Solothurn
Die Musikbibliothek ist trotz Internet immer noch sehr gefragt

Die Musikabteilung in der Zentralbibliothek Solothurn trotzt dem Internet. Die «Mubi» erfreut sich auch nach 40 Jahren noch ungebrochener Beliebtheit.

Katharina Arno-Howald
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Co-Direktorin Verena BIder, Stiftungspräsident Remo Ankli und Co-Direktor Peter Probst in Jubiläumslaune.

Co-Direktorin Verena BIder, Stiftungspräsident Remo Ankli und Co-Direktor Peter Probst in Jubiläumslaune.

Felix Gerber

40 Jahre sind vergangen, seit die Zentralbibliothek ihr Angebot durch eine Musikbibliothek erweitert hat. Initiant war der damalige Direktor Hans Siegrist, der sich auf eine Studienreise nach Schweden und Deutschland begab, um sich mit derartigen Institutionen auseinander zu setzen. Um das Projekt in Solothurn auszuführen, wurde der Berner Musikwissenschaftler Hans-Rudolf Dürrenmatt verpflichtet.

Die Eröffnung einer Musikbibliothek in Solothurn 1973 galt als eigentliche Pioniertat und war für einen Kanton, der weder eine Universität noch ein Konservatorium besass, nicht selbstverständlich.

Dank der Zielstrebigkeit des ersten Solothurner Musikbibliothekars wurden bereits im ersten Betriebsjahr 1561 Tonträger ausgeliehen. 85 Prozent davon waren Schallplatten. Fast 20 Jahre war die «Mubi», wie die Musikbibliothek intern auch genannt wird, nur vom Haupteingang des Zetterhauses her erreichbar. Das änderte sich 1990, als die Publikumsfläche auf das erste Obergeschoss ausgeweitet und ein Tausch zwischen Lesesaal und Freihandabteilung vorgenommen wurde. Ein interner Zugang machte es von da an möglich, dass die Kunden nach dem Besuch der Buchbibliothek das Gebäude nicht mehr verlassen mussten, um in die Musikabteilung zu gelangen.

Im Zuge einer Neugestaltung und Vereinheitlichung wurde zehn Jahre später aus der Musikbibliothek eine Musikabteilung. «Alle diese Massnahmen haben in Verbindung mit einem Topangebot dazu geführt, dass die Musikabteilung nach wie vor attraktiv ist und die Ausleihzahlen der Tonträgen im letzten Jahr wieder zulegen konnten», zog der Verantwortliche für den allgemein-öffentlichen Bereich, Peter Probst, an einer kleinen Jubiläumsfeier im Lesesaal der Zentralbibliothek Bilanz. In der Tat: Im letzten Jahr wurden 81 357 Medien oder 88 Prozent Tonträger ausgeliehen.

«Trotz des Alters von 40 Jahren ist die Musikabteilung nicht in die Jahre gekommen,» ergänzte der ebenfalls 40-jährige Bildungs- und Kulturdirektor und neugewählter Präsident des Stiftungsrates, Remo Ankli. Im Gegenteil: «Die Musikbibliothek erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Sie hat den Wechsel von der Schallplatte zur CD mühelos geschafft und trotzt erfolgreich auch dem Internet mit seinen schier unbegrenzten Möglichkeiten.»

Ein Schatz der besonderen Art

Nebst den Tonträgern verfügt die Zentralbibliothek auch über zahlreiche historische Musikbestände wie Noten, Musikhandschriften und Nachlässe solothurnischer Komponisten, die vor allem Co-Direktorin Verena Bider am Herzen liegen. Sie ist verantwortlich für die wissenschaftlichen Bestände und Sammlungen und wies darauf hin, dass heute auch die interne und externe Aufarbeitung und elektronische Erschliessung des historischen Altbestandes von grosser Bedeutung sei. Als Beispiel nannte Verena Bider das wissenschaftliche Werkverzeichnis von Casimir Meister. «Bei diesen Arbeiten erweisen sich unscheinbare Notenmanuskripte oft als unerwartete Funde, und wer weiss, vielleicht stossen wir sogar einmal auf eine Notenhandschrift von Jean-Jacques Rousseau.»

Im Anschluss an die Kurzreferate kamen die geladenen Gäste - wie könnte es anders sein - in den Genuss von ergreifenden, musikalischen Delikatessen. Begleitet von Evelyne Grandy am Flügel, sang sich der Bariton Chasper-Curô Mani mit Liedern von Richard Wagner, Men Rauch und eigenen Kompositionen in die Herzen der Zuhörer. Christoph Greuter, Musikpädagoge, Komponist und Herausgeber von Noteneditionen entpuppte sich dagegen als fundierter Kenner von Volksmusik-Zupfinstrumenten.