Nein, im Groll habe er der HESO nicht den Rücken gekehrt. Walter Jenny, seit 1999 Leiter der Geschäftsstelle, hat es einfach gesehen. «Ich möchte etwas kürzer treten und mehr Freizeit für meine Tochter haben.» Damit schliesst der 55-jährige Betriebsökonom und diplomierte Marketingleiter ein Kapitel ab, das er eigentlich schon 2010 hatte beenden wollen.

Doch liess sich Jenny noch zur Durchführung einer weiteren Herbstmesse bewegen. Nun aber konzentriert er sich mit seinem Büro Per-Market an der Niklaus-Konrad-Strasse auf die Aus- und Weiterbildung im Marketingbereich und die Unternehmensberatung. «Ich will das Büro mit meinen zwei Angestellten weiter entwickeln», so Jenny, der bei seiner angestammten Tätigkeit auch auf 12 bis 15 freischaffende Dozenten zählen kann.

Trotz Rückwärtstrend gehalten

Für Walter Jenny hat die Rezeptur, mit der die Herbstmesse Solothurn angerichtet wird, immer gestimmt. «Generell sind Publikumsmessen rückläufig im Trend. Doch die HESO hat ihren Standard und ihr Publikum behalten können.» Ein attraktives Rahmenprogramm wie die Sonderschauen – die erste wurde ein Jahr nach Jennys Amtsantritt durchgeführt – oder der Streichelzoo, der Familien mit Kindern begeistert, gehört ebenso zum Erfolgsrezept wie die seit dem HESO-Start 1978 bewährten Eckpfeiler: die Altstadtnähe und der Gratiseintritt, «der Mehrfachfrequenzen bringt.» Die Sonderschauen seien zwar mitunter aufwändig und nicht einfach zu realisieren. Dennoch brächten sie für den Publikumsmix mehr, «als wenn wir einfach alles ins Marketing gesteckt hätten.» Auch das Unterhaltungsangebot im Schanzengraben sei unverzichtbar, zumal man die Probleme der neunziger Jahre mit dem Ansturm von jugendlichen Besuchern auf ein Partyzelt inzwischen gelöst habe.

Auf die Aussteller kommt es an

Als Leiter der HESO-Geschäftsstelle war Walter Jenny vor allem mit der Akquisition der Aussteller, in den letzten Jahren auch für die Frühlings-Fachmesse Socasa zuständig. «Es gab überwiegend gute Kontakte und sehr dankbare Aussteller», erklärt Jenny, und die anderen, die auch vorkamen, gehörten halt zum Geschäft. Dass die Rekrutierung von Ausstellern für die Socasa wegen der Konkurrenz der Eigenheim-Messe schwieriger war, sei Tatsache gewesen. «Doch vor allem bei der HESO ist die Fluktuation in den 13 Jahren mit vielleicht 10 bis 15 Prozent recht gering gewesen.»

Natürlich sei es nicht einfacher geworden, Stadt(vereinigungs)geschäfte zum Mitmachen zu bewegen, räumt Walter Jenny ein – trotz Sonderkonditionen notabene. «Doch immer wieder konnten wir einige kleinere Geschäfte für die Halbzeit-HESO gewinnen. Und was mich besonders freut, ist die in den letzten Jahren gestiegene Akzeptanz der früher verschrienen Hallen 7 und 8, die heute von etlichen Ausstellern gegenüber der «Nordside» bevorzugt wird.» Auch den ab und zu gehörten Vorwurf, die HESO-Aussteller hätten jeweils die weniger rentable Socasa «quersubventioniert» lässt der Noch-Geschäftstellenleiter nicht gelten.

Bis auf zwei «Dellen» sei die Socasa – übrigens auch zuletzt – durchaus in den schwarzen Zahlen gewesen. Eine Kritik bringt Jenny dennoch an: Für eine Fachmesse sei der an der Socasa betriebene Aufwand nicht nötig gewesen. Zurück zur HESO betont er aber: «Es ging nie um eine Quersubventionierung. Die Preise für die HESO-Flächen bewegen sich im Vergleich zu anderen Messen im Mittelfeld.» Vor allem hätten auch Aussteller, die mehrere Messen jährlich besuchen, stets betont, wie «wichtig für sie die HESO mit ihrem speziellen Ambiente ist.»

Und einige Hausaufgaben

Noch vor Weihnachten wird Walter Jenny mit den künftigen HESO-Machern für die Übergabe der Dossiers zusammensitzen. Denn schon wird die Zeit für die Herbstmesse 2012 knapp. «Im Februar müssen die Einladungen verschickt werden, Mitte März ist Anmeldeschluss.» Wie dann die Herbstmesse Solothurn Ende September konkret aussehen wird, weiss Jenny nicht. Aber ein Problem, das sich akzentuiert, müsse gelöst werden: die Parkplatzfrage. Denn mit dem Areal hinter dem Müllerhof dürfte nicht mehr zu rechnen sein. «Ohnehin hat die Stadt bei Grossanlässen ein Parkplatzproblem», meint Jenny, «da müsste man bei der Stadt und dem Kanton Druck machen.»