Ausstellung
Die Künstlerin und der filmemachende Künstler

Parallel zu den Filmtagen zeigt die Galerie9 am Riedholzplatz Bilder des Filmemachers Clemens Klopfenstein. Aausgesucht hat die Bilder die Malerin Anje Hutter. Sie zeigt auch eigene Bilder.

Eva Buhrfeind
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Der heilige Franz von Assisi stützt Clemens Klopfensteins Kirchen. eb

Der heilige Franz von Assisi stützt Clemens Klopfensteins Kirchen. eb

Das Plakat irritiert anfänglich doch ziemlich. Malt Anje Hutter jetzt auch Tische und umgekippte Gläser in ihre stillen Landschaften? Wandeln sich ihre so einfachen Bilder zu kleinen theatralischen Szenen? Nein, Anje Hutter bleibt sich treu und zeigt hier ihre vertrauten, streng reduzierten, formelhaften Inhalte, die sinnbildhaft Aussen-, Innen- und spirituelle Räume andeuten in den mehrheitlich gebrochenen, ahnungsvollen Farben der Dunkelheit. Bilder eben, die in ihrer Materialität und Farbdichte an Tafelbilder auf Holz erinnern. Grenzräume und Zwischensituationen, in denen Zeichen wirken wie das zartrosa Fenster zum Licht, eine schattenhaft einsame Gestalt am Meer, der schwebende Mond über einem Wellental, die in der Toskana immer neu er- und durchlebte Unendlichkeit des Meeres und des Himmels, konzentriert auf die reine Kraft der horizontalen Farbverdichtung.

Wenn zwei sich treffen

Doch wie kommen nun Tisch und Gläser ins Plakat? Clemens Klopfenstein, der bekannte Schweizer Filmemacher, hat sich hier hineinprojiziert, unaufgeregt Anje Hutters Blick aufs Meer szenisch erweitert: Zwei unkonventionelle Künstler treffen sich in der Galerie9 am Riedholzplatz zur freundschaftlichen Begegnung, aus der dann auch die Idee zu dieser Ausstellung entstanden ist.

Kennen gelernt haben sie sich auch eher unkonventionell 2007 anlässlich der Klopfenstein-Ausstellung im Haus der Kunst, und es wurde, um beim Film und seinen Zitaten zu bleiben, «der Beginn einer wunderbaren Freundschaft», die von Umbrien bis Solothurn dauert. Und so hat Anje Hutter für die Ausstellung aus dem Fundus von Clemens Klopfenstein einige Bilder ausgewählt als Ergänzung zu ihrer Werkschau.

Erneut präsentiert der nonkonformistische Schweizer Filmemacher die andere Seite seines einfallsreichen Schaffens: die Malerei und das Zeichnen. Denn Clemens Klopfenstein, 1944 in Täuffelen geboren und seit Mitte der 70er-Jahre in Umbrien lebend, ist eben auch aktiver Maler mit Zeichenlehrerdiplom und Kunsterzieher. Breitgespannt sind die Themen, da sind die Erinnerungen an seine Rom-Zeit, als er im Schweizer Institut in Rom ein Stipendium umsetzen kann. Die geschichtsträchtigen Architekturen und Tempel verdichten sich zu vertrauten Metaphern, expressiv in Farbe und Form, vielfältig im malerisch-zeichnerischen Ansatz. Wie mehrdeutige bizarre Schlussszenen wirken «Pech und Bar»- oder die «Wolf»-Arbeiten. Subversiv hingegen scheinen seine religiösen Inhalte, wenn auch nur auf den ersten Blick. «Tanzende Mönche im Morgenrot» oder «Der Heilige Franz stützt die Kirchen» sind eher doppelbödig-allegorisch und vor allem drastisch visionär im malerischen Ausdruck. Während der fliegende Christus, «der die Sünder mit seinem unendlichen Blut erlöst», brachial einen Jesus bebildert, der für das Christentum sein Blut vergiesst: schwerelos und zugleich schwer tragend am Los, wird sein Blut zum metaphysischen Abendrot.

Heftige zeichnerische Geste

Filmemacher und Künstler Clemens Klopfenstein ist nicht einfach zu fassen. Beide Seiten sind dramatisch und erzählerisch, hintersinnig und zeitlos (in der Absurdität), zuweilen auch kurios und rigoros, scheinen einander zu durchdringen. Das Wissen und die Erkenntnis um die Nähe von Alltäglichem und Makabrem, Schönheit und Radikalität, Leben und Tod verdichten sich hier mit persönlichen Begegnungen und Begebenheiten zu verschachtelten Geschichten. Mit heftiger zeichnerischer Geste in Acryl auf Leinwand und Papier drastisch dramaturgisiert – ein unlösbares Netz aus Metapher und Realität, Fiktion und Mystik, Tragik und Ironie. Fantasiegeladene Lebensbilder, die er im 2011 erschienenen Roman «Schwein gehabt» als literarische-burleske Hommage an Umbrien auslebt.

Info: Bis 26. Februar, geöffnet: Do und Fr 17 bis 20 Uhr, Sa und So 14 bis 17 Uhr.