Kofmehl

Die Oltner Rag Dolls und ihre 900 Freunde

«Wir wollten eigentlich bloss ein Konzert für Kollegen machen.»

«Wir wollten eigentlich bloss ein Konzert für Kollegen machen.»

An ihrem Abschiedskonzert in der Kulturfabrik Kofmehl griff die Oltner Band Rag Dolls noch einmal nach den Sternen - dies vor vollem Haus.

Abschiedsszene: Die Zuschauer haben sich in stillem Protest auf den Boden gesetzt und warten. Sie warten, in rotes Licht getaucht, während Whitney Houstons Stimme aus den Lautsprechern strömt und mit aller Kraft schwört: «I will always love you.» Die 900 Fans im «Kofmehl» warten darauf, dass die Rag Dolls für eine allerletzte Zugabe noch einmal zurück auf die Bühne kommen. Danach ist Schluss.

Die Szene ist so herzzerreissend pathetisch, dass sie ohne Selbstironie gar nicht zu ertragen wäre. Doch davon haben die Rag Dolls zum Glück noch etwas übrig. «Ihr müsst alle mitsingen, sonst lösen wir uns auf», hat Frontmann Elias von Arx zu Beginn des Konzerts gefordert. Sieben Jahre nach der Bandgründung in der Mensa der Kanti Olten, nach 224 Konzerten, diversen fabrizierten Ohrwürmern und einem Sieg beim «MyCokeMusic» Bandwettbewerb nehmen die drei Jungs (alle gerade mal knapp über zwanzig Jahre alt) ihre Abschiedsvorstellung scheinbar gelassen.

«Einigermassen beeindruckt»

Und mit dieser Abschiedsvorstellung greifen die Rag Dolls noch einmal nach den Sternen: Sie sind nach Krokus erst die zweite Band aus dem Kanton Solothurn, die es geschafft hat, die grosse Halle in der Kulturfabrik zu füllen. «Wir sind einigermassen beeindruckt, wie viele Leute gekommen sind», kommentiert von Arx nonchalant.

«Wir wollten eigentlich bloss ein Konzert für Kollegen machen, drüben in der Raumbar», erzählt er zwischen zwei Liedern. Dass dort der Platz knapp würde, war dem «Kofmehl»-Team schnell einmal klar. Jetzt lässt von Arx den Blick durch die grosse Halle schweifen und freut sich: «Wir haben 900 Kollegen!» Er richtet dann eine fast schon philosophische Frage ans Publikum. «Wer seid ihr alle?»

Alles ist möglich

Die Antwort ist simpel: Es sind Leute, die gerne tanzen. Mit Songs wie «Bought and Sold» oder «Heart Says Yeah» haben die Rag Dolls einen substanziellen Beitrag zu tanzbarem Indie Rock geleistet, sind aber auch immer ihrer Liebe zum Rock ’n’ Roll treu geblieben. Chuck Berrys «Johnny B. Goode» ist genauso Programm wie die schnellen Discobeats, die Schlagzeuger Simon Moll nun in die «Kofmehl»-Halle hinaushämmert.

Und während Läli Spring am Bass vor sich hin stampft und im Verlauf des Abends wohl mehrere Kilometer an Ort rennt, setzt Elias von Arx schon einmal zum nächsten Bluesrock-Solo an, für das ihm wohl gar Alvin Lee anerkennend auf die Schulter geklopft hätte. Alles ist möglich bei den Rag Dolls. Ein ähnlich generationenübergreifendes Musikverständnis legen übrigens auch die beiden Vorgruppen «Out Sea» und «The Pretending Bastards» an den Tag. Bleibt zu hoffen, dass sie diese Tradition für die Rag Dolls noch einige Jahre weiterführen.

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