Können Theorie und Technik, angereichert mit einer künstlerischen Note, schon die ganz Kleinen unter uns begeistern? Sie können. Warum ist der Himmel blau, der Regenbogen farbig? Lässt sich aus Bäumen wie Büchern lesen und kann ein Sofortbild auch langsam sein? Solche und ähnliche Fragen haben sich viele schon gestellt. Die erste Art-Science-Night versucht, auf diese Rätsel eine plausible Antwort zu geben – und das auf möglichst originelle Art und Weise.

Der Schauplatz ist die Pädagogische Hochschule FHNW an der Oberen Sternengasse in Solothurn. Die Schulräume und Vorlesungssäle, die am selben Morgen noch von Dozenten und Studenten bevölkert wurden, haben sich im Laufe des Freitagnachmittags in eine verwinkelte Erlebniswelt verwandelt. «Spannende Begegnungen mit Kunst und Technik», so das Motto. Doch auch die Organisatoren um die wissenschaftliche Mitarbeiterin Gabriela Brütsch konnten sich bis am Schluss nicht ausmalen, auf was sie in den umgestalteten Räumen und Gängen schliesslich treffen werden.

«Um 16 Uhr dachte ich, es wird knapp», sagt Brütsch, die wie andere Lehrkräfte am selben Tag noch unterrichtete, die einen in Brugg oder Baden, andere in Basel und Solothurn. Doch um 17 Uhr stehen die Workshops bereit, sind die Kurzreferate angesetzt. Erste Schulklassen treffen ein, Eltern mit ihren Kindern, auch viele Lehrerinnen und Lehrer. Und die jüngsten Besucher sind sofort begeistert: Sie lernen unter Anleitung, einen Elektro-Flitzer zu basteln, können schrottreife Computer-Tastaturen auseinanderschrauben und mit Holz oder anderen Elektroteilen optisch aufmotzen, oder inmitten einer bunten Kartonlandschaft die soziale Porträt-Maschine
«Face-o-mat» entdecken. Erfinder Tobias Gutmann hat mit dieser bereits die Welt bereist.

Das Angebot, das die Fachhochschule Nordwestschweiz zusammengestellt hat, ist extrem breit gefächert. An den sieben Kurzreferaten erhalten Erwachsene eine Einführung in den 3-D-Druck als letzter Schrei in der Hightech-Branche und Adie Dolorografie, ein visuelles Instrument, mit dem sich das Sprechen über Schmerzen ermöglicht. Zudem wartet im Vorlesungssaal eine dialektische Annäherung an niemand geringeren als Rotkäppchen.

Jedes Schulzimmer birgt eine neue Überraschung, sei es das Farblabor mit knalligen Naturfarben für Karten zum Selbstgestalten oder das Schatten-Licht-Spektakel mit verschiedenen Lichtquellen, Spiegeln und Projektionsflächen. Die Art-Science-Night will Interesse und Freude an bildnerischer und technischer Gestaltung wecken, das scheint ihr vollends zu gelingen: Die Eltern lassen sich von der Fantasie und Freude ihrer Kinder anstecken und tauchen ein in eine Welt, die vieles erlaubt und wenig verbietet.

Doch auch Lehrkräfte aus dem Einzugsgebiet der Fachhochschule Nordwestschweiz sollen in den vier Stunden neue Herangehensweisen an Unterrichtsmethoden erfahren können, so das Ziel der Organisatoren. Sei es in der Kunst wie in der Technik. Denn bekanntlich kann jedes Thema für seine Zuhörer interessant sein – es muss ihnen bloss richtig vermittelt werden.