«Wir werden darum kämpfen», erklärte Chris van den Broeke noch im August, als der Geschäftsführer des Zunfthauses zu Wirthen die Pacht-Übernahme des benachbarten «Bistraitos» angekündigt hatte.

Und sich damit ein Problem aufgehalst, das auch der bisherige Betreiber Lionel Privé familienintern zuvor nie hatte lösen können: die Fortsetzung des Rechts, draussen auf der Terrasse Würste grillen zu dürfen, wenn er – auch als Liegenschaftbesitzer – den Betrieb nicht mehr selber führt.

Auch ein Fluri-Date half nichts

«Keine Chance», muss Chris van den Broeke leicht resigniert zugeben. Drei Gespräche habe er in der Causa Bratwurst-Grill geführt, «sogar bei Kurt Fluri durfte ich vorsprechen.» Doch auch der Stadtpräsident konnte den beliebten Bratwurststand auf dem Märetplatz nicht retten – das Reglement steht dagegen.

«Ich sagte ihm, man habe damals einen Fehler gemacht. Das Recht zum Bratwurst-Grillen hätte nicht auf den Besitzer, sondern auf die Liegenschaft lauten sollen», zählt der Wirthen-Wirt eines seiner Argumente auf, die er im Stadtpräsidium vorgebracht hatte. Auch der Vorschlag, einen Kohlefiltergrill einzusetzen, habe nichts gefruchtet. Es bleibt beim «Njet» der Stadt. Kalbsbratwürste gibt es zwar weiterhin im «Bistraito», doch nicht mehr draussen, in der besten Passantenlage der Altstadt.

«Wir werden die Würste drinnen zubereiten und in einem Warmholder für die Kundschaft bereit halten», meint Chris van den Broeke. Doch soll der Grill nicht verschwinden, «es werden Würste auf dem Rost sein. Zwei, drei, die man aber nicht essen kann.» Ansonsten sei der Aussenstand mit seinem Angebot an Backwaren und sonstigen Snacks nicht betroffen – «einfach Grillen geht nicht».

Ab 2017 darf das Bistraito keine Würste mehr draussen braten

Ab 2017 darf das Bistraito keine Würste mehr draussen braten

Unser Autor Wolfgang Wagmann hat sich ein letztes Mal eine Bratwurst im Bistraito gekauft, die draussen gebraten wurde. Unter neuer Führung wird dies nicht mehr möglich sein. 

Die Ausnahme von der Regel

Der inzwischen 73-jährige Lionel Privé und seine Frau Maria hatten sich lange schwergetan, den vor 30 Jahren eröffneten Betrieb am Märetplatz aufzugeben. Nicht zuletzt wegen der leidigen «Lex Grill». Oder komplizierter ausgedrückt: dem seit 2004 geltenden Passus im städtischen Reglement über die Nutzung des öffentlichen Raums für Märkte und marktähnliche Nutzungen, der das ständige Grillieren in Aussenständen verbietet.

Damals profitierten Privé wie auch Stadtmetzger Ruedi Wälchli noch davon, dass sie ihre Stände bereits vor dem Erlass im Reglement geführt hatten und ihnen so die Besitzstandswahrung zugestanden worden war. Bereits in den Neunzigerjahren hatte man allerdings Privés die Aussen-Zubereitung von Kebab untersagt.

Die Ausnahme von der Regel gilt jedoch nur für die damaligen Betreiber vor 2004. So konnte auch Privé-Tochter Stephanie, die lange mit einer Übernahme des elterlichen Geschäfts geliebäugelt hatte, keine Bewilligung für den Fortbestand des Aussengrills erlangen.

Nun treten die Eltern in den Ruhestand und Chris van den Broeke will ab dem kommenden Jahr das «Bistraito» nach dem bisherigen Konzept und mit dem vorhandenen Personal weiterführen. Einfach ohne den Aussengrill. Für das Ehepaar Privé – es gilt als «Take-away-Pionier» von Solothurn – war aber immer klar: Ohne Aussenstand ist der Betrieb am Märetplatz nicht überlebensfähig.

Dessen «Seele» stets der Grill gewesen war. Für den neuen Pächter van den Broeke ist jedoch die grosse Terrasse im Zentrum der Stadt ausschlaggebend für die Pachtübernahme: In «seinem» Zunfthaus zu Wirthen seien die Aussenkapazitäten für das Sommergeschäft nämlich zu knapp bemessen.