Solothurner Filmtage
Die meisten Hotels können auf treue Filmtage-Stammkunden zählen

Ist es Filmtagezeit, sind die Hotels in der Region Solothurn ausgelastet. Dabei sorgen vor allem die «Wiederholungstäter» unter den Cineasten für eine gute Hotelbelegungen.

Andreas Kaufmann
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Schlangestehen nicht nur vor den Filmtage-Sälen, sondern auch an den Rezeptionen.

Schlangestehen nicht nur vor den Filmtage-Sälen, sondern auch an den Rezeptionen.

Hanspeter Bärtschi

«Wie jedes Jahr eine gute Auslastung», resümiert Tourismus-Direktor Jürgen Hofer bereits zwei Wochen vor den Filmtagen. Dabei sieht sich die ansässige Hotellerie veränderten Bedingungen gegenüber, wenn es darum geht, wie der Ansturm ausserregionaler Gäste kost- und logisgerecht zu bewältigen ist: Die «Krone» schloss ihre Pforten Ende Juli. Dafür wird just am Eröffnungstag, dem 24. Januar, in der Vorstadt mit dem «Roten Ochsen» ein neues Hotel eröffnet. Hofer nennt weitere Faktoren, die zusätzliches Publikum nach Solothurn schwemmen könnten: Das Schweizer Filmschaffen mit Jahrgang 2012 ist aus seiner Sicht besonders ergiebig. «Und da wir nebst geladenen Gästen zumeist Schweizer Publikum haben, kommt die Problematik des schwachen Euros nicht zum Tragen.»

Ausfall der «Krone» wird aufgefangen

Den Wegfall der «Krone» beurteilt Hofer selbst rückblickend nicht als eigentliche Versorgungslücke, obwohl das zentrale Traditionshaus viele Filmtagegäste beherbergte: «Wir hatten nach unserer provisorischen Statistik 2012 trotzdem ‹nur› 700 Logiernächte weniger, da andere Hotelbetriebe den Ausfall mehrheitlich auffangen konnten.» Selbiges könne also auch für die logierintensive Zeit der Filmtage angenommen werden.

Ausserdem verweist Hofer auch auf Privatzimmer, die auf die Filmtage hin begehrt sind. Einerseits sind die Anbieter auf der Region-Tourismus-Homepage ersichtlich, zum anderen werden Unterkünfte aufgrund von «Filmtage-Freundschaften» an Filmfreunde oder Heimwehsolothurner vergeben.

Festivalpass: Übers Weekend Kost, Logis und Filme in einem

Bewährt hat sich im letzten Jahr wieder der Filmtage-Festivalpass fürs Wochenende, wie Tourismusdirektor Jürgen Hofer vermeldet. So wird dieser wird als Package der Filmtage-Organisatoren in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Hotels im Sinne von «Kost, Logis und Filme» auch heuer wieder angeboten. «Das bedürfnisgerechte Kombinieren von Angeboten zu attraktiven Preisen gehört immer mehr zum Kerngeschäft von Tourismusbüros», stellt Hofer fest. «Auch geben wir den Leuten so Grund, länger zu bleiben.» Nicht bewährt hat sich das «Päckli» für Einzeltage unter der Woche, wie es letztes Jahr erstmals angeboten wurde. Allerdings sollen Kombipakete dieser Art nun auch fürs «Solothurn Classics» und für die Literaturtage angeboten werden. (ak)

Auch zu nennen sind Kontingente der Filmtage-Organisation, wie auch Ursula Pfander als Mediensprecherin mitteilt: So wurde ein Kontingent von 420 Nächten für Ehrengäste und internationale Persönlichkeiten gebucht.

Wochenende laufen besonders gut

«Die Situation ist wie immer – positiv», kommentiert «Ramada»-Direktor Daniel Siegenthaler die Buchungslage. Wiederum habe es sich auf die Zahlen ausgewirkt, dass die Filmtage ein Wochenende mit einschliessen. Auch deshalb wolle man die Festivalpässe übers Wochenende (siehe Kasten) noch mehr bewerben: «Dort haben wir jedes Jahr eine Steigerung verzeichnet», so Siegenthaler weiter. Zudem sorgen die Kontingente hier und in anderen Hotels für eine gewisse Buchungssicherheit. Kommen jene Gäste hinzu, die am Ende der Filmtage schon wieder den nächstjährigen Aufenthalt buchen – im Falle des «Ramada» sind dies rund 15 Prozent.

Von einem hohen Stammkundenanteil spricht auch Franz Herger, Geschäftsführer des Restaurants Baseltors. Insgesamt seien schon 97 Prozent aller Zimmer und Nächte ausgebucht – zumal das «Baseltor» den Bestand im Sommer um vier Zimmer ausbauen konnte. Grossteils Stammkundschaft – insbesondere aus den Reihen des Schweizer Radios und Fernsehens – geht bei Anita und Peter Basler vom Hotel Roter Turm über die Festivalzeit ein und aus. «Zu 95 Prozent sind es Gäste, die im Folgejahr wiederkommen», sagt Anita Basler, und oft frage man hierzu bei Stammkunden auch nach. Für sie ist es möglich, dass die Schliessung der «Krone» Grund gewesen ist, dass der «Rote Turm» bereits im November gute Buchungszahlen aufwies.

«Roter Ochsen» für gelbe Tage bereit

Für Chris van den Broeke, Geschäftsführer vom Zunfthaus zu Wirthen, hat sich der Wegfall der «Krone» nicht bemerkbar gemacht: «Wir sind auch sonst schon im Oktober voll belegt», informiert er.

«An einigen Daten könnten wir die Zimmer zweimal verkaufen», sagt Roland Furrer, Geschäftsleiter des «Hotels an der Aare» und des «Bären». Dabei kann auch er auf treue wiederkehrende Kundschaft zählen. Insbesondere im «Bären» kommt auch der Wochenend-Pass zum Tragen.

Als neuer Mitstreiter eröffnet pünktlich zum 24. Januar an der Berntorstrasse der «Rote Ochsen» von Christian Stampfli und Rolf Trechsel: «Wir werden mit Einrichten rechtzeitig fertig sein», so Trechsel. Was ihn aber gleichzeitig erstaunt: «Wir sind an einigen Tagen bereits ausgebucht. Leute haben unsere Homepage auf irgendwelche Weise gefunden, obwohl wir noch keine Google-Registration hatten.» Auch sonst sei man eigentlich mit einer marketingstrategisch unmöglichen Ausgangslage konfrontiert: «Wir können noch keine Fotos unserer elf Zimmer zeigen, da diese noch nicht fertig eingerichtet sind.» Aber die Nachfrage für den «Neuling» unter den Filmtage-Unterkünften scheint dennoch stark – was letztlich für den Grossanlass selbst spricht.