Als Bruno Nagel 1983 an der Hauptgasse 9 seine Drogerie eröffnete gab es in der Schweiz 1320 Drogerien. «Jetzt sind es keine 500 mehr. Doch diese erzielen – allerdings nicht teuerungsbereinigt – den gleich Umsatz wie alle Drogerien von damals.»

Seit 1904 im Haus der vormaligen Drogerie Bünzly der Schweizerische Drogistenverband gegründet wurde, hat sich in der Branche viel getan. Auch die Geschichte der Drogerie Nagel war eine bewegte.

Nach der Übernahme der Drogerie Bünzly expandierten Ursula und Bruno Nagel: 1996 wurde die Filiale im Solomarkt eröffnet, die man nun wieder verlassen hat, 1998 bis 2007 geschäfteten Nagels auch im «City West». 2010 gab man die Altstadt-Drogerie im eigenen Haus an der Hauptgasse 9 auf, vermietete es an «Max Shoes», dann als Zwischenlösung an Lindt Mode Dessous.

Nun hat sich Bruno Nagel wieder ganz auf den Altstadt-Standort fokussiert, wo er an der Hauptgasse auch weiterhin seine Naturheilpraxis führt.

Die neu eröffnete Drogerie am alten Standort wird nach einem neuen Konzept geführt. «Eine Null-acht-15-Drogerie hätte ich gar nicht mehr eröffnet», betont Bruno Nagel.

Zauberwort «Naturathek»

Im vorderen Bereich wirkt das Ladenlokal zwar gediegen und übersichtlich, doch eigentlich wie eine ganz normale Drogerie. Das ändert sich ungefähr in der Mitte der Geschäftsfläche. Der Boden erscheint nun in Lindengrün, zur linken Seite nimmt ein total verglaster Raum 15 Quadratmeter ein, alle Flaschen, Fläschchen und Tuben tragen ein einheitliches Signet im gleichen Lindengrün wie der Boden.

An den Wänden sendet eine Metallschrift die Botschaft aus: «Naturathek». Oder, wie es Nagel ausdrückt: «Mit der ‹Naturathek› wollen wir zurück zu den Wurzeln des Drogisten.» Im neuen Laboratorium mit Instrumenten für 30 000 Franken können die dafür Ausgebildeten unter den zwölf Angestellten selbst Produkte herstellen.

«Und zwar alle auf rein natürlicher, pflanzlicher Basis.» Das Angebot umfasst gegen 120 Produkte, deren Rezepturen beim Kanton hinterlegt sind. Heilmittel wie Erkältungsblocker, Salben und Tees, die alle selber etikettiert werden, finden sich in der «Naturathek», dessen Konzept ein geschlossenes Laboratorium verlangt und «in solcher Konsequenz schweizweit noch nirgends umgesetzt worden ist.»

Grosser Vorteil für Bruno Nagels Team: Die Produkte können auch als Müsterli in Kleinportionen von 20 ml oder einem Liter-Teebeutel mitgegeben werden. «Und das Sortiment wird laufend erweitert.»

An zwei bis drei Tagen wöchentlich produziert man im Labor unter akribischen Hygienebedingungen. «Die Drogisten können ihren Beruf wieder leben und selbst Produkte herstellen. Sie lernen das zwar in der Berufsschule, doch später sind sie meist nur noch Verkäuferinnen und Verkäufer.»

Nebst dem Vorteil, dass «kein Gramm» des selbst Hergestellten synthetisch sei, zählt für Bruno Nagel ein weiteres Argument: «Wer Produkte selbst herstellt, kann auch besser beraten.»