Stadtbummel

Die HESO, der tanzende Dinosaurier

Die Solothurner vermissen die HESO.

Die Solothurner vermissen die HESO.

Es ist der 3. Juli: Die HESO ist abgesagt! Bestürzte Gesichter um mich herum. Ein Herbst ohne HESO
ist kein richtiger Herbst, wird mir versichert. Zeit meines Lebens habe ich den Herbst mit gefärbten Blättern am Boden, verregneten Wochenenden und Vermicelle verbunden.

Im Aargau aufgewachsen, war mir der Anlass kein Begriff. Dass der Herbst aber noch mehr zu bieten
hat, ist mir neu und weckt meine Neugierde.

Heute hätte die diesjährige Herbstausstellung angefangen. Dass nun ausgerechnet in diesem Jahr die Messe ausfällt, bei der ich hautnah dabei gewesen wäre, ist enttäuschend. Denn das Jahr 2020 hätte das Jahr werden können, an dem ich zum ersten Mal einen richtigen Solothurner Herbst erlebe.
Natürlich vermisse ich die HESO nicht, wie kann man etwas vermissen, dass man gar nicht kennt? Aber neugierig bin ich schon. Gewerbeausstellung finde ich etwas Faszinierendes: Für mich ist es der Dinosaurier unter den Volksanlässen, im Zeitalter des virtuellen Marktplatzes.

Hier in Solothurner ist das Urtier aber nicht tot, sondern lebendig wie eh und je. Die HESO scheint eine nicht abreissende Erfolgsgeschichte zu sein, nicht unterzukriegen, ausser eine globale Pandemie legt das gesamte gesellschaftliche Leben lahm. Ob sich der Erfolg tatsächlich in der Bilanz «unten rechts» bei den Unternehmen zeigt, ist fraglich. Aber hier geht es mehr als um den finanziellen Erfolg. Hier geht es um die DNA des Solothurner Herbstes.

«Das sind zehn Tage Ausnahmezustand», sagt eine Solothurnerin. Ein anderer: «Da trifft man Leute, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. Das ist dann ‹dr place to be in Soly.›» Es gäbe ein Schweinerennen, Chilbi, Festzelte, die nach Käse und Wein riechen und Partys am Wochenende. Darunter kann ich mir etwas vorstellen. Denn ich war auch schon an der Herbstmesse in Basel oder an der Olma in St. Gallen. Hier geht es also nicht nur um das Gewerbe, sondern um das gesellige Zusammensein, das Tanzen – und rennende Säuli.

Einen kleinen Vorgeschmack werde ich zwar schon haben, denn die HESO Sonderschau zu 2000 Jahre Solothurn wird im Oktober stattfinden. Diese Ausstellung findet in der ganzen Stadt statt, damit die nötigen Abstände eingehalten werden können. Auf grossen dreidimensionalen Wappen findet man Informatives über die Stadt. Keine tanzende Masse in den Festzelten, kein Käsegeruch in der Luft und eben keine rennende Säuli.

Jetzt kann auch ich es auch kaum erwarten, dass es Herbst 2021 ist und ich endlich in den richtigen Solothurner Herbst eingeführt werde. Es scheint so, dass man tatsächlich etwas vermissen kann, was man gar nicht kennt.

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