St.-Ursen-Kathedrale
Die «Mutter der Kirchen» soll ausstrahlen

Die Renovation und Sanierung der St.-Ursen-Kathedrale sind rechtzeitig zur Einsegnung abgeschlossen. An der Medienkonferenz gab nicht nur der neue Altar Anlass für einige Ahs und Ohs.

Urs Mathys
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Nach dem Brandanschlag wird die Kathedrale am Sonntag eingeweiht.
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Altar: Das «Tuch», das Stein ist.
Abschluss der Renovationsartbeiten St Ursen-Kathedrale Solothurn
Abschluss der Renovationsartbeiten St Ursen-Kathedrale Solothurn
Auch Jesus verschwand hinter schützendem Plastik
Schwarzer Puder auf weissen Engeln
Risse im Stuck wurden zuhauf geflickt
Spannende Einblicke gabs auf dem Gerüst in die Deckenmalereien
Eindrucksvoll waren die Gerüste
Der neue Altar wird in den Chorraum gestossen
Die Restauration brauchte viele Pinselstriche
Sie schufen den neuen Chorraum Doris Wälchli und Ueli Brauen (Architekten), Künstlerin Judith Albert und Gery Hofer
Bild der Verwüstung am 4. Januar 2011
Betroffenheit am 4. Januar bei Domsakristan
Orgelbauer Pierre Barré erklärt, was zu tun ist
Das völlig eingerüstete Kirchenschiff
Nicht einmal vor dem Domschatz machte der Russ Halt
Die Orgel blieb für eineinahlb Jahre stumm
Ein Blick von hoch oben in den Chorraum
Baustelle vor dem Hochaltar

Nach dem Brandanschlag wird die Kathedrale am Sonntag eingeweiht.

Felix Gerber

Und wann nehmen sie jetzt endlich das weisse Tuch vom neuen Alter? Diese Frage stellte sich gestern so manch ungeduldiger Teilnehmer an der Medienkonferenz zum Abschluss der Innenrenovation der St.-Ursen-Kathedrale. Doch das Tuch, samt seinen Bügelfalten, blieb, wo es war. Wer am Ende der Veranstaltung versuchen wollte, den Schleier selber diskret zu lüften, erlebte eine Überraschung: Das «Tuch» ist nicht Tuch, sondern Stein. Marmor.

Welch ein Kontrast: Damals, am 4. Januar 2011, als die schwarz verkohlten Überreste des alten Altars im Chor der russgeschwärzten Kathedrale standen. Und nun dieser neue Altar: Ein mächtiger Klotz blütenweissen Marmors aus Carrara, von dort, wo weisser Marmor herzukommen hat. Ein Klotz allerdings, der dank feinster Oberflächengestaltung zu schweben scheint.

Gmür: «St. Ursen soll ausstrahlen»

Doch nicht nur der neue Altar gab Anlass für einige Ahs und Ohs: In ihrer Begeisterung einig über das Gesamtwerk Innenrenovation zeigten sich Diözesanbischof Felix Gmür, der Solothurner Baudirektor Walter Straumann (Präsident der Diözesankonferenz des Bistums) und Karl Heeb, Präsident der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Solothurn.
Er sei seit Januar 2011 Bischof von Basel und habe «seine» Bischofskirche «vor allem als Baustelle erlebt», blickte Gmür zurück.

Das seither Geschaffene sei eindrücklich: «Die Kathedrale ist als Bischofskirche die Mutter aller Kirchen in der Diözese. Sie ist in jeder Beziehung Vorbild für alle Kirchgemeinden und soll dorthin ausstrahlen.» Der Bischof würdigte vor allem die Neugestaltung des Chorraumes, der um die Höhe zweier Treppenstufen abgesenkt worden ist: «Der neue Altar als Hauptpunkt und Zentrum fügt sich hervorragend in das Bestehende ein.»

In den letzten 20 Monaten hätten sich alle Beteiligten von einer ansteckenden Aufbruchstimmung leiten lassen, lobte Kirchgemeindepräsident Heeb: «Das Resultat von Sanierung und Restauration übertrifft alle Erwartungen. Dies hier ist ein Werk, das als Ganzes überzeugt und gefallen wird.»

Kosten im Budgetrahmen

Gemäss den Verantwortlichen liegen die Sanierungskosten - total rund 8,7 Mio. Franken - bisher im Budget. Das heisst, dass 3,5 Mio. Franken für die Brandsanierung, 4,5 Mio. für die übrige Renovation sowie 770 000 Franken für Konzeption und Ausführung der Chorraum-Neugestaltung eingehalten werden könnten. Etwas mehr als die Hälfte der Kosten ist durch sogenannte reglementarische Beiträge (darunter 3,5 Mio. Franken Versicherungen, Beiträge der Denkmalpflege) abgedeckt.

Schaffhausen und Thurgau fehlen

Den Rest von 4 Mio. Franken teilen sich unter anderen private Spender (bisher rund 400 000 Franken), Kirchgemeinden und Pfarrämter, Institutionen sowie die Bistumskantone. Acht der zehn Bistumskantone (AG, BE, BL, BS, JU, LU, SO, ZG) haben laut Regierungsrat Walter Straumann Beiträge von total 761 000 Franken gesprochen. Noch fehlen dagegen Zusagen aus den Kantonen Thurgau und Schaffhausen. Walter Straumann zeigte sich gestern zuversichtlich, dass man sich auch dort solidarisch verhalten werde. Zulasten der Kirchgemeinde Solothurn verbleiben nach aktuellem Stand knapp 1,2 Mio. Franken.