Jesuiten
Die Jesuiten prägten über 100 Jahre lang das kulturelle Leben in Solothurn

Der dem Orden der Jesuiten angehörende neue Papst Franziskus hat auch in Solothurn Erinnerungen an eine Ordensgemeinschaft wachgerufen, die in der Stadt nicht nur kulturell, sondern auch architektonisch wertvolle Spuren hinterlassen hat.

Katharina Arni-Howald
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Die Jesuiten prägten zwischen 1646 und 1773 das kulturelle Leben in Solothurn. Ihre Kirche gehört noch heute zu den bedeutendsten Barockkirchen der Schweiz.

Die Jesuiten prägten zwischen 1646 und 1773 das kulturelle Leben in Solothurn. Ihre Kirche gehört noch heute zu den bedeutendsten Barockkirchen der Schweiz.

Oliver Menge

Längst bevor sich die ersten Jesuiten in Solothurn niederliessen, pflegten das ansässige Patriziat und Bürgertum Beziehungen zum Orden des heiligen Ignatius von Loyola. Ein wichtiger Grund war die mangelhafte Führung der Lateinschule am St.-Ursen-Stift. Um dem hiesigen männlichen Nachwuchs eine solide Bildung zu garantieren, schickte die Obrigkeit ihre Söhne fortan an die bereits bestehenden Jesuitenkollegien in Luzern, Fribourg und Pruntrut. 1646 war es dann so weit: Gegen etlichen Widerstand wurde beschlossen, auch in Solothurn ein Jesuitenkollegium einzurichten.

Instabile Stadt

Der Ruf nach Solothurn kam den Jesuiten nicht ungelegen. Die katholische, von reformiertem Gebiet umzingelte und deshalb als instabil geltende Stadt konnte nach der Meinung des direkt dem Papst unterstellten Ordens von einer solchen Niederlassung nur profitieren. Ihr Einzug liess denn auch – trotz Bedenken des Ambassadors und der Stiftsherren – nicht lange auf sich warten. Den französischen Bourbonen waren die Jesuiten ein Dorn im Auge, weil sie spanienfreundlich waren, und dem Stift, weil es um sein katholisches Monopol fürchtete.

Noch im selben Jahr bezogen die ersten Jesuiten das ehemalige «Wirtshauss im Höflin». Dieses gehörte Altrat Hans vom Staal, der es auf Kosten der Stadt an die ersten acht Patres vermietete. Zum von der Goldgasse her zugänglichen Haus gehörten ein Garten und der offenbar älteste Privatbrunnen der Stadt. Zur Abhaltung der Gottesdienste wurde ihnen die Beinhauskapelle der Stiftskirche St. Ursen, später das Kaufhaus an der Hauptgasse zur Verfügung gestellt. Die vorläufige Niederlassung wurde auf zwanzig Jahre beschränkt. Im Vertrag eingebaut war das Verbot, eigene Immobilien weder zu besitzen noch käuflich zu erwerben. Auch die Annahme von Erbschaften und Stiftungen war untersagt. Kurz: Der Entfaltung waren enge Grenzen gesetzt. Innerhalb des politischen und gesellschaftlichen Lebens aber nahmen die Jesuiten bald einen wichtigen Platz ein. Die kritischen Stimmen verstummten, und die Leistungen des Ordens wurden anerkannt. Einzelne Ratsherren und Bürger sorgten mit namhaften Spenden dafür, dass sich die Patres bequem einrichten konnten.

«Schlaue Jungs»

1666 lief der befristete Berufungsvertrag ab. Er wurde ersetzt durch einen Stiftungsvertrag. Zu jener Zeit hatten sich die Angehörigen der «Sociedad Jesu», deren Ordenskürzel SJ auch gerne mit «Schlaue Jungs» übersetzt wird, längst mit dem Neubau eines Kollegiums und einer Kirche auseinandergesetzt. Der Raumbedarf war beträchtlich und der Wunsch, sich an der Haupt- und Goldgasse auszubreiten unmissverständlich. Bereits 1669 wurde mit Hauskäufen begonnen. Der Rat zeigte sich ob solcher Kauffreudigkeit argwöhnisch und riet, sich mit dem «allbereith einhabenden bezirckh Kirchen und Collegii» zu begnügen. Doch die Pläne für eine grössere Residenz, eine Kirche, die der Stiftskirche in nichts nachstehen sollte, und einen Kollegbau lagen bereits auf dem Tisch. Innert kürzester Zeit begann man mit dem Holzschlag für die künftigen Gebäude, und der Rat schenkte dem Kollegium die ersten 500 Bäume. Besondere Bedeutung kam einer Stiftung des französischen Königs zu, der die Fassade der geplanten Kirche in Aussicht stellte. 1669 schliesslich wurde auch die Gestaltung des Hofes in Angriff genommen.

1773 gab Papst Clemens XIV. dem Druck der westeuropäischen Fürstenhäuser nach und hob den Jesuitenorden auf. Der Rat musste sich intensiv mit der Fortführung der Schule befassen und entschloss sich, diese in ein Professorenkonvent umzuwandeln, aus dem sich später die heutige Kantonsschule entwickelte. Der Versuch, nach der erneuten Zulassung der Gesellschaft Jesu durch den Papst diese wieder zurückzuholen, scheiterte am Widerstand der geistlichen Professoren.