Nun steht die langjährige «Helfmutter» neu der Gemeinschaft der Kapuzinerinnen vor und leitet nach wie vor die Hostienbäckerei – ihre Mission hat sie in Solothurn gefunden.

Schwester Priska ist gerne und oft mit dem Velo unterwegs, den Gepäckträger mit Besorgungen vollgepackt, auf den Lippen ein fröhliches Lächeln. Das war nicht immer so. Als sich am 21. November 1959 die Klosterpforte hinter ihr schloss, habe sie gedacht, jetzt bin ich da und komme nie mehr raus. Das war vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Kapuzinerinnen lebten zurückgezogen, kontemplativ. «Ich weiss das Datum noch so genau, weil es das Fest von «Mariä Opferung» ist und ich mir auch ein wenig «geopfert» vor kam», sinniert sie.

Der Förderer und Begleiter

Die diplomierte «Kinder- und Wöchnerinnenpflegerin» absolvierte am Bürgerspital Solothurn ein Praktikum. Vom elterlichen Landwirtschaftsbetrieb und dem Betreuen der Geschwister war sie das Arbeiten und das Pflegen gewohnt. «Doch schon in der Lehrzeit spürte ich eine Leere. Etwas Unausgefülltes.» Eine junge Frau auf der Suche. Fasziniert von der naturverbundenen und Christus-bezogenen Spiritualität des Franz von Assisi, lernte sie Pater Hilarin Felder vom Solothurner Kapuzinerkloster kennen.

Ein Förderer und Begleiter, der ihr vom Frauenkloster Namen Jesu erzählte. «Als ich das erste Mal an der Pforte stand, sah ich zwei Schwestern durch das Sprechgitter. Später in der Kirche waren die den strengen Klausurregeln unterworfenen Klosterfrauen auch nicht präsent. «Die Frauen im Habit waren nicht fassbar. Trotzdem habe ich mich für einen Klostereintritt angemeldet», erinnert sie sich. Ein Infekt an einem Finger zögerte den Schritt hinaus. «Die Gemeinschaft dachte, die kommt nicht wieder», schmunzelt Schwester Priska.

Geschüttelt und gesiebt

Die düsteren Novembertage und das nahende Weihnachtsfest weckten in der Novizin Heimweh nach der Familie. «In dieser Zeit habe ich oft geweint und mich gefragt, ob ich auf dem richtigen Weg bin», gibt sie unumwunden zu. Die Entscheidung für und das Leben im Kloster braucht viel Kraft. Man wird geschüttelt und gesiebt, verzichtet auf eigene Kinder.

Eine Sehnsucht, die sie in der Missionsarbeit im fernen Tansania oder Tschad stillen wollte. Doch es sollte nicht sein. Die versierte Krankenpflegerin war in der Klosterapotheke aktiv, schaute zum Kräutergarten, braute Heilsäfte, rührte Salben und formte Pillen und Dragees. «Da wollten sie mich wohl nicht gehen lassen», resümiert sie heute. Und man spürt, dass da noch etwas Wehmütiges zurückgeblieben ist.

Es kommt, wie es kommt

Doch Schwester Priska besitzt ein starkes Wesen, ist ein Mensch, der sich Veränderungen stellt, dem Zeitgeist anpasst. Nach zehn Jahren in absoluter Stille wurden die Klostermauern durchlässiger. Dort, wo früher 39 und heute noch 14 Ordensfrauen leben, wurden Gäste aufgenommen. Schwester Priska entdeckte das Meditieren, bot Kurse an. «Meditation und Leibesübungen haben mir sehr geholfen. Habe ich früher eher kopflastig gebetet, spüre ich heute das Ganzheitliche. Dieses Einssein im Lebensgrund wahrnehmen, lässt das Sein anders erfahren», erklärt sie.

Schwester Priska ist keine «Schwärmerin», steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Als Oberin der Klostergemeinschaft erfüllt sie verschiedene Funktionen, ist spirituelle Begleiterin, Arbeitgeberin, Verwalterin und Organisatorin – einer Managerin gleich. Von Kaderfrauen in der Teppichetage unterscheiden sie jedoch das In-sich-Ruhen, das Gottvertrauen und die Zufriedenheit. Obschon es auch im Kloster Namen Jesu an Nachwuchs fehlt und die Gemeinschaft sich mit neuen Zukunftsperspektiven befassen muss. Schwester Priska lässt die Dinge auf sich zukommen. Wenn sie durch die Altstadt radelt, geniesst sie zwar die Begegnungen unterwegs, ist jedoch froh, danach wieder ins Kloster zurückzukehren.