Acht grosse und noch grössere Umzugswagen unter dem Titel einer städtischen Zunft, die in ihrem Namen konkret auf «Solothurn» als Herkunftsbezeichnung hinweisen, bereichern seit Jahrzehnten die grossen honolulesischen Umzüge. Gegenwärtig sind diese wunderprächtigen Bieltor-tauglichen Ungetüme in der Entstehungs- bzw. Verfeinerungsphase. Dafür braucht es Hallen. Doch diese sind auf Stadtgebiet dünn gesät, wenn überhaupt zu finanziell erträglichen Konditionen mietbar (fürs ganze Jahr notabene).

Fünf Wagen erhalten in ungezählten Abend- und Wochenendstunden von ebenso vielen ungezählten Händen im Bezirk Lebern ihr Umzugsgesicht – im Wasseramt sind es deren drei. Ausser der Narrenzunft Honolulu in Selzach und der Weschtstadt-Zunft knapp auf Bellacher Boden am nächsten an der Stadtgrenze als Eigen-Wagenbauhallen-Besitzerinnen sowie der Fasnachtszunft Vorstadt dank einer speziellen Bleiberecht-Mietlösung in der Typ AG in Bellach, leben die anderen Zünfte mehr oder weniger in ungesicherten Verhältnissen.

In «Hinterkopf-Phase» geblieben

Um den anderen Wagenbau-Zünften vorübergehend eine Heimstätte zu bieten, initiierte der damalige Ober-Ober Max Kaeser vor zwei Jahren eine Baurechts-Variante auf dem Kiesparkplatz nördlich der Badeanstalt. Stadtpräsident Kurt Fluri signalisierte damals, diese Anfrage als Variante im Sinne eines Provisoriums zu prüfen. Dass diese Idee keine Seifenblase war, zeigten Sitzungen und Gespräche auf die Fasnacht 2016 hin. Die Finanzierbarkeit war für die Interessierten das Haupthindernis. Nicht zu unterschätzen sind zudem Amortisation und Unterhalt. Deshalb blieb das Projekt in der «Hinterkopf-Phase» stecken.

Wenigstens für die Schanzennarren im Bargetzi-Steinbruch der Bürgergemeinde Solothurn, bereits auf Rüttener Boden, ist das Verhältnis noch für die nächsten drei Fasnachten geklärt. «Wir konnten mit der Bürgergemeinde vor zwei Jahren einen Fünf-Jahres-Vertrag abschliessen», sagt ihr Ober Hansjürg Schluep. Auch dieses Jahr kann der Hauptgassleist den Werkhof Wyss in Flumenthal benützen.

Hingegen müssen die Hudibras-Chutzen den Bleichenberg in Biberist nach zwei Jahren Ende Februar wieder verlassen. «Der Landwirt benötigt seine Garage wieder selbst, weil er seine Fahrhabe aus dem Schöngrün zügeln muss», erklärt Hudi-Ober Christoph «Schugi» Michel. Diese UNO-Stammzunft ist deshalb wieder auf der Suche, verfügt aber dank dem vor sechs Jahren gegründeten Verein «Casa Hudibras» über ein finanzielles Polster. Im Riverside Business Park in Zuchwil lebt die Tannewägzunft von Jahr zu Jahr. «Wir sind nie sicher: Wenn diese Halle vermietet wird, müssen wir sie verlassen, und weil wir keine Riesenzunft sind, darf es nicht ‹schampar› teuer sein», so ihr Ober Frédéric Auf der Maur.

Ebenfalls in Zuchwil domiziliert sind die Muttiturmbiisser, hinter dem Restaurant Kastanienbaum. «Wir sind eingemietet, aber ohne Langzeitvertrag und mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten, wobei uns der Vermieter, ein Zuchwiler Fasnächtler, gut gesinnt ist», sagt Oberin Nadine Schär und nimmt die Enge an diesem für sie gut gelegenen Ort gerne in Kauf.

Es geht ums liebe Geld

Die Krux für eine gemeinsame Halle ist die Finanzierbarkeit. Dies stellte sich bei diesen Gesprächen heraus. Eine Realisierung bedingt einen gesunden finanziellen Konsens, mit einer für alle Beteiligten gleich grossen Einlage, gleich langen Ellen. Alle müssen sich finanziell auf gleicher Augenhöhe befinden. Nicht zu unterschätzen sind die zu unterschiedlichen Historien mit ebenso unterschiedlichen Strukturen für eine ausgewogene Basis. Die Zünftlerinnen und Zünftler sind also auch weiterhin auf viel Goodwill angewiesen.