Solothurn
Die neuen Räume sind ideal für alle, die nur ein kleines Budget haben

Neu vermietet das Alte Spital in Solothurn auch Räumlichkeiten im benachbarten «Adler». Im Angebot enthalten sind der Tanzsaal im ersten Stock sowie ein Sitzungszimmer. Die Räume sind vor allem für Vereine und Non-Profit-Organisationen vorgesehen.

Andreas Kaufmann
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Sie wollen den «Adler» vermieten (v. l.): Giverny Chamoulaud, Hauptverantwortliche für die Vermietung, Betriebsleiterin Eva Gauch und Barbara Gnägi, Seminar- und Kongresskoordinatorin.

Sie wollen den «Adler» vermieten (v. l.): Giverny Chamoulaud, Hauptverantwortliche für die Vermietung, Betriebsleiterin Eva Gauch und Barbara Gnägi, Seminar- und Kongresskoordinatorin.

Andreas Kaufmann

Das Alte Spital wächst über sich selbst hinaus. Im vorliegenden Fall ist dies nicht sprichwörtlich zu verstehen. Seit Anfang Monat hat das Begegnungszentrum seinen Dienstleistungsradius ausgedehnt: Im angrenzenden ehemaligen Gasthof Adler, wo ebenerdig auch die Gassenküche einquartiert ist, vermietet das Alte Spital Räumlichkeiten.

Einerseits handelt es sich um den Tanzsaal im ersten Stock, ein - wie der dazugehörige Prospekt beschreibt - «Prunkstück» mit knapp 140 Quadratmetern Fläche. Weiter ist auch ein angrenzendes 30-Quadratmeter-Sitzungszimmer im neuen Angebot enthalten.

Das Alte Spital mietet seinerseits die Räumlichkeiten vom Armenverein der Stadt Solothurn, der Besitzerin der Liegenschaft. Zu Beginn dieses Jahres hatte die bisherige Mieterin, römisch-katholische Synode des Bistums Basel, gekündigt, woraufhin sich der Armenverein nach einer neuen Mieterschaft umgesehen hatte.

Gasthof Adler: Fast abgerissen

Der Gasthof Adler – zeitweise auch «Schwarzer Adler» befand sich ursprünglich nicht am heutigen Standort, sondern im Oberen Winkel. Das Haus an der Ecke Berntorstrasse/Adlergasse gehörte aber gemäss einer Erwähnung von 1605 dem «Adler»-Wirt Mathis Lauber. Seit dem 18. Jahrhundert wird die besagte Ecke allerdings als heutiger Standort des Adlers betrachtet. 1734 wurde der Eckbau an dieser Stelle durch den Besitzer Anton Tschan abgerissen und durch einen dreigeschossigen Neubau ersetzt, dessen Fassadenmauern, Eingangsportal und Wirtshausschild sich bis heute erhalten haben. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts war der Gasthof der grösste in der Vorstadt. Um 1860 kam der Tanzsaal mit Rundbogenfenstern hinzu, später ein viertes Geschoss. Nach mehreren Sanierungen wurde 1954 der Abbruch des Gebäudes beschlossen, was jedoch verhindert werden konnte. Ein 1960 durch den Denkmalschutz initiierte «Rebarockisierung» des Gebäudes wurde 2010 rückgängig gemacht. Damit wird man nach heutiger Auffassung von Denkmalschutz dem «Adler» in seiner bauhistorischen Entwicklung erst wirklich gerecht, währenddem die Rückversetzung in den barocken Zustand eher ein nüchternes und nur vermeintlich barockes Resultat hervorbrachte. (ak)

Nun startet das Alte Spital als neue Mieterin eine dreijährige Pilotphase. Beim Mietpreis sei der Armenverein sehr entgegengekommen, findet Eva Gauch, Betriebsleiterin des Alten Spitals.

Aber auch die Ertragserwartungen des Alten Spitals an diese Erweiterung sind bescheiden: «Eine schwarze Null ohne viel personellen Mehraufwand ist das Ziel», so Gauch. Bereits sind erste Reservationen eingegangen, allerdings noch nicht für diesen Monat. Auch seien noch einige Vorbereitungen nötig: «Wie gestalten wir Abläufe wie Schlüsselübergabe? Oder wie werden sicherheitsrelevante Themen behandelt?»

Soziokultureller Fokus

Für welche Nutzergruppe sind nun die mietbaren Räume vorgesehen? Die Betriebsleiterin nennt vor allem Vereine und Non-Profit-Organisationen. Die Räumlichkeiten können für Sitzungen, Schulungen Versammlungen, Referate, Lesungen oder Ausstellungen verwendet werden, oder aber für soziokulturelle Veranstaltungen wie Meditationen oder Tanzkurse.

Gerade mit einem soziokulturellen Kundenkreis grenzt sich dieses vom seminarorientierten Angebot im Alten Spital ab, wie Eva Gauch erläutert: «Grundsätzlich sind Gruppierungen mit schmalem Budget und minimalen Ansprüchen in Sachen Service und Infrastruktur die Zielgruppe.» Rahmendienstleistungen, wie sie bei Vermietungen im Alten Spital selbst dazugehören, können allerdings auch hier im «Adler» auf Aufpreis hinzubestellt werden.

«Sonst aber ist das Angebot eine Nische für jene, die selbst gerne anpacken», so Gauch weiter. Eine Nische notabene, von denen es nach ihrer Einschätzung in Solothurn zu wenige gibt. Mit tiefen Preisen und einer Ausrichtung für bescheidene Ansprüche stelle man eben gerade eine solche Nische zu Verfügung.

Allerdings seien die Räume nicht für Partys und Konzerte konzipiert, wie Gauch weiter ausführt: «Wir wollen keine Anlässe, die eine Verlängerung in die Nacht hinein erfordern, gerade aus Rücksicht zur Nachbarschaft.» Darüber hinaus werden auch keine Reibungsflächen mit dem Gassenküchenbetrieb im Erdgeschoss erwartet: «Dieser Betrieb funktioniert ja schon lange gut und problemlos», erklärt Gauch.

Man sei ja auch selbst Nachbar der Gassenküche. Darüber hinaus bestünden zwei separate Eingänge. Während sich die Klientel der Gassenküche über die Adlergasse Zutritt zum Gebäude verschafft, ist der Tanzsaal über die Berntorstrasse zugänglich.

Tag der offenen Tür Mittwoch, 30. Oktober, 10 bis 18 Uhr.

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