Vor 372 Jahren sind die ersten Schwestern der Visitation in Solothurn eingezogen. Nun wird die Solothurner Ordensgemeinschaft aufgelöst: Diesen Samstag, 27. Mai, findet in einem Gottesdienst die «Schlüsselübergabe» von der letzten im Kloster Visitation lebenden Salesianerin Sr. Marie-Dominique Bucher an die aus Indien stammende Ordensgemeinschaft der Sisters of Sacred Sciences (SSS) statt. Damit endet die Ära der Visitationsschwestern in Solothurn.

Verein Basilea war federführend

1610 wurde der Orden «Visitation Ste. Marie» (Maria Heimsuchung) von Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal in Annecy gegründet. Bereits kurz darauf wurden die beiden einzigen in der Schweiz ansässigen Visitations-Klöster gegründet: 1635 in Freiburg und 1645 in Solothurn. Nachdem das erste im Obachquartier gelegene Klostergebäude wegen des Schanzenbaus abgerissen worden war, bezogen die Schwestern 1679 das heutige Kloster an der Grenchenstrasse.

2007 übergab die Schwesterngemeinschaft die gänzlich unter Denkmalschutz renovierten Klostergebäude und den Klosterbesitz dem bischöflichen Verein Basilea, der die diözesanen Liegenschaften verwaltet. «Diesen Schritt vollzogen wir, um das barocke Bijou für Stadt und Kanton zu erhalten und um eine nachfolgende Schwesterngemeinschaft vom Liegenschaftsunterhalt zu befreien», erklärt Frau Mutter Marie-Dominique, die dieses Projekt zusammen mit den verstorbenen Vorgängerinnen Marie-Jacqueline und Marguerite-Marie aufgegleist hat.

Die 82-jährige Salesianerin ist noch bis Ende Monat als Oberin im Amt. Sie lebt als einzige Visitationsschwester noch in der Visitation, ihre betagten Mitschwestern Marie-Hélène und Marie-Pascale weilen im Elisabethenheim auf dem Bleichenberg. Mit der Schlüsselübergabe wird sie die Verantwortung an die indischen Sisters abgeben und sie ist glücklich, dass das Kloster Visitation als semi-kontemplative Heimat einer Ordensgemeinschaft weiterbestehen wird. Daraufhin hat eine von Generalvikar Markus Thürig geleitete Arbeitsgruppe und der 2010 gegründete Förderverein hingewirkt.

Dem Vorsitzenden des Vereins Basilea liegt die Zukunft der Klostergemeinschaft am Herzen. Markus Thürig: «Die Sisters of Sacred Sciences leben ihre Berufung in der Kontemplation und in ihrem Apostolat, der Glaubensunterweisung Erwachsener und dem Begleiten geistlicher Einkehrtage. Ich hoffe, dass diese Schwesterngemeinschaft den salesianischen Geist in der Region Solothurn wachhalten kann. Das wäre eine wertschätzende Weiterführung dessen, was die Visitantinnen über Jahrhunderte hier gelebt haben.»

Viel wird sich nicht ändern

SSS-Generaloberin Schwester Siji lebt seit 2003 im Kloster Visitation und studierte in Fribourg Theologie. Sie freut sich auf die neue Aufgabe: «Nach aussen wird sich nicht viel ändern. Wir setzen uns dafür ein, dass der spirituelle Ort erhalten bleibt. Wie bis anhin bieten wir Eucharistiefeier, Exerzitien, Besinnungstage, tägliche Anbetung sowie Bildungsprogramme an. Unser Auftrag lautet, für das Kloster und das Ordensleben verantwortlich zu sein. So, wie es uns das Franz von Sales Leitwort «Blühe, wo Du gepflanzt bist» vorgibt.»

Der Orden der Sisters of Sacred Sciences (Sorores Scientiarum Sacrarum, SSS) wurde 1997 vom Salesianer Antony Kolencherry gegründet. Auch er lebt seit 2003 in Solothurn, ist als Seelsorger in Lommiswil tätig und als Spiritual im Kloster Visitation aktiv. Pater Antony: «Die Spiritualität des Heiligen Franz von Sales ist unser gemeinsames Erbe und hat uns zusammengeführt. Dieses Vermächtnis gilt es zu bewahren. Der Geist des Stifters wird gemäss dem Charisma der SSS-Ordensgemeinschaft fortgesetzt.»

Oase der Stille bleiben

Viele Gläubige der Region schätzen die junge Gemeinschaft, die sich auch auf den Förderverein stützen kann. Vize-Präsident Erwin Angehrn: «Neben dem Beistehen der einheimischen Schwestern haben wir uns stets für eine ‹gute Zukunft› der SSS im Kloster eingesetzt. Jetzt muss die Schwesterngemeinschaft vermehrt selber Verantwortung beim nachhaltigen Aufbau ihres Bleibens übernehmen. Dabei stehen wir ihnen nach wie vor zur Seite.» Eines der Ziele der Visitantinnen und des Fördervereins war es, das Kloster als spiritueller Ort der Begegnung zu erhalten. Pater Antony sichert dies zu: «Die Visitation soll weiterhin als Oase der Stille, der Meditation und des Gebets zugänglich sein.»

Er wünscht sich, dass junge Schweizer Frauen in den Orden eintreten und die salesianische Spiritualität leben und bekannter machen. Dies deckt sich mit den Hoffnungen von Schwester Marie-Dominique, die sich nun auf die Schlüsselübergabe freut: «Der Gottesdienst ist öffentlich. Wir haben niemanden speziell eingeladen, sondern heissen alle willkommen, die mit uns verbunden sind.»

Samstag, 27. Mai, 9.45 Uhr, Festgottesdienst in der Kirche Kloster Visitation Solothurn mit Weihbischof Denis Theurillat, Pater Antony, Konzelebranten, Bruno Eberhard, Orgel, Ruth Fischer, Violine, anschliessend Apéro im Refektorium.