Solothurn
Die Jugendarbeit im Alten Spital bekommt ein neues Gesicht

Barbara Kläsi prägte sieben Jahre lang die Jugendarbeit im «Alten Spital». Jetzt kommt es zu einem Wechsel: Fabian Steinbrink wird Bereichsleiter Jugend – ein Rück- und Ausblick.

Andreas Kaufmann
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Barbara Kläsis offizielles Arbeitsende ist heute, ihr Nachfolger Fabian Steinbrink ist seit Mitte Februar neu an Bord.

Barbara Kläsis offizielles Arbeitsende ist heute, ihr Nachfolger Fabian Steinbrink ist seit Mitte Februar neu an Bord.

Andreas Kaufmann

Es waren acht rastlose und umtriebige Jahre der Entwicklung und Konsolidierung. Für Barbara Kläsi waren es aber vor allem acht prägende Jahre der Begegnung. Seitdem sie als 25-Jährige ihre Stelle im Alten Spital angetreten hat, hat sich in ihrem Fachgebiet – der Jugendarbeit – einiges getan. Zum Ende ihrer Tätigkeit in Solothurn blickt sie zurück: «Damals war ich als Projektverantwortliche allein für Jugend und Integration zuständig», heute, stellt sie fest, ginge das kaum mehr. Die Jugendarbeit hat sich kantonal wie städtisch positioniert, entwickelt und professionalisiert. In Solothurn selbst hat sich ein gemischtgeschlechtliches Team mit zwei Jugendarbeitenden und zwei Praktikanten bewährt. Eine der Praktikantinnen sei danach sogar vier Jahre als reguläre Mitarbeiterin beim Alten Spital geblieben.

Von den Partnern, mit denen die Jugendarbeit zusammenspannt, hat Kläsi in dieser Zeit viel Goodwill gespürt: «Es war eine gute Situation, in der man neue Sachen, neue Ideen entwickeln kann.» Gleichzeitig blieb aber auch das kostenkritische Auge der städtischen Politik nicht unbemerkt: «Ich habe die Politik schon auch als Gegenpol erlebt, was aber in der Natur der Sache liegt», erläutert Kläsi. «Man muss jeweils hinter unsere Projekte blicken.» Andernfalls bleibe nämlich gerade die Beziehungsarbeit unbeachtet: «Die jungen Menschen treten mit ihren Problemen an uns heran. Und während es in der Politik üblich ist, Leistungen zu quantifizieren, lässt sich Jugendarbeit oft nur schwer in Zahlen ausdrücken.»

Von Bubenwoche bis «Platz da!»

Mehrere institutionelle Wegmarken waren prägend für Barbara Kläsi, die im bernischen Wichtrach zu Hause ist. Sie nennt beispielsweise «Feel the Move» – das Sportprojekt, das die Jugendlichen zu Zeiten des Wochenend-Ausgangs in die Turnhallen lockt – und sich über die Grenzen der Stadt etabliert hat. Ebenso erinnert sich Kläsi an den Aufbau und die Durchführung der letztmals 2013 durchgeführten Bubenwoche. «Es war dies für uns eine gute Gelegenheit, um mit Jugendlichen in Kontakt zu treten.» Und der Erfolg lässt sich auch in Zahlen ausdrücken; hatte sich doch die Teilnehmerzahl von 30 auf zuletzt 180 vervielfacht.

Kläsis grosses Projekt aber war der Aufbau eines Jugendtreffs: «Es kann nicht sein, dass eine Stadt wie Solothurn über keinen solchen Treff verfügt», befand sie damals. So erhob sie die entsprechenden Bedürfnisse in den Solothurner Schulen in Form einer Diplomarbeit, die sie im Rahmen ihrer Weiterbildung in NPO-Management zu verfassen hatte. Damit liess sie einen klaren Wunsch nach einem Jugendtreff sichtbar werden. Und tatsächlich hat sich ein solcher bis heute erfolgreich institutionalisiert. Ein weiteres Projekt, dem Kläsi ihre Handschrift verlieh, ist «Platz da!», das 2014 erstmals über die Bühne ging.

Dieses wird heuer ebenso unter ihrer vorbereitenden Mitwirkung im ganzen Monat Mai den öffentlichen Raum von Solothurn mit zahlreichen Anlässen bespielen. Kläsi selbst aber wird lediglich als Gast und Besucherin vorbeikommen. In der vergangenen Woche hatte sie nämlich ihren letzten Arbeitstag im Alten Spital. Kläsi tritt als Co-Vertriebsleiterin in Bern eine neue Stelle beim Verein Surprise an, der das gleichnamige Strassenmagazin herausgibt. «Es hat Spass gemacht, Ideen zu entwickeln.

Doch jetzt ist es an der Zeit, jemandem Neuen mit neuen Ideen Platz zu geben», sagt Kläsi. Die Aussicht, loslassen zu müssen, scheint nicht einfach zu sein, insbesondere wenn man sich wie hier mit seiner eigenen Persönlichkeit in eine Tätigkeit einbringt. «Manchmal geht man nach Hause und denkt über den Arbeitsplatz nach: ‹Bespiele ich das Haus? Oder bespielt das Haus mich?›» Doch das ist der Preis, den man für die Mitwirkung gerne in Kauf nimmt. Das Loslassen indes wurde für sie wesentlich einfacher, als sie Nachfolger Fabian Steinbrink kennen lernte. «Mit ihm wurde eine gute Lösung gefunden», ist sie überzeugt.

Feuertaufe für den «Neuen»

Der 34-jährige Diplompädagoge Fabian Steinbrink aus Nordrhein-Westfalen hat den Weg nach Solothurn durch seine Ehefrau gefunden, die am Bürgerspital ein Praktikum absolvierte und nun dort arbeitet. Zuvor war er im Jugendverband des Deutschen Roten Kreuzes im Saarland tätig. «Und wie hier hatten wir auch dort viele Projekte», sagt Steinbrink. Insbesondere das Multiprojekt «Platz da!» dürfte mit seiner Vielfalt an Anlässen für ihn zur interessanten Feuertaufe werden. «Neu ist für mich sicher die offene Jugendarbeit. Da gibt es noch einiges zu lernen. Ausserdem muss ich meine Rolle finden.»

Dass es ihm hier bereits jetzt wohl ist, liegt einerseits an der vielseitigen Jugendarbeit, andererseits aber auch an Solothurn selbst. «Ich stamme aus dem westfälischen Soest, einer ebenfalls historischen Stadt.» Und mit den hiesigen Dialekten beginnt sich Steinbrink ebenso anzufreunden: «Ich verstehe immer mehr.»