüfe derzeit, ob und wie man sich äussern werde, sagt Präsident Claudio Marrari.

Bürgerliche klar hinter Fluri

Auf eine Stellungnahme angesprochen, weist CVP-Co-Präsident Pascal Walter bald einmal auf Kurt Fluris Leistungsausweis hin. «Er hat gute Arbeit geleistet.» Zwar habe man etwa bei der Jugend- und Sportförderung unterschiedliche Meinungen. «Aber bei Fluri weiss man, woran man ist.» Dass es eine weitere Kandidatur gibt, findet Walter insgesamt aber positiv. Es gebe viele Leute, die nur ihre Unzufriedenheit äussern würden, ohne selbst für Veränderungen zu kämpfen.

Auf klare Unterstützung kann der amtierende Stadtpräsident auch bei der SVP zählen, für die Fluris Kandidatur unbestritten ist. «Murphys Kandidatur empfinden wir aber als positive Provokation», sagt Gemeinderat Roberto Conti. Werde sich Murphy bei der SVP melden, werde man ihm sicher Gehör schenken. Den direkten Kontakt mit Jeffrey Murphy hat dagegen die FDP bereits gesucht. Sie möchte ein Podium zwischen den beiden Kandidaten organisieren. «Wir wollen eine ernsthafte Auswahl ermöglichen», sagt FDP-Präsident Urs Unterlerchner.

«Wahlblamage verhindern»

Wenn aus Gründen der Demokratie alle eine Kandidatur begrüssen, wäre es da nicht Sache der etablierten Parteien gewesen, einen Herausforderer zu stellen? Er vermute, dass die meisten Parteien «eine Wahlblamage verhindern» wollten, antwortet SVP-Mann Conti, der am ehesten eine Kandidatur von der SP oder der CVP erwartet hätte. «Wir sind mit zwei Sitzen eine zu kleine Partei», sagt er zu den Ambitionen seiner eigenen Partei. «Die Frage ist, was passiert, wenn Kurt Fluri nicht mehr antritt», so Contis Blick in die Zukunft. Er glaubt, dass es dann von Kandidaturen «räble» werde. «Kurt Fluri hat beim Gemeinderat ein gutes Resultat gemacht», begründet Claudio Marrari den Verzicht der SP. «Wir haben gar nicht darüber diskutiert, ihn herauszufordern.»