An vier Halbtagen sitzt er in seinem kleinen Laden an der Nictumgasse in Solothurn. Er berät seine Kunden, gibt Tipps – und baut, baut, baut. Anleitung um Anleitung wird aus der Schublade geholt und dann Schritt für Schritt zusammengebaut. Er baut Modelle mit einer unglaublichen Genauigkeit zusammen. Abgeschlossen ist das Werk erst, wenn René Syfrig es bis ins letzte Detail vollenden konnte. Kompromisse gibt es nicht. «Ich kann mit viel Geduld fast jedes fehlende Einzelteil auftreiben.»

Komplette Modelle stellt er in seinen Lego-Shop zum Verkauf aus. «Würde ich die Arbeitszeit der verschiedenen Modelle in Franken aufrechnen, so wären einzelne Stücke wohl unbezahlbar.» Für ihn ist das aber kein Problem, denn in erster Linie hat er Freude an der Sache und an den immer wieder neuen Herausforderungen. Doch Syfrig baut nicht nur nach Anleitung. «Vermehrt kriege ich Anfragen, ob ich zum Beispiel ein bestimmtes Auto mit Lego-Steinen nachbauen kann.»

Auch dies ist für Syfrig kein Problem. So hat er zum Beispiel eine Krokodil-Lokomotive detailgetreu nachgebaut oder einen Dodge Viper. «Mit einem 6-Gang-Getriebe», wie der Lego-Fan stolz erzählt. Sein Auge für Finessen, sein Ehrgeiz sowie sein Können, aufgrund eines einfachen Bildes ein bis ins Detail stimmiges Resultat zusammenzubauen, lässt auf eine Ausbildung als Ingenieur oder ähnlich tippen. «Gelernter Bäcker-Konditor bin ich», so Syfrig, «aber seit über 40 Jahren ist Lego für mich eine Leidenschaft.» Noch heute glänzen seine Augen, wenn er von seinen Kreationen erzählt. So zum Beispiel vom Lego-Karussell, das sich nicht nur dreht, sondern das auch leuchtet, klingt und bei dem sich die Figuren auf und ab bewegen.

Einige seiner Kunden kommen regelmässig in den Shop, weil ihnen für die Komplettierung eines Modells ein ganz bestimmtes Teil fehlt. Syfrig schaut zuerst in seinem riesigen bestens sortierten Lager nach – und sollte er es nicht finden – durchforstet er das Internet. Kiloweise kauft er Legosteine ein, durchwühlt die Kisten, sortiert sie und wird immer wieder fündig. «Einmal kam eine ältere Dame zu mir in den Laden, stellte eine wirklich grosse Kiste voll Legos ab und verschwand wieder mit dem Kommentar, sie schenke mir die Lego-Steine.» Gerade solche Kisten bergen oft Raritäten, die man auf dem Markt kaum bezahlen kann. Welche Preise zum Teil kursieren, mag den Laien erstaunen. Auf dem Verkaufstresen des kleinen Shops stehen viele Lego-Figürchen. Eines ist mit 150 Franken angeschrieben. Wer kauft so was? «Lego-Freaks aus der ganzen Schweiz – und sogar aus den Nachbarländern.»

René Syfrig könnte ein Museum eröffnen mit all den Fundstücken, die er lagert, zum Verkauf anbietet und die noch vor der Vollendung stehen. Doch sein Traum ist ein anderer: «Ich hätte gerne einen grösseren, hellen Raum. Da würde ich ein paar Tische aufstellen, auf jedem eine Kiste Lego ausschütten, und dann könnten die Kinder hier bauen kommen.» Daneben hätte er ein Atelier, wo er seine Modelle stehen lassen könnte – und natürlich einen Verkaufsraum. «Manche nennen mich einen Spinner. Aber Legos sind und bleiben nun mal meine grosse Passion.»