Und wann nehmen sie jetzt endlich das weisse Tuch vom neuen Alter? Diese Frage stellte sich gestern so manch ungeduldiger Teilnehmer an der Medienkonferenz zum Abschluss der Innenrenovation der St.-Ursen-Kathedrale. Doch das Tuch, samt seinen Bügelfalten, blieb, wo es war. Wer am Ende der Veranstaltung versuchen wollte, den Schleier selber diskret zu lüften, erlebte eine Überraschung: Das «Tuch» ist nicht Tuch, sondern Stein. Marmor.

Welch ein Kontrast: Damals, am 4. Januar 2011, als die schwarz verkohlten Überreste des alten Altars im Chor der russgeschwärzten Kathedrale standen. Und nun dieser neue Altar: Ein mächtiger Klotz blütenweissen Marmors aus Carrara, von dort, wo weisser Marmor herzukommen hat. Ein Klotz allerdings, der dank feinster Oberflächengestaltung zu schweben scheint.

Leitender Architekt Urs Fluri über die Wahl einer Videokünstlerin für die Neugestaltung des Chorraums in der St Ursenkathedrale

Leitender Architekt Urs Fluri über die Wahl einer Videokünstlerin für die Neugestaltung des Chorraums in der St Ursenkathedrale

Gmür: «St. Ursen soll ausstrahlen»

Doch nicht nur der neue Altar gab Anlass für einige Ahs und Ohs: In ihrer Begeisterung einig über das Gesamtwerk Innenrenovation zeigten sich Diözesanbischof Felix Gmür, der Solothurner Baudirektor Walter Straumann (Präsident der Diözesankonferenz des Bistums) und Karl Heeb, Präsident der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Solothurn.
Er sei seit Januar 2011 Bischof von Basel und habe «seine» Bischofskirche «vor allem als Baustelle erlebt», blickte Gmür zurück.

Bischof Felix Gmür über die umgebaute St Ursenkathedrale

Bischof Felix Gmür über die umgebaute St Ursenkathedrale

Das seither Geschaffene sei eindrücklich: «Die Kathedrale ist als Bischofskirche die Mutter aller Kirchen in der Diözese. Sie ist in jeder Beziehung Vorbild für alle Kirchgemeinden und soll dorthin ausstrahlen.» Der Bischof würdigte vor allem die Neugestaltung des Chorraumes, der um die Höhe zweier Treppenstufen abgesenkt worden ist: «Der neue Altar als Hauptpunkt und Zentrum fügt sich hervorragend in das Bestehende ein.»

In den letzten 20 Monaten hätten sich alle Beteiligten von einer ansteckenden Aufbruchstimmung leiten lassen, lobte Kirchgemeindepräsident Heeb: «Das Resultat von Sanierung und Restauration übertrifft alle Erwartungen. Dies hier ist ein Werk, das als Ganzes überzeugt und gefallen wird.»

Regierungsrat Walter Straumann über die umgebaute St Ursenkathedrale

Regierungsrat Walter Straumann über die umgebaute St Ursenkathedrale

Kosten im Budgetrahmen

Gemäss den Verantwortlichen liegen die Sanierungskosten - total rund 8,7 Mio. Franken - bisher im Budget. Das heisst, dass 3,5 Mio. Franken für die Brandsanierung, 4,5 Mio. für die übrige Renovation sowie 770 000 Franken für Konzeption und Ausführung der Chorraum-Neugestaltung eingehalten werden könnten. Etwas mehr als die Hälfte der Kosten ist durch sogenannte reglementarische Beiträge (darunter 3,5 Mio. Franken Versicherungen, Beiträge der Denkmalpflege) abgedeckt.

Schaffhausen und Thurgau fehlen

Den Rest von 4 Mio. Franken teilen sich unter anderen private Spender (bisher rund 400 000 Franken), Kirchgemeinden und Pfarrämter, Institutionen sowie die Bistumskantone. Acht der zehn Bistumskantone (AG, BE, BL, BS, JU, LU, SO, ZG) haben laut Regierungsrat Walter Straumann Beiträge von total 761 000 Franken gesprochen. Noch fehlen dagegen Zusagen aus den Kantonen Thurgau und Schaffhausen. Walter Straumann zeigte sich gestern zuversichtlich, dass man sich auch dort solidarisch verhalten werde. Zulasten der Kirchgemeinde Solothurn verbleiben nach aktuellem Stand knapp 1,2 Mio. Franken.