Solothurn
Die künftige Regiekabine im Solothurner Stadttheater gibt zu reden

Eingegangene Einsprachen zur überarbeiteten Sanierungsplanung könnten das «neue» Stadttheater Solothurn womöglich verteuern und verzögern. Ein Grund für mindestens eine der beiden Einspracheparteien ist die geplante Regiekabine.

Andreas Kaufmann
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Zwei Einsprachen gegen die Stadttheater-Sanierung könnten das Projekt in Stocken bringen.

Zwei Einsprachen gegen die Stadttheater-Sanierung könnten das Projekt in Stocken bringen.

Andreas Kaufmann

Architektonisch löste der letztjährige Fund von barocken Brüstungsmalereien im Theatersaal eine Kursänderung für die Sanierung aus: Vor allem der Erhalt der historischen Bausubstanz rückte mit dieser Entdeckung und der noch anstehenden Unterschutzstellung in den Vordergrund.

Der Fund machte ein Umplanen erforderlich. Nach der Einsprachefrist für diese «Sanierung 2.0», die am 7. Februar abgelaufen ist, liegen nun zwei Einsprachen von Privatpersonen vor, wie Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamts auf Anfrage informierte. Es seien projektbezogene, weniger baurechtliche Einsprachen. «Sie beziehen sich auf betriebliche Abläufe, die Lage der Garderoben, die WC-Anlagen, das Café im Erdgeschoss und die Regiekabine.»

Diese Variante plant das Stadtbauamt umzusetzen.

Diese Variante plant das Stadtbauamt umzusetzen.

Zur Verfügung gestellt

Gerade die in der Mitte des zweiten Ranges (also der Galerie) geplante Regiekabine war und ist der Stein des Anstosses für mindestens eine der beiden Einspracheparteien: Fritz Sebald. Er hatte schon vor dem historischen Fund Barockmalereien unter den Stoffbezügen vermutet (wir berichteten). In seiner Einsprache stösst er sich aber eben primär am Standort der Regiekabine: «Ich bin förmlich explodiert, als ich die Planauflage im Stadtbauamt sah.»

Variante von Fritz Sebald

Variante von Fritz Sebald

Zur Verfügung gestellt

Durch eine Kabine im denkmalgeschützten Zuschauerraum werde dieser in seiner historischen und ästhetischen Form stark beeinträchtigt, macht er in seiner Einsprache geltend. Und vermutet: «Die Bauverantwortlichen opfern lieber den Zuschauerraum, um ihre Pläne zu verwirklichen, als dass sie den Bedürfnissen der Zuschauer dienen würden.»

Auch geht es um das «Opfer» mehrerer Sitzplätze, dort, wo die Kabine geplant ist. Denn laut Sebald sässen die Fans gerade dort gerne. Insbesondere für Musiktheater seien zudem diese Plätze akustisch betrachtet die besten. Bei den meisten anderen Theatern, verwies Sebald auf Lausanne, Zürich, Luzern und La-Chaux-de-Fonds, befinde sich die Regiekabine hinter den Zuschauerreihen und hinter einem Wandausschnitt. Erst recht gelte dies für historische Theater. In Einzelfällen verzichte man gar auf den Einbau von Regiekabinen.

Für die Sanierung in Solothurn schlägt Sebald vor, die Kabine hinter den Zuschauerraum ins Foyer zu verlagern und dort für den wegfallenden Platz den Treppenaufgang zu verschmälern. Via Wand-Durchbruch sähen die Licht- und Tontechniker dann in den Theaterraum hinein. Auch rät er, eine denkmalschützerische Zweitmeinung einzuholen.

«Eine Regiekabine muss sein»

Was die neue Regiekabine angeht, stand seitens Stadtbauamt nie das «Ob?», sondern das «Wie?» im Zentrum: Sie sei, so Lenggenhager, immer Bestandteil der Planung gewesen. «Seitens Theaterbetrieb wurde uns der zwingende Bedarf der Regiekabine bestätigt.» Allerdings liegt Sebalds Vorschlag zeitlich zwischen dem zuerst aufgelegten Variantenplan, der total neun Sitzplätze «wegfrisst», und einer nachträglich angepassten Variante, die lediglich fünf Plätze vom Platzangebot abzieht. «Durch die Nutzung der Tiefe der Trennwand zum Foyer wird so ermöglicht, dass die Plätze der ersten Sitzreihe auf der Galerie voll und ganz erhalten bleiben.»

Eine vollständige Zurücksetzung der Kabine sei nicht möglich, da die Sichtachse für den Operateur, der die ganze Bühne im Blick haben muss, so weit hinten zu eingeschränkt wäre. Und auch ohne Kabine würden es Auflagen der Gebäudeversicherung verhindern, ohne eine Wandausbuchtung überhaupt eine zweite Sitzreihe zu realisieren.

Als «absoluten Standard» für heutige Theaterbetriebe betrachtet Theater-Verwaltungsdirektor Marcel Falk die Einrichtung einer Regiekabine. Insbesondere die Frontalsicht auf die Bühne sei dabei massgebend.

Die «goldenen» Sessel

Doch wie begehrt sind nun die wegfallenden Sitze wirklich? Markus Jenal, Präsident der «Freunde des Stadttheaters» relativiert: «Über seinen Lieblingsplatz wird jeder seine eigene Meinung haben. Ich beispielsweise sitze bevorzugt im Parterre.» Akustik und Sicht seien - mit Einschränkungen durch die Stützpfeiler - überall gleich gut. Es gebe zwar Theaterfreunde, die ihren ‹Stammsitz› haben: «Doch dieser kann sich genauso gut am Rand befinden.»
Ob die beiden Einsprachen einen Einfluss auf das weitere Sanierungsvorgehen haben werden, lässt sich laut Lenggenhager aktuell nicht sagen, da sich die Baukommission mit deren Behandlung beschäftigen wird. Für sie steht aber eines fest: «Die Einsprachen könnten Konsequenzen auf die Sanierung haben - und zwar zeitlich und somit auch finanziell...»