Fremd in der eigenen Stadt, so fühlte sich kürzlich die Schreibende. Nicht, weil in Solothurn rund 3500 Menschen ohne Schweizer Pass wohnen. Nicht wegen der Papierli-Solothurner: 2017 wurden 80 Nicht-Solothurner zu Solothurnern. Nicht, weil 2018 schon ganze 116 305 Mal eine Person in Solothurn übernachtete, die nicht aus Solothurn ist. Dafür aber einen Schweizer Pass hat: Rund 50 Prozent der Touristen und Geschäftsleute stammten aus dem Inland. Nein, kürzlich fühlte sich die Schreibende fremd in der eigenen Stadt, weil auch sie in einem der 708 Solothurner Fremdenbetten die Nacht verbrachte. In der Erwartung, die Stadt, in der sie seit 17 Jahren wohnt, ein bisschen anders zu sehen.


Fremdfühlen. Es reichen 200 Meter vom gewohnten Heim zum gemieteten Zimmer, um etwa anders zu hören. Die Glocken beispielsweise, die in der Altstadt je ganze 174 Mal am Tag läuten. Doch nicht die Kathedrale bimmelt einen aus dem Bett (Gotteshäuser läuten in der Altstadt schon lange nicht mehr viertelstündlich), sondern die Uhren an Zeitglockenturm und Bieltor. Doch die Haupt- und Gurzelngasse vermögen deren Geläut nicht bis auf den Kronenplatz tragen. Alles so schön ruhig hier!


Ganz fremd ist die Diskussion um nächtlichen Stadtlärm natürlich nicht. Diese Woche luden die Behörden zum Stadtgespräch – man diskutierte, ob Solothurn «jung bleiben» soll, sprich: künftig feiern darf bis vier Uhr morgens, zumindest am Wochenende. Oder aber doch eher «l(i)ebenswert», sprich: einfach sowie bisher. Lärmtoleranz, Ghüdertoleranz, Fäkaltoleranz: Über all diese Dinge entscheidet der Gemeinderat 2019. «Die Fenster isolieren gut hier» antwortet ein Hotelgast auf die Frage der Schreibenden, ob er ruhig habe schlafen können. Diese übrigens schlief bei offenem Fenster ganz wunderbar – das nicht hörbare Glockengeläut und so.


Etwas befremdend wirkte letzte Woche die Aussage, es sei nicht «böser Wille». Die Tatsache, dass in die Jubiläumsschrift zu den letzten 200 Jahren Stadtgeschichte ausser der Projektleiterin nur Männer involviert sind, geht auf das Vorgehen zurück, bei Aufträgen auf bekannte Netzwerke zurückzugreifen. «Böse» ist daran bestimmt nichts. Doch geschieht es willentlich. Bleibt zu hoffen, dass den Historikern die Rolle der Frauen in der Geschichte Solothurns nicht fremd ist.